^^'6// HANDBUCH DER VERGLEICHENDEN PHYSIOLOGIE BEARBEITET VON E. BABÄK (Prag), S. BAGLIONI (Sassari), W. BIEDERMANN Oena), R. DU BOIS-REYMOND (Berlin), F. BOTTAZZI (Neapel), E. v. BRÜCKE (Leipzig), R. BURIAN (Neapel), R. EHRENBERG (Göttingen), L. FREDERICQ (Lüttich), R. F. FUCHS (Breslau), S. GARTEN (Giessen), E. GODLEWSKI (Krakau), C. v. HESS (München), J. LOEB (New-York), E. MANGOLD (Freiburg), A. NOLL (Jena), H. PRZIBRAM (Wien), J. STROHL (Zürich-Neapel), R. TIGERSTEDT (Helsingfors), E. WEINLAND (Erlangen), O. WEISS (Königsberg), H. WINTERSTEIN (Rostock) HERAUSGEGEBEN VON HANS WINTERSTEIN IN ROSTOCK DRITTER BAND PHYSIOLOGIE DES ENERGIEWECHSELS PHYSIOLOGIE DES FORMWECHSELS ERSTE HÄLFTE n. TEIL MIT 134 ABBILDUNGEN UND 2 TAFELN IM TEXT JENA VERLAG VON GUSTAV FISCHER 1914 Alle Rechte vorbehalten. J-ZÄf Inhalt des III. Bandes, i. Hälfte. Zweiter Teil. Seite Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. Von R. F. Fuchs, Breslau, Mit 94 Abbildungen 1189 Einleitung 1189 Literatur 1194 Erster Teil: Wirbellose 1194 I. Das Verhalten der Chromatophoren bei den niedersten Tierstämmen . . 1194 Literatur 1199 IL Mollusken (exkl. Cephalopoden) 1199 Literatur 1206 III. Cephalopoden 1206 A. Einleitung 1206 B. Anatomie 1210 Entwicklungsgeschichte 1225 Bau der Iridocyten 1231 C. Physiologie der Chromatophoren 1233 1. Spontaner und reflektorischer Farben Wechsel 1233 2. Einfluß des Lichtes 1235 3. Keaktionsarten der Chromatophoren 1242 4. Kräfte der Formveränderung der Chromatophoren 1246 5. Direkte Reizung der Chromatophoren 1249 6. Wirkung von Sauerstoff und Kohlendioxyd 1253 7. Chemische Reizung der Chromatophoren 1256 8. Reaktion der Chromatophoren beim Absterben und an toten Tieren 1263 9. Einfluß des Nervensystems auf die Färbung 1265 10. Der Tonus der Chromatophoren 1279 Literatur 1282 IV Inhalt. Seite IV. Arthropoden 1285 A. Einleitung 1285 Crustaceen 1285 B. Morphologie der Chroraatophoren 1291 1. Anordnung der Chrom atophoren 1291 2. Bau der Chromatophoren 1294 C. Die Pigmente 1302 D. Die Pigmentverschiebungen innerhalb der Chromatophoren .... 1321 E. Nervenendigungen an den Chromatophoren 1327 r. Entwicklungsgeschichte der Chromatophoren 1329 G. Physiologie des Farbenwechsels 1335 1. Die allgemeinen Erscheinungen des Farbenwechsels der Crustaceen 1335 2. Einfluß der Umgebung 1839 3. Einfluß der Ernährung und chemischer Agentien 1341 4. Einfluß der Temperatur 1344 5. Postmortale Veränderungen 1346 6. Einfluß des Nervensystems 1346 7. Einfluß des Lichtes 1349 a) Der periodische Farbenwechsel 1349 b) Wirkung der BeUchtung und Verdunkelung 1352 c) Direkte photische Reizbarkeit der Chromatophoren 1355 d) Wirkung der Intensität und Wellenlänge des Lichtes .... 1357 e) Wirkung des Untergrundes 1359 8. Koloratorischer Einfluß der Augen 1361 Literatur 1365 Zweiter Teil: Wirbeltiere 1368 I. Allgemeines • 1368 IL Fische 1372 A. Historisches 1372 B. Färbung und Zeichnung 1377 C. Morphologie der Chromatophoren 1381 1. Anordnung der Chromatophoren 1381 2. Bau der Chromatophoren 1383 D. Chemie des Pigments 1390 E. Pigmentbildung 1394 F. Formveränderungen der Chromatophoren 1400 G. Nervenendigungen der Chromatophoren 1404 H. Entwicklungsgeschichte der Chromatophoren 1405 I. Iridocyten und Argenteum 1410 1. Morphologie der Iridocyten 1411 2. Die Iridocytenkristalle 1413 3. Die Entwicklungsgeschichte der Iridocyten und des Argenteums 1415 K. Physiologie des Farbenwechsels 1416 1. Allgemeine Biologie des Farbenwechsels 1416 2. Einfluß der Ernährung auf die Färbung 1423 3. Einfluß der Temperatur auf die Färbung 1424 4. Einfluß des Blutkreislaufes ; Wirkung von Sauerstoff und Kohlen- dioxyd 1427 5. Koloratorische Wirkung mechanischer und elektrischer Reizung 1430 6. Koloratorische Wirkung chemischer Substanzen 1433 7. Postmortale Reaktionen der Chromatophoren 1434 Inhalt. V Seite 8. Einfluß des Nervensystems auf den Farbenwechsel 1435 a) Die Wirkung der peripheren Nerven 1435 b) Der koloratorische Einfluß des Sympathicus (autonomes Nerven- system) 1437 c) Koloratorische Wirkung des Zentralnervensystems 1440 d) Der Tonus der Chromatophoren 1443 9. Die koloratorische Wirkung des Lichtes 1444 a) Wirkung der Intensität 1444 b) Wirkung der Wellenlänge 1447 10. Beeinflussung des Earbenwechsels durch die Augen 1453 11. Die koloratorische Wirkung des Untergrundes 1458 a) Die Helligkeit des Untergrundes 1458 b) Die Farbe des Untergrundes 1460 Literatur 1463 IIL Amphibien 1467 A. Einleitung 1467 ß. Färbung und Zeichnung 1474 C. Morphologie der Chromatophoren 1476 1. Anordnung der Chromatophoren 1476 2. Der Bau der Chromatophoren 1480 a) Die Melanophoren 1480 b) Die Xantholeukophoren 1483 c) Die Leukophoren 1483 d) Farblose Zellen 1484 3. Die Formveränderungen der Chromatophoren beim Farbenwechsel 1484 4. Der Mechanismus der Formveränderung 1488 5. Die Innervation der Chromatophoren 1490 D. Die Pigmente 1491 1. Form und Anordnung der Pigmente 1491 2. Chemisches Verhalten des Pigmentes 1492 3. Die Bildung des Pigmentes 1495 a) Entwicklung der Chromatophoren 1495 b) Ursprung des Pigmentes 1499 4. Beeinflussung der Pigmentbildung durch innereund äußere Faktoren 1502 a) Einfluß der Ernährung auf die Pigmentbildung 1503 b) Wirkung der Chromatophorentätigkeit auf die Pigmentbildung 1505 c) Einfluß der Temperatur auf die Pigmentbildung 1506 d) Einfluß des Lichtes auf die Pigmentbildung 1506 e) Einfluß der Feuchtigkeit auf die Pigmentbildung 1509 f) Pigmentanomalien 1509 E. Physiologie des Farbenwechsels 1509 1. Allgemeine Biologie des Farbenwechsels 1509 2. Koloratorische Wirkung des Lichtes 1513 3. Koloratorische AVirkungen der Temperatur und Feuchtigkeit . . 1517 4. Einfluß des Blutkreislaufes auf die Färbung (Sauerstoff-Kohlen- dioxyd Wirkung) 1520 5. Farbenveränderungen durch chemische Substanzen 1523 6. Farbenveränderungen nach elektrischer und mechanischer Haut- reizung 1531 7. Der Einfluß des Nervensystems auf die Färbung 1533 a) Eeizung und Durchschneidung peripherer Nerven 1533 VI Inhalt. Seite b) Die koloratorischen Einflüsse des Zentralnervensystems . . . 1536 c) Die koloratorische Funktion des Sympathicus (autonomes Nervensystem) 1539 8. Beeinflussung des Farbenwechsels durch die Augen 1542 9. Die koloratorische Wirkung des Untergrundes 1547 Literatur 1548 IV. Reptilien 1553 A. Einleitung I553 B. Färbung und Zeichnung , 1564 C. Morphologie der Chromatophoren 1575 1. Anordnung der Chromatophoren 1575 2. Bau der Chromatophoren 1580 a) Melanophoren 1580 b) Xanthophoren 1585 c) Phäophoren 1585 d) Erythrophoren, Porphyrophoren 1586 e) Leukophoren . . 1587 f) Farblose Zellen 1587 g) Guanophoren 1588 3. Formveränderung der Chromatophoren beim Farbenwechsel . . 1590 4. Der Mechanismus der Formveränderung 1594 5. Die Innervation der Chromatophoren 1596 D. Die Pigmente 1597 1. Form und Anordnung der Pigmente 1597 2. Chemisches Verhalten des Pigmentes 1599 3. Bildung des Pigmentes • . . 1603 a) Entwicklung der Chromatophoren 1603 b) Beeinflussung der Pigmentbildung durch innere und äußere Faktoren 1605 1. Einfluß des Alters, Geschlechtes und der Ernährung auf die Pigmentbildung 1605 2. Einfluß der Temperatur auf die Pigmentbildung 1607 3. Einfluß der Feuchtigkeit auf die Pigmentbildung 1609 4. Einfluß des Lichtes auf die Pigmentbildung 1610 5. Pigmentanomalien 1611 E. Physiologie des Farben wechs eis 1613 1. Allgemeine Biologie des Farbenwechsels 1613 2. Koloratorische Wirkung des Lichtes 1623 3. Koloratorische Wirkungen der Temperatur und Feuchtigkeit . . 1631 4. Einfluß des Blutkreislaufes auf die Färbung (Sauerstoff- und Kohlendioxydwirkung) 1636 5. Farbenveränderungen durch chemische Substanzenen 1638 6. Farbenveränderungen nach elektrischer und mechanischer Haut- reizung 1642 7. Der Einfluß des Nervensystems auf die Färbung 1643 a) Reizung und Durchschneidung peripherer Nerven 1643 b) Der koloratorische Einfluß des Zentralnervensystems .... 1644 Inhalt. VII Seite c) Die koloratorischen Funktionen des Syrapathicus (autonomes Nervensystem) 1647 8. Die Beeinflussung des Farbenwechsels durch die Augen .... 1649 Literatur 1652 Farbe und Zeichnung der Insekten. Von W. Biedermann, Jena. Mit 2 Tafeln und 40 Abbildungen 1657 I. Die Körperfarben (Pigmente) der Insekten 1658 A. Chemie der Körperfarben 1658 1. Melanine ' 1658 a) Allgemeines 1658 b) Tyrosinase bei Insekten L659 c) Tyrosinase und Skelettfarbe 1660 d) Chemische Natur der Melanine 1665 2. Lipochrome 1668 3. Farbstoffe der Purinreihe 1671 4. Farbstoffe aus der Gruppe der Galleni^igmente 1674 5. Chlorophylloide Insektenfarbstoffe 1678 6. Die Beziehungen des roten Vanessenfarbstoffes zum Chlorophyll 1690 B. Versuche, die „Zeichnung" der Insekten auf physiologische Ent- stehungsursachen zurückzuführen 1698 1. Die Blutzufuhr zu den Insektenflügeln " 1699 2. Die Pigmentbildung in den Schmetterlingsschuppen 1703 3. Die Entwicklung der Flügelzeichnung 1710 a) Die Bedeutung der „Adern" 1710 b) Die Theorie von Gebhardt 1722 C. Die Einwirkung äußerer Einflüsse auf Farbe und Zeichnung der Insekten 1734 1. Der Einfluß von Kälte und Wärme 1734 a) Saisondimorphismus und Klimavarietäten 1734 b) Versuche einer experimentellen Beeinflussung der Färbung und Zeichnung durch Wärme und Kälte 1741 c) Theoretische Ansichten über den Einfluß der Temperatur auf Färbung und Zeichnung 1755 a) Die Ansichten von Weismann, Standfuss und Fischer . . 1755 ß) Die Vererbbarkeit der durch Temperatureinflüsse bewirkten Veränderungen 1767 Y) Die „Stoff Wechseltheorie" der Gräfin Linden und Bach- metjews „Plasmatheorie" 1769 2. Der Einfluß mechanischer Einwirkungen 1773 3. Der Einfluß der Feuchtigkeit und Trockenheit 1778 4. Der Einfluß der Nahrung und chemischer Stoffe 1780 5. Der Einfluß des Lichtes und der Farbe der Umgebung auf Färbung und Zeichnung (Schutzfarben) 1791 a) Der Farbenwechsel der Schmetterlingspuppen 1793 b) Die Farben und Zeichnungen der Raupen 1801 c) Theorien der Farbenänderung bei Raupen und Puppen . . . 1817 6. Die Farben entwickelter Insekten (Imagines) und ihre Abhängig- keit vom Licht 1825 VIII Inhalt. Seite a) FarbenanpassuDg (Schutzfärbung) 1825 b) Erklärungsversuche 1833 c) Die Auffassung von Standfuss und Fischer 1838 7. Farbe und Zeichnung als sekundäre Geschlechtsmerkmale . . . 1860 II, Die Strukturfarben (optische Farben) der Insekten 1892 A. Die Schillerfarben schuppenloser Insekten 1894 Zusammenfassung 1913 B. Die Schuppenfarben 1926 1. Käferschuppen 1926 2. Schmetterlingsschuppen 1932 Folgerungen bezüglich der physikalischen Natur der Schuppen- farben 1968 Literatur 1980 Tafelerklärungen 1994 Sachregister 1995 Der Farbenweehsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. Von R. F. Fuchs, Breslau. Einleitung. Der Farbenweehsel der Tiere hat seit den ältesten Zeiten die Aufmerksamkeit der Naturforscher und Laien in hohem Grade auf sich gelenkt und je nach dem besonderen Stande der Naturwissen- schaften seine Erklärung gefunden. Bald waren es ästhetische Ge- sichtspunkte, bald biologische, welche zur Erklärung der bunten Farben- pracht der Tierwelt herangezogen wurden. Schon Aristoteles (1) war der Farbenwechsel der Tintentische bekannt, von ihm ist viel- leicht zum ersten Male der Gedanke der Schutzfärbung in klarer Weise formuliert worden, denn Aristoteles erwähnt, daß der Polyp seine Farbe je nach den Steinen ändert, zwischen denen er sich be- wegt, um seinen Verfolgern zu entgehen ; außerdem legt Aristoteles auch psychischen Einflüssen, wie Angst, Zorn, einen großen Einfluß auf die Färbung bei. Durch Darwins Lehre vom Kampfe ums Dasein wurde die Körperfärbung der Tiere ein wesentlicher Faktor für die Erklärung der Erhaltung der Tierwelt. Man fing an, die ganzen Probleme der Tierfärbung nur von dem ganz einseitigen Standpunkte der Farben- anpassung, bezw. Schutzfärbung aus zu betrachten, und glaubte damit das Um und Auf dieser Fragen, die letzten Probleme der Tierfärbung gelöst zu haben. Und doch liegt in dieser Auffassung ein bedenk- licher Fehler, worauf ich bereits mehrfach hingewiesen habe (Fuchs, 4, 5, 7). Die DARWiNsche Lehre versucht, mit Hilfe der Tier- färbungen eine Reihe biologischer Erscheinungen zu erklären , ohne aber selbst über den Mechanismus der Färbung, über die Ursachen ihres Zustandekommens etwas auszusagen. Sie nimmt die Tierfärbung vielmehr als einen gegebenen Faktor hin, mit dem sie weiter operiert und ihn zu wertenden Urteilen verwendet. Damit hat aber diese Lehre, so paradox es klingen mag, den Boden der rein naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise verlassen , da die Naturwissenschaft jenseits von Gut und Böse steht, oder wie der bekannte Philosoph Rickert sagt, die Naturwissenschaft ist die „wertfreie Betrachtung" der Dinge. Wenn aber die Selektions- theorie wertende Betrachtungen an die Dinge anlegt, indem sie ihnen nützliche und schädliche Eigenschaften zuerkennt, dann hat sie sich 1190 -R. -F. Fuchs, der historischen Betrachtungsweise zugewandt und ist damit Naturgeschichte geworden. Diese selbst kann aber niemals eine Aufklärung über das Zustandekommen einer Naturerscheinung, in unserem Falle über den Mechanismus der Tierfärbung Aufschluß geben. Trotz des Siegeszuges der Selektionstheorie hat es immer einzelne Forscher gegeben , die sich dessen bewußt blieben, daß diese Lehre keine Erklärung im streng naturwissenschaftlichen Sinne für den Mechanismus, für das Naturgeschehen selbst bieten kann ; in erster Linie ist hier Semper (13) zu nennen, der in seinem ausgezeichneten Buche „Die natürlichen Existenzbedingungen der Tiere" gerade auch für das Zustandekommen der Tierfärbung die Mängel der selektionistischen Betrachtungsweise mehrfach betont, wie aus folgenden Stellen hervorgeht : „Es fragt sich, ob nicht manche Farbenverteilungen, denen wir jetzt einen bedeutenden Wert für die Auswahl unter den Formen zu- zuschreiben geneigt sind, von uns in dieser Beziehung gar sehr über- schätzt werden .... Nicht nur die Farben , das heißt die Pigmente , sondern auch deren Verteilung, also die Zeichnung, können unter Umständen durch Ursachen hervorgerufen werden, welche verschieden sind von denen, auf deren Wirken die Zuchtwahl zu beruhen scheint. Die Zuchtwahl kann unter keinen Umständen das Pigment, den eigentlichen Farb- stoff selbst erzeugen. Die Entstehung des Pigmentes muß abhängen von physiologischen Prozessen im Körper jedes Individuums, welche für das gesunde Leben dieses einzelnen Tieres von hoher Bedeutung zu sein scheinen. Die bestimmte Art ihrer Verteilung auf der Haut wird zunächst ganz allgemein durch innere im Tier selbst tätige Ur- sachen bewirkt werden müssen. Sie kann dabei von Anfang an eine regelmäßige oder ganz ungeordnete sein , und diese wird davon ab- hängen, ob die inneren physiologischen Ursachen die Ablagerung der Farbstoffe in die Haut in gewisse Bahnen leiten oder nicht. Sind die Bahnen sehr scharf bestimmt, so wird natürlich auch die Farben- verteilung eine sehr regelmäßige sein müssen, und viele ungemein charakteristische Zeichnungen bei den Actinien, Steinkorallen, Schnecken- und Muschelschalen dürften auf solche Weise entstanden sein. Anderer- seits kann aber auch die Zuchtwahl diese Farben und Zeichnungen vervollkommnen." Es sind somit für eine unser Kausalbedürfnis befriegende Erklärung der Probleme der Tierfärbung die physiologischen Grundlagen zu erforschen, denn ohne diese wird sie immer eitel Stück- werk bleiben. Wie groß und wie lohnend diese Aufgabe ist hat, einer der besten Kenner der Tierfärbung, Franz Leydig (10), klar ausge- sprochen : „Es wäre eine verdienstvolle und dankenswerte Arbeit, wenn ein in Histologie , Physik und Chemie durchgebildeter Beobachter die in der Tierwelt auftretenden Färbungen einer genaueren vergleichenden Prüfung unterziehen wollte. Und auch jetzt kann ich den W^unsch nicht unterdrücken, daß ein Naturforscher von solchen umfassenden Kenntnissen sich finden möge, um das „wunderbare Kapitel" der Farben der Tiere in die Hand nehmen zu können. Ich selber bin mir wohl bewußt, daß ich nur vom einseitig morphologischen Stand- punkt aus einige der Fragen berühren könnte." Der Farbenwecbsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1191 Wer anders als der Physiologe wäre geeigneter, den Forde- rungen Leydigs am ehesten zu entsprechen, obgleich natürlich heute bei dem enormen Umfange der einschlägigen Gebiete ein solcher Polyhistor, wie ihn Leydig fordert, wohl schwer zu finden sein dürfte. Aber soviel steht zweifellos fest, daß das Problem der Tierfärbung ein wesentliches Kapitel der physiologischen Forschung ist, dem leider von selten der Fachphysiologen viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, so daß der größte Teil der ganzen Arbeit den Mor- phologen (Zoologen und Anatomen) überlassen worden ist. Die Färbung der Tiere kommt durch verschiedene Anord- nung der Farbstoffe in den Bestandteilen des tierischen Orga- nismus zustande. Die einfachsten Verhältnisse sind die, wo noch keine eigenartigen morphologischen Elemente mit be- sonderen chromatischen Funktionen zur Ausbildung ge- langt sind, sondern der Farbstoff diffus in den verschiedensten Zellen des Organismus sich vorfindet. Dabei handelt es sich zunächst um gleichmäßig im Zellprotoplasma gelöste Farbstoffe. Diese Art von Färbung tierischer Gewebe ist die allgemeinst verbreitete, sie kommt bereits bei den Protozoen vor und erstreckt sich bis zu den höchststehenden Tieren, den Menschen (z. B. Muskelfarbstoffe etc.). Eine weitere Differenzierung stellt jene Art der Färbung dar, bei welcher der Farbstoff nicht mehr diffus gelöst die Zellen erfüllt, sondern in Form kleinster Körnchen vorhanden ist, ohne daß die Farbstoffpartikelchen an bestimmte Zellen des Organismus ge- bunden wären. Auch dieses Verhalten der Farbstoffe findet sich durch die ganze Tierreihe hindurch verbreitet. Endlich tritt eine schärfere morphologische Differenzierung dahin gehend ein , daß der Farbstoff sich in besonderen Zellen des Organismus ablagert, den Chromophoren oder Chromatop hören, welche eine mehr oder weniger bestimmte Anordnung in den einzelnen Ge- webs- und Organsystemen des Tierkörpers aufweisen. Die Chromato- phoren finden sich dann zumeist in dem Integument der Tiere abge- lagert, obzwar auch innere Organe, wie z. B. der Verdauungstraktus, sowie das zentrale Nervensystem nicht selten reichliche Mengen von Pigmentzellen enthalten. Ja es scheint sogar zwischen dem Nerven- system, insbesondere zwischen den Sinnesorganen und den Chromatophoren eine innige physiologische Beziehung zu bestehen, die sich in ihrer vollkommensten Bedeutung beim Auge ausspricht. Aber auch bei niederen Tieren, wo man von der Ausbildung eines gesonderten Organs für die Lichtperzeption noch nicht sprechen kann, finden sich nicht selten Pigmentzellen in der Gegend der Nervenendigungen des Integuments. Da, wo sich besondere An- häufungen solcher Chromatophoren um Nervenendorgane ausgebildet haben, spricht man von Oc eilen, welche man als primitivste Per- zeptionsorgane für Licht anzusehen pflegt. Es scheint mir aber durch- aus unwahrscheinlich, daß diese Organe nur der Perzeption jener strahlenden Energie dienen sollen, die wir als Licht bezeichnen, sondern es ist vielmehr auch anzunehmen, daß sie als Sensibilisa- toren für die Energieform dienen, welche sonst vom Körper nicht entsprechend wahrgenommen und ausge- nützt würde, nämlich die Wärme. Wir werden in einem späteren Kapitel auf diese physiologische Bedeutung der tierischen Pigmente des näheren einzugehen haben , so daß hier dieser kurze Hinweis genügen mag (Fuchs, 7). 1192 R. F. Fuchs, Sobald es zur Differenzierung eigener Pigmentzellen im engeren Sinne, der Chromatophoren, gekommen ist, lassen sich zwei scharf getrennte Typen dieser Zellen unterscheiden. Die einen stellen in ihrem Aussehen veränderliche Zellen dar, bei denen die Bewegungen des farbigen Inhaltes offenbar durch Protoplasmabewegungen, -Strömungen im Innern der Zelle erfolgen. Ob dabei die von manchen Autoren angenommene Aussendung verzweigter Fort- sätze nach Art der Pseudopodien von Amöben vorhanden ist oder nicht, ob sich das Pigment in festen präformierten Bahnen bewegt, ist für die grundsätzliche biologische Beurteilung dieser Pigmentver- schiebungen zunächst von untergeordneter . Bedeutung. Der wesent- liche Punkt, auf den es hier allein ankommt, ist der, daß an dieser Klasse von Chromatophoren ein eigens differenzierter, mor- phologisch wahrnehmbarer Bewegungsapparat nicht nachweisbar ist. Als Beispiel seien die Pigmentzellen der Am- phibien , Reptilien und Fische genannt. Pouchet (11) hat diese Gattung von Farbstoffzellen als ,,Chromoblast en" bezeichnet, um sie von der zweiten Gattung von Pigmentzellen , die einen eigens differenzierten Bewegungsapparat besitzen, den ,,C h r o m a t o p h o r e n'\ im engeren Sinne des Wortes zu trennen. Diese letzteren Gebilde, welche hauptsächlich bei den Cephalopoden bekannt sind, faßt Pouchet nicht als einheitliche Zellen auf, sondern als Organe und will durch die verschiedene Nomenklatur diesen Unterschied zum Ausdruck bringen. Jedoch erscheint der von Pouchet gewählte Terminus „Chromoblasten" nach unseren gegenwärtigen Anschauungen in der anatomischen und embryologischen Nomenklatur nicht glücklich ge- wählt zu sein, da wir als „B lasten" Zellen bezeichnen, aus denen sich erst die definitiven Zellen des entwickelten Organismus bilden, die also Vorstufen, Entwicklungsstadien gewisser Zellen vorstellen. Diese Auffassung trifft aber keineswegs für die Chromatophoren zu, obgleich Pouchet von den Chromatophoren der Cephalopoden sagt, daß sie anfangs Chromoblasten seien. Es ist aber zweifellos unrichtig, die embryonale Chromatophore, die noch keinen eigenen Bewegungsapparat in Form von Muskelfasern erkennen läßt, mit einer fertigen Pigmentzelle der Amphibien identifizieren zu wollen. Will man die zwei Typen von Pigmentzellen voneinander durch Termini scheiden, dann wäre es zweckmäßiger, für die erste Art von Farb- zellen, bei denen kein gesonderter morphologischer Bewegungsapparat besteht, den von Sangiovanni (12) zuerst gewählten Namen „C h r o m o - p hören" zu benützen. Die chromatische Hautfunktion steht, wie zahlreiche Versuche er- geben haben, unter dem Einfluß des Nervensystems, wenn- gleich der histologische Nachweis des Zusammenhanges der Nerven- fasern und Chromatophoren verhältnismäßig spät erbracht worden ist. Harless (8) glaubte zuerst einen Zusammenhang der Chromatophoren mit darüber hinwegziehenden Nerven gesehen zu haben, und damit war der Weg gegeben, auf dem die Einflüsse des Zentralnervensystems den Chromatophoren zugeleitet werden. Daß das ganze Farbenspiel unter der Herrschaft des Zentralnervensystems steht, hatte man schon frühzeitig richtig vermutet, und seit Aristoteles (1) hat man bis in die neueste Zeit einen willkürlichen Farbenwechsel, z. B. bei Tintenfischen und Chamäleonen, angenommen. Die genauen, besonders experimentellen Untersuchungen über den Einfluß des Zentraluerven- Der Farbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1193 Systems beginnen aber erst mit Versucben von Klemensiewicz (9) sowie Fredericq (3) an Cephalopoden. Alle auf diesen Punkt ge- richteten Untersuchungen haben nicht nur im allgemeinen einen Ein- fluß des Zentralnervensystems auf den Farben Wechsel ergeben, sondern zur Kenntnis von eigenen koloratorischen nervösen Zen- tralorganen geführt, von denen aus die Farbenveränderungen ge- setzmäßig geregelt werden. Gerade die Existenz dieser eigens differenzierten koloratori- schen Zentralorgane, welche keineswegs nur bei den Tier- gattungen vorhanden sind, welche mit Muskeln versehene Chromato- phoren besitzen, sondern auch z. B. beim Frosch durch Biedermann (2), Steiner (14) und andere Forscher nachgewiesen wurden, deutet auf die große funktionelle Wichtigkeit des Farben wechseis hin. Außer- dem werden wir dadurch zu der Frage gedrängt: welche funk- tionellen Momente haben im Laufe der Phylogenese den Anstoß zur Differenzierung eigener kolora torischer Zentralorgane gegeben? Es ist naheliegend, anzunehmen, daß die koloratorischen Zentren sich zuerst bei jenen Tieren durch funk- tionelle Anpassung und Selbstgestaltung entwickelt haben dürften, bei denen die koloratorischen Funktionen eine wichtige Bedeutung für die Erhaltung des Lebens und vor allem auch eine grössere Mannigfaltigkeit ihrer Form erlangt haben. Denn gerade bei diesen Tieren ergab sich zuerst die Notwendigkeit eigens differenzierter koloratorischer Zentralorgane, um einesteils diese lebens- wichtigen, sich ständig wiederholenden Vorgänge in feste Bahnen zu lenken, die einen gesetzmäßig prompten Ablauf der Erscheinungen sichern, sie zum Reflex zu gestalten. Da alle primitiven nervösen Zentralorgane nur Reflexorgane sind, so liegt es nahe, daran zu denken, daß die ständig wiederkehrenden einfachen Erregungs Vorgänge in letzter Linie den Anstoß zur Differenzierung eines Zentralnerven- systems überhaupt gegeben haben. Für die Ausbildung besonderer koloratorischer Zentren kommt noch der Umstand in Betracht, daß mit der Mannigfaltigkeit der chromatischen Reaktionen sich eine Notwendig- keit eigener Koordinationszentren ergeben mußte, wenn auf die verschiedenen Reize, die dem Tier von der Außenwelt zugehen, verschiedene voneinander deutlich unterscheid bare Reaktionen er- folgen sollen, welche als sogenannte zweckmäßige erscheinen. Solche höhere Leistungen können nur von verhältnismäßig hochdiff'e- renzierten nervösen Organen hervorgebracht werden (Fuchs, 6). Nach dieser kurzen Schematisierung der chromatischen Funktionen vom physiologischen Gesichtspunkte aus sollen in den folgenden Ab- schnitten zunächst die wichtigsten Tatsachen über die Physiologie des Farbenwechsels bei den einzelnen Tierklassen behandelt werden. Gleich hier möchte ich, gleichsam zu meiner Entschuldigung, anführen, daß diese Darstellung keinen Anspruch darauf machen kann, alle ein- schlägigen Arbeiten berücksichtigt zu haben. Sicherlich sind mir viele Einzelbeobachtungen der weitverzweigten zoologischen Literatur ent- gangen, ganz abgesehen davon, daß mir auch nicht alle einschlägigen Arbeiten im Original zur Verfügung standen. Außerdem würde aber eine auch nur annähernde Vollständigkeit eine Monographie gezeitigt haben, die den Rahmen und den Zweck dieses Handbuches weit über- schritte. 1194 R. F. Fuchs, Literatur. Eiiileitu ng. 1. Aristoteles, Historia animalium, Lib. IV, cap. 37. 2. Biedermann, W., Ueber den Farbenwechsel der Frösche. Ärch. f. d. (/es. Physiol. d. Tiere n. d. Menschen (Pfliujer), Bd. 51 (1892). 3. Fredericq , Leon, Recherches sur la physiologie du Poulpe comrmm (Octopus vulgaris). Arch. de zool. e.vper. et gebier., T. 7 (1878). 4. Fuchs, R. F., E. Fischers (Zürich) experimentelle Untersuchnnge^i über die Vererbung erworbener Eigenschaften. Arch. f. Entw.-Mech. d. Organismen, Bd. 16 (1903). 5. — Ztir Physiologie der Pigmentzellen. Biol. Ctbl., Bd. 26 C1906) und Festschrift f. J. Rosenthal, Leipizig 1906. 6. — Zur Physiologie der Pigmentzellen, zugleich ein Beitrag zur Funktion des Stellar- ganglions der Cephalopoden. Arch. f. Enttv.-Mech. d. Organismen Bd. 30 (1910). (Festschrift f. W. Roux.J 7. — Die physiologische Funktion des Chromatophorensystems als Organ der physi- kalischen Wärmeregidierung der Poikilothermen. Sitz.-her. d. Phys.-med. Soc. in Erlangen, Bd. U (1912). 8. Harless, E., Untersuchungen über die Chromatop hören bei Loligo. Arch. f. Natur- gesch., Jg. 12, Bd. 1 (1846). 9. Klemensieivicz, H., Beiträge zur Kenntnis des Farbenwech.sels der Cephalopoden. Sitz.-ber. d. K. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturwiss. Kl., Bd. 78, Abt. 3 (1878). 10. Leydig, F., Pigmente der Hautdecke und Iris. Verhandl. d. physik.-med. Ges. zu Würzburg, N. F. Bd. 22 (1889). 11. Pouchet, G., Des changements de coloration sous l'influence des nerfs. Journ. de V Anal, et de la Physiol. norm, et pathol. de l'homme et des animaux (1876). 12. Sangiovanni, G., Descrizione d'un particolare sistema di organi cromoforo-espan- sivo-dermoideo e dei fenomeni d'esso produce, scoperto nei molluschi cefalopodi. Giorn. enciclop. di Napoli, Anno 13 , Frorieps Notizen aus d. Gebiete d. Natur- u. Heilkunde, Bd. 5 (1823). 13. Sentper', Karl, Die natürlichen E.vistembedingungen der Tiere, Leipzig, Bd. 391^0 d. internat.-iviss. Bibliothek (1880). 14. Steiner, J., Die Funktionen des Zentralnervensystems. Abt. 1. Untersuchungen über die Physiologie des Froschhirns, Braunschweig 1885. Erster Teil: Wirbellose. I. Das Verhalten der Chromatophoren bei den niedersten Tierstämmen. Bei den Protozoen, Tieren ohne zellig gesonderte Organe und Gewebe, kann von Chromatophoren als histologisch selbständigen Elementen nicht die Rede sein. Wohl aber sind häufig feinkörnige gefärbte Einschlüsse im Protoplasma, ja sogar direkte Pig- menthäufungen, z. B. bei Radiolarien, beobachtet worden. Erst bei den Cölenteraten treten Zellen auf, die im histo- logischen Sinne als Pigm entz eilen anzusprechen sind. Schon bei dem niedersten Kreis dieses Tierstammes, den Spongien, wurde von K. V. Lendenfeld (6) in seinen Untersuchungen über Südsee- cölenteraten ein Farbenwechsel beschrieben, indem bei Aplysilla violacea, einem violett gefärbten Schwamm, die Bestrahlung des Schwammes mit konzentriertem violetten Licht sogleich einen roten Schimnier auftreten läßt, welcher im diffusen Tageslicht nicht sichtbar ist. Eine Erklärung über das Zustandekommen dieser Farben Verände- rung, welche vielleicht durch Fluoreszenz hervorgerufen wird, hat V. Lendenfeld nicht gegeben, wohl aber erwähnt der Autor, daß ab- gestorbene Schwämme, deren ektodermales Plattenepithel von der äußeren Oberfläche stets abgestoßen ist, den roten Schimmer unter Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1195 keinen Umständen zeigen , obwohl die schwarz-violette Farbe des Schwammes unverändert erhalten geblieben ist. Aus dieser letzteren Angabe v. Lendenfelds kann man wohl annehmen, daK die Farben- änderung im geschilderten Versuche durch die Epithelzellen bedingt ist, die aber nicht als Pigmentzellen angesehen werden können. Im direkten Sonnenlicht erscheint die Oberfläche des Schwammes samtartig und zeigt einen karmesinroten Schimmer, der durch eine fluoreszierende Wirkung der äußersten Zellschicht oder vielleicht der Cilien der Ektodermzellen hervorgerufen wird. Der Bestandteil des Ektoderms, welcher die Fluoreszenz verursacht, verliert, in Alkohol gelöst, seine fluoreszierenden Eigenschaften. Nach diesen Angaben V. Lendenfelds würden wir bei den Spongien bereits Fluoreszenz- zellen anzunehmen haben, also Elemente, die für Färbungserschei- nungen, welche an höheren Tieren auftreten, von großer Bedeutung sind. Aber auch echte Pigmentzellen beschreibt v. Lendenfeld. In der Haut von Aplysiüa trifft man dicht zusammengedrängt große amöboide Zellen. „Die läppen förmigen vorderen Fortsätze werden von hyalinem Plasma gebildet, und erst nachdem dasselbe eine Strecke weit vorgegangen ist, ergießt sich der körnige Inhalt in die Fortsätze hinein. Die hinteren feinen Pseudopodien sind stets von trübem Plasma gebildet und scheinen dadurch zu entstehen, daß das körnige Plasma an einigen Stellen haftet und daher in der Bewegung zurück- bleibt." Der ovale Kern liegt hinter der Mitte. Außer zahlreichen feineren und gröberen stark lichtbrechenden Körnchen enthält das zentrale Protoplasma rundliche, fast undurchsichtige, dunkelviolette Körnchen. Diese sind es, welche dem Schwamm seine Farbe verleihen. In der Haut ist aller Farbstoff" an diese amöboiden Zellen gebunden, während alle übrigen Teile derselben farblos sind. Bei der in der Adria lebenden Aplysilla sulfurea enthalten die amöboiden Zellen gelbe Pigmentkörnchen. Im Innern des Schwammes sind aber die Pigment- körnchen nicht auf die Wanderzellen allein beschränkt. Auch bei Dendrilla rosea ist der Farbstoff" an kleine Körnchen gebunden, welche wahrscheinlich ausschließlich in den Wanderzellen vorkommen. Bei Behandlung mit Alkohol verwandelt sich der rosa Farbstoff in einen bräunlichen fleischfarbenen. Tote Schwämme, die an keiner Stelle mehr Flimmerung zeigen, bleiben im Meerwasser einige Tage lang schön rot, erst später nehmen sie eine schmutzig-bräunliche Fär- bung an. Dendrilla aerophoha ist ebenso wie Aplysina aerophoha schwefel- gelb gefärbt und zeigt ebenso wie diese den gleichen Farbenwechsel infolge der Einwirkung von Süßwasser, Luft oder anderen schädlichen Substanzen. Der Schwamm wird, wenn er unter günstigen Umständen langsam abstirbt, allmählich von der Oberfläche gegen die Mitte zu schön blau. Später wird die Farbe ein sehr dunkles Blau, fast Schwarz. Durch Alkohol wird er schmutzig-kupferrot gefärbt. Dieser Farbstoff" geht zum Teil in Lösung und fällt dann als brauner Niederschlag wieder aus. Der Farbstoff findet sich bei Dendrilla in kleinen Körn- chen, während er bei Aplysina aerophoha konkrementartige Ballen bildet. Der Farbenwechsel des Schwammes ist im zentralen Teile, selbst dann, wenn man ihn durchschnitten hat, weder durch Einwir- kung von Süßwasser, noch der von Alkohol so intensiv wie an der Oberfläche, was nach v. Lendenfeld darauf zurückzuführen ist, daß 1196 R- F. Fuchs, die Haut von Dendrilla, ebenso wie die der anderen australischen Schwämme besonders reich an amöboiden Wanderzellen ist, und deshalb besonders viel Pigmentkörnchen enthält. Die im Leben schwefelgelben Pigmentkörnchen sind auch hier ausschließlich an die Wanderzellen gebunden. Diese Farbstoflfzellen stehen nach v. Lendenfeld in wesentlicher Beziehung zur Ernährung des Schwammes. Der Farbstoff selbst ist aber kein Nahrungsstoff, sondern die Zellen sind als den roten Blutkörperchen der Wirbeltiere vergleichbare Gebilde anzusehen. Wenn wir auch keine ausreichende Erklärung für den Mechanismus der Farbenänderungen bei den Spongien durch die Arbeiten v. Lenden- felds gewonnen haben, so sind sie doch geeignet, das größte In- teresse der Physiologen zu beanspruchen und lassen gerade syste- matische physiologische Untersuchungen des Farben wechseis der Spongien, welche Tierklasse bisher von den Physiologen ganz beiseite gelassen wurde, sehr aussichtsreich und wünschenswert erscheinen. Gerade auch die physiologische Bedeutung der Farbstoffzellen, welche ihnen v. Lendenfeld zuerkennt, fordert die Aufmerksamkeit der Physiologen heraus, weil sie uns auf eine Funktion der Pigmentzellen hinweist, welche von den Physiologen bisher eigentlich so gut wie vollkommen außer acht gelassen wurde. Vielleicht gewinnen wir bei weiteren Untersuchungen nach dieser Richtung hin ein Verständnis für das bei manchen Tierarten gewiß höchst auffallende Vorkommen zahlreicher Pigmentzellen in den inneren Organen, insbesondere im Verdauungsrohr. Auch Franz Eilhard Schulze (10) beschreibt bei Spongien in der Nähe der Geißelkammern gelegene Zellen von verschiedener Form, welche im Leben wahrscheinlich amöboide Bewegungen ausführen, und die an den dunkel gefärbten Tieren reichlich dunkel- braune Pigmentkörnchen enthalten. Bei Acalephen (Scyphomedusen) finden sich nach J. V. Carus (2) häufig Pigmentzellen in der zarten, aus polyedrischen Zellen ge- bildeten Epidermis, welche das Körperparenchym überzieht. Ob diese Zellen Formveränderungen zeigen, welche einen Farbenwechsel herbei- führen, scheint nicht untersucht zu sein. Ferner hat 0. Keller (5) bei Cassiopeia poJypoides, einer Meduse des Roten Meeres, Zellen beschrieben, die in der Schirm gallerte in großen Mengen "dicht unter dem Epithel eingebettet und meist zu kugeligen oder länglichen Haufen vereinigt sind. Sie sind intensiv gelb- braun und werden von Keller als Pigmentzellen bezeichnet, doch hält der Autor selbst diese Gebilde für identisch mit den gelben Drüsenzellen, welche 0. Hamann bei einem großen Teil der Rhizo- stomen aufgefunden hat, so daß wir diese Zellen den Pigmentzellen im engeren Sinne des Wortes nicht zuzählen dürfen. Auch bei den Würmern sind nach Angaben von J. V. Carus und F. Leydig Pigmentzellen beobachtet worden; insbesondere hebt Leydig (7) hervor, daß man zwischen den rundlichen, eckigen Epidermiszellen bei Piscicola stark verästelte Pigmentzellen gewahrt. Carus (2) weist ferner darauf hin, daß gerade bei den Würmern sehr häufig die Fär- bung von einer eigentümlichen Faserung herrührt, wodurch eine Iri- deszenz hervorgerufen wird. Aus der Klasse der Anneliden sind Chromatophoren bei Hiru- dineen beschrieben worden. Der Falbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1197 Die Pigmente der Hirudineen hat Leydig (7) sehr eingehend studiert. Das Pigment von Piscicola kann schwarze, rotbraune, schmutzig-gelbe, violette oder grüne Farbe haben. Das Pigment ist zum Teil in vielseitig verästelten, mit deutlichen Kernen und Mem- branen versehenen Zellen enthalten, die zum Teil durch Kommuni- kation Netze bilden. Andererseits kommt das schmutzig-gelbe Pigment in Anhäufungen vor, die zwar einen Kern, aber keine Zellmembranen erkennen lassen. Endlich kommt das Pigment in Klümpchen (Leydig nennt sie „Molekeln"), oder in Tropfen vor, ohne jede Andeutung zelliger Differenzierung. Während bei Piscicola, wie bei vielen anderen Würmern, fast alle Organe mit Pigment versehen sind, besitzt Clepsine nur in der Haut Pigment, die anderen Organe besitzen davon nur ganz geringfügige Spuren. Das Hautpigment von Hirudo medicinalis läßt nur teilweise einen zelligen Charakter erkennen. In diesem Falle sind verästelte mit Kernen versehene Zellen vorhanden, besonders in der Fußscheibe und am Kopf. Es sind sehr zierliche Zellen, welche unter dem strukturlosen Oberhäutchen liegen. In tieferen Schichten trifft man Pigmenthaufen an, die nur hie und da den Anschein zelligen Charakters bieten. Bei Nephelis bildet das gelbe Pigment der Haut Klümpchen, während das schwarze in dendritisch verzweigten Zellen sich vorfindet. Bei Clepsine sind die im auffallenden Licht weiß er- scheinenden Flecke Zellen mit bläschenförmigem Kern, einem Kern- körperchen und körnigem Pigment als Zellinhalt. Dagegen sind die roten Pigmenthäufchen ohne jeden Zellcharakter. Die Membranen der Pigmentzellen bei Piscicola und Clepsine bilden sich erst später im ausgewachsenen Zustand. Leydigs Angaben wurden von Hachlov (4) an verschiedenen Hirudineen vollständig bestätigt und noch dahin gehend ergänzt, daß das in den Chromatophoren vorhandene schwarze, dunkelbraune oder orangefarbene Pigment gewöhnlich in gesonderten Chro- matophoren vorkommt, aber es gibt auch Chromatophoren, welche gleichzeitig zweierlei Pigmente enthalten, also polychrom sind wie die Chromatophoren der Crustaceen. Graf (3) hält die Pigmentzellen der Hirudineen für amöboide Wanderzellen, die die Aufgabe haben, die beim Stoffwechsel ge- bildeten Pigmente in die Haut zu transportieren und dort abzulagern. Da es sich um Beseitigung von Produkten des Stoffwechsels durch diese Zellen handelt, so bezeichnet sie Graf als Exkretophoren. Das in der Haut befindliche Pigment soll aus den abgerissenen Zell- fortsätzen stammen, die die Exkretophoren zwischen die Epidermis- zellen senden. Da die abgerissenen Fortsätze von ihren Zellen (Kernen) abgetrennt sind, so sterben sie ab. Diese Auffassung von Graf widerspricht aber den durch Leydig und Hachlov festgestellten histologischen Tatsachen, die zu den Zellen gehörige weitverzweigte Fortsätze nachgewiesen haben, so daß Grafs Beobachtungen wohl andere Zellen betreffen als echte Chromatophoren. H. Rathke (9) beschreibt Chromatophoren bei Nephelis und Clepsine. Bei Nephelis beginnt die Pigmentierung einige Tage nach der Geburt zunächst an der Rücken- und Bauchfläche, indem die hier gelegenen Hautzellen beginnen, eine molekulare Masse von gelb- brauner Färbung in sich abzulagern und immer stärker anzuhäufen. „Später entwickeln sich zwischen den braunen auch schwarze Pigment- zellen von mehr oder minder zackigem oder strahligem Aussehen." 1198 E. r. Fuchs, Bei Clepsine erscheinen die Pigmentflecken bereits einige Tage vor Abtrennung vom mütterlichen Tier, wo sie zuerst in spärlichen Reihen am Rücken auftreten und sich dann nach der Geburt des Tieres sehr rasch vermehren. Die Flecken haben eine wechselnde Form und Größe und sind als Pigmentzellen zu deuten, die einen hellen Kern im braunen Pigment meist leicht erkennen lassen. In den tieferen Lagen der Körperdecke kommt außer den beschriebenen noch eine zweite Form von sehr großen Pigmentzellen vor, die gelblichgrüne Pigmentkörnchen enthalten. Auch Kalkkörperchen kommen in der Haut vor, welche sich durch ihr starkes Lichtbrechungsvermögen aus- zeichnen. Bei Echinodermen hat v. Uexküll (11) einen auffallenden Farbenwechsel beschrieben, der durch Belichtung und Verdunk- lung experimentell erzeugt werden kann. Centrostephanus entfärbt sich nach einem etwa halbstündigen Aufenthalt im Dunklen, wobei sich alle schwarzen Chromatophoren, mit Ausnahme jener der Madre- porenplatte, zusammenziehen. Am Licht dehnen sich die Chromato- phoren wieder aus und nehmen verästelte Gestalt an, wodurch das Tier dunkel wird. Bei jungen Tieren entfärbt sich der Analstern ; ältere Tiere, die längere Zeit im Dunklen waren und hell geworden sind, zeigen am Lichte gleichfalls zuerst eine Expansion der Chro- matophoren am Analstern, später reagieren auch die anderen Chro- matophoren. Die Geschwindigkeit der Reaktion ist von der Intensität des Lichtes abhängig. Ganz analog wie Centrostephanus verhält sich Arbacia pustulosa, die in der Dunkelheit braun gefärbt ist, während sie im Licht tiefschwarz erscheint. Leider enthalten v. Uexkülls Angaben keine näheren histologi- schen Details über den Bau der Chromatophoren, sowie über die sich bei den Pigmentbewegungen abspielenden Prozesse in diesen als Zellen nicht nachgewiesenen Chromatophoren. Denn es wäre mög- lich, daß es sich um Pigmentströmungen in einem Kanal- system handelt. Es ist deshalb dringend erwünscht, die Beobach- tungen V. Uexkülls durch neue genaue histologische Untersuchungen zu ergänzen. Die Bedeutung der Pigmentverschiebung erblickt v. Uexküll in einer Schirmwirkung zum Schutze eines nach v. Uexkülls Vermutung hinter den Chromatophoren gelegenen Farbstoffes, der durch Licht zersetzt wird. Es ist das eine Auffassung der Chromatophorenfunktion, wie sie neuerdings auch von Bauer (1) für die Crustaceen (siehe diese) im Detail durchgearbeitet worden ist. Aus den Schalen von Sphaerechinus hat v. Uexküll durch abso- luten Alkohol einen purpur- bis weinroten Farbstoff extrahiert, der gegen direktes Sonnenlicht sehr empfindlich ist und durch dieses zu- nächst in Gelb übergeführt und dann allmählich fast ganz entfärbt wird. Durch Süßwasser oder Glyzerin lassen sich verschiedene F'arben extrahieren, welche von v. Uexküll nicht näher charakterisiert worden sind. Im Dunklen sind alle Farben unbegrenzt haltbar, auch Er- hitzen ändert die Farbe nicht. Säure verwandelt das Purpur in Ziegel- rot, Alkalien dagegen in Schwarz, aus dem durch Neutralisieren der lichtempfindliche Purpurfarbstoff wiedererhalten wird. An der Sonne gelegene Schalenstücke lassen nur ein gelbes Pigment im Alkohol- extrakt erscheinen, dagegen geben im Dunklen aufbewahrte Schalen purpurfarbene Extrakte. Aus Schalen von Centrostephanus wurden nur gelbe Farbstoffe ausgezogen. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1199 Die chemische Natur dieses Farbstoffes und seine biologische Be- deutung läßt sich nach v. Uexkülls Angaben nicht beurteilen, eben- sowenig ist die Regulation der Pigmentverschiebung, der Angriffs- punkt des Reizes klar, so daß neue Versuche sehr lohnend erscheinen. Literatur. Niederste Tier st ä m m e. 1. Bauer, Victor, lieber die Atisnützung strahlender Energie im intermediären Farh- Stoffwechsel der Garneelen. Ztschr. f. allg. Physiol., Bd. IS (1912). 2. Cartis, J. Victor, System der tierischen 3forphologie, Leipzig 1853. 3. Graf, Artiolcl, Ueber den Ursj^rung des Pigments und der Zeichnung hei den Hiru- dineen. Zool. Am., Jg. 18 (1895). 4. Hachlov, L., Die Körperwand von Hirudo medicinalis nebst einigen Bemerkungen über die Bayer sehen Organe von Clepsine sexoculata. Zool. Jahrb., Abt. f. Anat. u. Ontog. d. Tiere, Bd. 29 (1910). 5. Keller, C,, Untersuchungen über neue Medusen aus dem Boten Ifeere. Ztschr. f. wiss. Zool., Bd. 38 (1883). 6. t'. Lendenfeld, R., Ueber Cölenteraten der Südsee. II. Ilitteil. Neue Aplysinidae. Ztschr. f. wiss. Zool., Bd. 38 (1883). 7. Leydig, Franz, Zur Anatomie von Piscicola geometrica mit teilweiser Vergleichung anderer einheimischer Hirudineen. Ztschr. f. iviss. Zool. Bd. 1 (1849). 8. — Lehrb. der Histologie des Menschen, und der Tiere, Frankfurt a. M. 1857. 9. Rathlce, Heinrich, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Hirxidineen, herausg. von Rudolf Leuckart, Leipzig 1862. 10. Schtilse, Frans Ftlhavd. Untersuchungen über den Bau, und die Enttvicklung der Spongien. 8. Bfilteil. Die Gattung Hircinia, Nardo und Oligoceras n. g. Ztschr. f. wiss. Zool., Bd. SS (1880). 11. r. Uexküll, J., Vergleichend-sinnesphysiologische Untersuchungen. II. Der Schatten als Reiz für Centrostephanus longispinus. Ztschr. f. BioL, N. F. Bd. 16, der ganzen Reihe Bd. 34 (1896). II. Mollusken (exkl. Cephalopoden). Bereits bei der 1. Ordnung der Amphineuren, nämlich den Aplacophoren, erwähnt H. Simroth (11) Farbzellen und einen Farbenwechsel. Als besonderes Beispiel wird das Verhalten vo,n EcJiinomenia angeführt, welche auf einem roten Korallenstamm rot wird, indem das Tier seine Kalkstacheln, die Spiculae, aufrichtet, während es zwischen weißen Polypen durch Niederlegen der Spiculae weiß er- scheint, weil dann die in der Haut liegenden roten Pigmentzellen verdeckt sind. Simroth nimmt an, daß es sich bei diesem Vorgang um eine Farbenwahrnehmung handelt, die natürlich um so auf- fallender ist, als es sich um ein au gen loses Tier handelt, weshalb Simroth den roten Farbzellen die Farbenperzeption zuschreibt. Seine Auffassung stützt er mit der Angabe von Tullberg (14), welcher eine Verbindung von Chromatophoren mit einer Nervenfaser bei Neomenia beschrieben hat, obgleich Simroth selbst die Nervenfaser Tullbergs für eine Muskelfaser hält. Zweifellos ist dieser Farbenwechsel von Echinomenia ein sehr interessantes physiologisches Phänomen, doch dürfte es wohl vom Standpunkte des Physiologen aus richtiger sein, hier nicht von Farbenwahrnehmung zu sprechen, sondern einen anderen Erklärungs- modus für den Reflex der Aufrichtung der Kalkstacheln, um einen solchen kann es sich doch nur handeln, zu suchen. Wahrscheinlicher sind als Reflexursachen mechanische Reize, Rauhigkeit der Korallenstämme, Glätte der Polypen, oder vielleicht chemische Reize, Vorhandensein von verschiedenen Exkreten dieser Tierarten anzu- nehmen. Denn von Farbenwahrnehmung oder noch strenger ausge- 1200 R. r. Fuchs, drückt Farbenunterscheidung könnte erst dann mit einiger Wahrscheinlichkeit gesprochen werden, wenn z. B. Echinomenia auf roten Korallen rot, auf weißen weiß erschiene, wenn andere Reize bei solchen Beobachtungen ausgeschlossen wären. Immerhin ver- dient der Farbenwechsel von Echinomenia eine genauere Untersuchung. In der Klasse der Lamellibranchiaten treten Pigmente vor- nehmlich an dem häutig gefalteten oder auch Papillen und Tentakeln tragenden Mantelsaum auf (Claus, 4). Angaben über einen Farben- wechsel der Muscheln habe ich nicht finden können. Auch über die P i g m e n t z e 1 1 e n der Gastropoden sind unsere Kenntnisse noch sehr mangelhaft. Pigmenttragende Zellen sind zwar bei den Gastropoden sehr verbreitet, so findet sich nach den Unter- suchungen von Franz Boll (1) Pigment in den Plattenepithelien einiger Heteropoden, sowie in vielen Cuticular- und Wimperepithelien der Gastropoden. Bei Haliotis tuherculata ist der Mantelteil mit einem schwarzen, körniges Pigment führenden Zylinderepithel überzogen, ferner finden sich in dem Zylinderepithel der Tentakel stets einige oder viele Körnchen eines schmutzig -olivbraunen bis grünlichen Pigmentes. Nach H. Simroth (12) liegt bei Janthina ein dunkel- schwarzes Pigment, das wohl während des Lebens blau schimmert, in den meisten Epithelzellen an der freien Körperoberfläche. Es findet sich in dicken Klumpen bald distal, bald proximal vom Kern, wobei benachbarte Zellen streckenweise die gleiche Pigmentverteilung auf- weisen. Simroth vermutet, daß es sich dabei um Pigment- wanderungen innerhalb der Zellen je nach der Beleuch- tung handle. Bei Vermetus besitzt der Eingang der Fußdrüsen nach Fr. Houssay (7) ein schwarzes Epithel. Physiologisch in- teressant ist, daß nach Simroth eine besondere Beziehung zu den Sinnesepithelien besteht, ohne daß allerdings die physiologische Be- deutung dieser Erscheinung klargestellt wäre. So finden sich be- sondere Pigmentierungen an der sensitiven Region der verschiedenen Osphradien, und es ist wohl kein Zufall, daß auch der Fühler und Kopf von Cyclostoma, also exquisit sensitive Organe, pigmentiert sind, während sonst das Epithel farblos ist. Von Cypraea tigris aus der Ordnung der Prosobranchier wird von Broderip (3) angegeben, daß diese Schnecke imstande ist, die Farbe zu wechseln. Bei den von C. Gegenbaur (6) untersuchten Heteropoden enthalten die mit rosaroten oder rotvioletten Flecken bedeckten Arten, Plerotracliea Friderici und Pterotrachea mutica das Pigment ausschließlich in den Epidermiszellen, ebenso findet sich nach Boll (1) bei Doris, einem Opisthobranchier, ein gelbes Pigment in den Epithelzellen des Mantelrandes. Hier wären auch noch die Untersuchungen von H. Müller (10) über die Gattung FhylUrhoe zu erwähnen. Die Tiere zeigen an ihrem oberen und unteren Rande unregelmäßig zylindrische opalisierende Körperchen. Etwas tiefer liegen schon mit bloßem Auge sichtbare intensiv gelbe Punkte, welche mit körnigen Massen erfüllte Zellen sind, die bald eine zackige, bald glatte oder rundliche Gestalt haben. Manchmal findet man eine Menge von der Zelle abgehende Radiärfasern, so daß diese Gebilde den Chromatophoren der Cephalopoden sehr ähnlich sind. Ein Form Wechsel dieser Zellen wurde nur bei Aenderungen des Kontraktionszustandes des ganzen Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1201 Tieres bemerkt, wobei diese Zellen bald flacher, bald dicker wurden. Neuerdings wurden die Chromatophoren von PhpUirho'e bucephala von Born (2) als vielkernige (2 — 12 Kerne) Gebilde beschrieben, welche zwischen den einzelnen Kernen Zellkonturen zeigen. Die Kerne selbst sind bläschenförmig und liegen an verschiedenen Stellen der Zelle. Auch die Pigmentverteilung zeigt verschiedene Bilder; häufig findet sich das Pigment in großer Menge um den Kern gelagert, zu- weilen ist es aber an die Zellperipherie gedrängt. Einwandfreie Ver- bindungen der Pigmentzellen mit Muskel- und Nervenfasern ließen sich nicht nachweisen. Hingegen beschreibt Born eigenartige Wanderungen der ganzen Zellen, indem sich die einzelnen Zellen der obenerwähnten vielkernigen Gebilde voneinander entfernen. Zunächst bestehen zwischen ihnen deutliche protoplasmatische Ver- bindungsbrücken, die mit dem Abrücken der Zellen voneinander immer feiner werden und schließlich nicht mehr nachweisbar sind. Diese fast kreisförmigen Gebilde haben zahlreiche homogene Ausläufer und größere Kerne. Aus der Darstellung Borns geht leider nicht klar hervor, ob der Autor dieses Auseinanderrücken der Zellen als amöboide Wanderungen selbständiger Zellen ansieht, oder Aus- senden von Pseudopodien, die sich nachher zu Zellen entwickeln. (Einfaches Abschnüren von Zellteilen.) Jedenfalls kann man sich aus den Angaben Borns kein klares Bild von den physiologischen Ur- sachen dieser Zellwanderung machen. Denn es wäre denkbar, daß es sich um verschiedene Entwicklungsstadien eines sich bildenden zu- sammenhängenden Organsystemes der Chromatophoren handelte, wie es Keeble und Gamble (siehe Kapitel „Crustaceen") für die Crusta- ceen beschrieben haben. rnu Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 1 u. 2. Phyllirhoe bucephala. Chromatoplioren vom Kopf, k Kern, j9 Pigment, z Zellhaut, mu Muskel. Fig. 3. Chromatophore vom Körper. (Nach Trojan.) An konserviertem Material hat Trojan (13) die Chromatophoren von Phyllirhoe bucephala untersucht. Es sind große, unmittelbar unter der Haut gelegene kugelige Zellen von 25—35 in Durchmesser (Fig. 1 — 3), die im ganzen Körper mit Ausnahme der Tentakel vorkommen. Der elliptische Kern ist basal gelegen und schwer zu sehen, weil er von den bei der Färbung der Präparate autgenommenen künstlichen Farbstoffen verdeckt wird. Die gelben Pigmentkörnchen der Zellen selbst haben unregelmäßige Form. Die Zellen sind von einer ziem- lich dicken Zellhaut umschlossen. An den Chromatophoren des Kopfes Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 76 1202 ß. F. Fuchs, beschreibt Trojan radiär angeordnete Muskelfasern, die an der Zellhaut inserieren. Die dafür gegebenen Abbildungen lassen es allerdings als wahrscheinlich erscheinen, daß es sich um Muskelfasern handelt, wenngleich diese Deutung der Figuren nicht absolut zwingend erscheint. Die Chromatophoren des Körpers liegen in ziemlich tiefen Einstülpungen der Haut und dürften ebenfalls Kon- traktionen bzw. Expansionen vollführen , da auch hier radiär an- geordnete Elemente knapp unter der Oberfläche in einer seichten muldenartigen Vertiefung liegen. Jedenfalls stimmen Trojans An- gaben in den wesentlichen Punkten mit denen von H. Müller überein, so daß wir bei PhyUirhoe tatsächlich ähnliche Chromatophoren wie bei den Cephalopoden antreffen. Bei den zu den Pulmonaten gehörigen Limax variegatus und carinatus hat Leydig (8) echte Chromatophoren beschrieben. Im Epithel der Haut kommt bei Landschnecken, obwohl die Epi- thelien meist glashell ohne Pigment sind, namentlich bei Heli einen, gelbes oder auch dunkles Pigment vor. In der Lederhaut liegen be- wegliche dunkle Pigmentzellen, auf die Leydig (9) den von ihm bei Limax variegatus und Limax carinatus beobachteten Farbenwechsel bezieht. Die letztgenannte Schnecke hat einen graurötlichen Farben- ton; wurden solche Tiere über Nacht in eine feuchte Blechkapsel gesperrt, so zeigten sie am anderen Tag an Stelle des rötlichen Farbentons eine dunkle Färbung. Ein in Kaliumbichromatlösung ge- worfenes lebendes Tier hellt sich, solange es lebt, stark auf; im Tode wird es auf dem Rücken dunkel, fast schwarz. Limax variegatus zeigt ein deutliches wechselndes Farbenspiel, indem die Pigment- flecke ihre Lage wechseln. Wenn auch diese kurzen Mitteilungen Leydigs uns nicht gestatten, eine genauere Analyse des Farben- wechsels bei den genannten Schnecken vorzunehmen, so kann doch an der Existenz eines solchen nicht gezweifelt werden. Es müssen erst neue genauere physiologische Versuche über die Mechanik des Farbenwechsels der Schnecken angestellt werden. Viel eingehender behandelt Leydig dagegen die anatomischen und histologischen Verhältnisse der Chromatophoren, wobei er unter anderem hervorhebt, daß z. B. bei Limax arhorum auch die Be- grenzung des Leibesraumes schwarz gefärbt ist, und bei Helix arbu- storum erstreckt sich die Pigmentierung auch auf die inneren Organe. Die Chromatophoren aller Limaceen ^nd viel kleiner als die der Wirbeltiere. Die dem freien Auge als dunkle Flecke erscheinenden Punkte, welche einzelne große Chromatophoren vermuten ließen, be- stehen in Wirklichkeit aus einer Anhäufung dieser kleinen Pigment- zellen. Außer dem dunklen Pigment, welches in den oberen Cutis- schichten hegt, kann auch ein bräunliches zugegen sein, welches dem metallisch glänzenden der Batrachier entspricht und sich namentlich in der Haut des Schildes von Limax agrestis und marginatus sehr aus- gebreitet vorfindet, wobei durch die Pigmentauhäufungen gewisse Zeichnungen entstehen. Am stärksten ist diese Pigmentanhäufung bei Limax einer eonig er. Dagegen fehlt bei Ärion empiricorum, namentlich an den hell- roten Tieren, das dunkle Pigment fast vollständig, noch am ehesten bleibt es an der Haut des Kopfes erhalten. An diese Beobachtung knüpft Leydig eine biologisch sehr beachtenswerte Bemerkung an. „Das Beharren des dunklen Pigmentes am Kopf oder wenigstens im Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1203 Musculus retractor des Fühlers ist bemerkenswert und hängt wohl mit dem Bedürfnis des Auges für Lichtempfinden zusammen. Es ist der Zurückzieher des oberen Fühlers oder Augenträgers nicht selten ganz dunkel pigmentiert bei sonst ganz farblosem Körper, z, B. Helix fruticum. Es gibt auch Arten, bei denen in diesem Muskel das Pigment ganz fehlt, so z, B. bei Helix pulcliella, wo alsdann die Augenpunkte mit dem Chorioidalpigment besonders lebhaft von dem sonst hellen Tier abstechen." Ob es das Bedürfnis nach Licht ist, wie Leydig glaubt, das die Pigmentierung verursacht, scheint doch sehr zweifelhaft, viel eher würde auch hier die oben erwähnte Anschauung Simroths plausibel erscheinen, wonach es sich auch in den von Leydig beschriebenen Fällen um eine auffallende Pigmentierung ausgesprochen sensibler Gebilde handelt. Da Leydig bei manchen Schneckenarten ganz farblose Ex- emplare aufgefunden hat, die er direkt als Albinos bezeichnet, während andere Tiere derselben Species stark pigmentiert sind, so glaubt er diese Verschiedenheiten der Pigmententwicklung durch die verschiedene Oertlichkeit, an der die Tiere leben, er- klären zu müssen. Neuerdings hat Distaso (5) das Pigment von Helix - k.vtQ\]. ge- nauer untersucht und gefunden, daß den Pigmentbändern entsprechend subepithelial angeordnete Anhäufungen von Pigmentzellen vorhanden sind, von denen aus das Pigment in Körnchenreihen in das Epithel übertritt. Ob diese Körnchenreihen von einer Wand umgeben sind, war nicht zu entscheiden. Die subepithelial gelegenen Pigmentzellen sind aber zweifellos echte Chromatophoren, die mit Pigment- körnchen gefüllt sind und einen Kern besitzen, der sehr arm an Chromatin ist. Die Zellen besitzen gegen das Epithel zu gerichtete Ausläufer, die ihnen sternförmige Gestalt verleihen ; die Zellmembran konnte zwar nicht beobachtet werden, trotzdem zweifelt Distaso aber nicht an ihrer Existenz. Von besonderem Interesse ist Distasos Angabe , daß im Mantel der untersuchten Helicinen niemals Pigment vorkommt, das nicht in den charakteristischen Chromatophoren enthalten ist. Das Pigment der Chromatophoren ist nach Distasos Beobach- tungen ein Umwandlungsprodukt des in das Plasma der Zelle übergetretenen Chromatins. Das Chromatin des Kernes ballt sich allmählich zusammen, der Kern wird immer blasser und ärmer an Chromatin, während sich um den Kern Wolken von Pigment ablagern. Ob die von Distaso beobachteten Erscheinungen aber den Schluß gestatten, daß das Pigment sich aus dem Chromatin bildet, scheint mir zwar noch nicht sicher, aber möglich zu sein, denn der Schwund von Chromatin und die Anhäufung des Pigmentes in den Zellen können zeitlich nebeneinander bestehen, ohne daß das Chromatin die Muttersubstanz des Pigmentes zu sein braucht. Arion ater zeigt nach Bolls (1) Untersuchungen zwar unter dem Epithel eine dichte Lage körnigen Pigmentes, welches das Binde- gewebe ganz und gar verdeckt, etwaige Pigmentzellen sind aber nicht unterscheidbar, die ganze Schicht erscheint diffus infiltriert. Besonders erwähnt sei noch, daß in der Haut der Landpulmonaten die Becher- zellen eine eigentümliche Umwandlung zu einzelligen Farbdrüsen erfahren. 76* 1204 ß- I". Fuchs lieber die Chromatophoren der Pteropoden sind wir durch die Arbeiten von Kölliker und H. Müller sowie C. Gegenbaur schon frühzeitig unterrichtet worden. Zuerst wurden von Kölliker und H. Müller (10) die Chromatophoren, sowie ein Farben wechsel bei Oymlmlia radiata beobachtet. „Als das zarte Tierchen zufällig aus einiger Höhe in eine flache Schale mit Wasser fiel, bedeckte sich im Moment der rundliche Leib mit großen, schön rosafarbenen Flecken, welche nach einigen Sekunden wieder zu kleinen schwarzbraunen Pigmentpunkten sich zusammenzogen, und dasselbe Phänomen wieder- holte sich, so oft das Tierchen unsanft angefaßt oder das Gefäß, welches dasselbe enthielt, geschüttelt wurde. Dagegen zeigte sich der Farbenwechsel nicht, sobald das Tier sich selbst überlassen wurde." H. Müller hat durch die mikroskopische Untersuchung die Existenz großer Pigmentzellen festgestellt, um welche wie bei den Cephalo- poden viele spindelförmige Muskelfasern radiär angeordnet sind. Noch eingehender als H. Müller hat Gegenbaur (6) in seiner Monographie „Untersuchungen über Pteropoden und Heteropoden" das Verhalten der Pigmentzellen studiert. Cymbulia quadripunctata n. sp. zeigt 4 rote Flecken auf den Flossen, die bereits mit freiem Auge ein sichtbares Pulsieren erkennen lassen, indem sie bald größer und deutlich rot erschienen, bald wieder zu kaum sichtbaren schwarzen Punkten zusammenschrumpften. Dabei alternierten die vorderen und hinteren Flecke ganz regelmäßig in ihrer Expansion und Retraktion, so daß auf jeder Seite immer nur ein vorderer Fleck sichtbar war, während der hintere als schwarzes Pünktchen erschien und umgekehrt. Die mikroskopische Untersuchung ergab auch hier die Anwesenheit von Pigmentzellen. Tiedemannia hat nach Gegenbaur bereits zweierlei Arten von Pigmentzellen. Die erste Gattung liegt in großen im Pa r eu- ch ym der Flosse befindlichen Hohlräumen und ist durch feine, dichtstehende, oft verästelte Fasern, welche vom Aequator der rundlichen Zelle entspringen , an die Wandung des Hohlraumes be- festigt. Diese Fasern sind keine bloßen Ausläufer der Pigmentzelle, sondern selbständige, aus eigenen Zellen hervorgegangene Elemente, worauf die an den einzelnen Fasern vorhandenen Kerne hindeuten. Die Pigmentzellen haben eine scharf konturierte Membran , welche eine durchsichtige homogene Substanz einschließt, um welch letztere dunkle, braun gefärbte Pigmentkörnchen liegen, welche die hyaline Sub- stanz bald vollständig bedecken, bald in Lücken hervortreten lassen. Zuweilen bemerkt man zwischen den Pigmentkörnern und der Membran einen hellen Saum, welcher von einer Flüssigkeitsschicht herzurühren scheint. Obzwar ein Kern in diesen pigmentierten Gebilden nicht mit Bestimmtheit beobachtet werden konnte, so ist doch Gegenbaur von der Zellnatur dieser Gebilde überzeugt. Wir werden sehen, daß diese histologischen Beobachtungen ganz analog sind mit den später ausführlich zu beschreibenden Befunden über den Bau der bei den Cephalopoden vorhandenen Chromatophoren. Aber auch in ihrem physiologischen Verhalten schließen sich die Chromatophoren von Tiedemannia ganz dem der Cephalo- poden an, wie bereits Gegenbaur hervorhebt, indem sie auffallende P'ormveränderungen erkennen lassen. Bei längerer Beobachtung von Tiedemannia bemerkt man am Mantel und Flossenrand ein all- mähliches Verschwinden der großen braunen Flecke, welche sich bis Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1205 auf feine schwarze Punkte verkleinern und nach einiger Zeit allmählich wieder zur ursprünglichen Größe und Farbe der Flecke sich aus- breiten. Diese Formveränderungen der Flecke wurden auch mikro- skopisch untersucht. Die Ausdehnung der Zellen geschieht durch die vom Aequator der Zellmembran ausgehenden Fasern, die deshalb als Muskelfasern anzusehen sind, und ist häufig ungleich, so daß die Zelle oft bizarre Gestalt annimmt. Die vollständig expandierte Zelle hat die Gestalt einer fiachen Linse und den Durchmesser des sie um- gebenden Hohlraumes. Das Pigment bedeckt dann niemals die ganze Innenfläche der Zellmembran, sondern sammelt sich meist im Kreis, oft auch halbkreisförmig um den Rand des Binnenraumes der Zelle und läßt dann den hyalinen Zellinhalt an den pigmentfreien Stellen durchscheinen. Auch mit freiem Auge sind die Pigmentkreise leicht zu erkennen. Die Schnelligkeit der Kontraktion ist verschieden , sie dauert von einer halben Minute bis zu ^4 Stunden und mehr. Die Verkleinerung, Retraktion, der Zelle erfolgt durch die Erschlaffung der peripheren Muskulatur, sowie durch die Elastizität der Zellmembran; aber auch der hyalinen Substanz kommt nach Gegenbaur eine aktive Rolle hierbei zu. Die hyaline Substanz teilt sich zuweilen in mehrere rundliche Partien, in deren Interstizien die Pigmentkörnchen liegen. Sind die Muskeln erschlaff't, dann folgt die Zellmembran rein passiv der Kontraktion der hyalinen Substanz , die ganze Zelle nimmt wieder kugelige oder eiförmige Gestalt an , wobei die Pigmentkörner den hyalinen Inhalt umlagern, so daß die Zelle dem unbewaffneten Auge wieder als dunkler Punkt erscheint. Die gleichen Verhältnisse wie diese Chromatophoren von Tiede- niannia zeigen auch jene bereits oben beschriebenen von CymhuUa quadripundata , nur daß bei ihnen das Pigment im retrahierten Zu- stand der Zelle rotbraun , im expandierten schön mennigerot er- scheint. Die zweite Art von Pigmentzellen findet sich in den gelben Flecken von Tiedemannia chrysosticta. Es sind sternförmige Zellen, deren Fortsätze sich vielfach verästeln und an ihren Enden kolbig angeschwollen sind. Sie liegen im Parenchym, ohne von einem gesonderten Hohlraum umschlossen zu sein. Ihre Zell- membran ist sehr zart, oft schwer zu sehen, der Zellinhalt besteht gleichfalls aus einer hyalinen Substanz und Pigmentkörnern. Trotz- dem Muskeln an diesen Zellen nicht beobachtet wurden, will Gegen- baur deren Existenz doch nicht in Abrede stellen. Das Pigment ist bald in dem Zellkörper, bald in den Fortsätzen angehäuft, im letzteren Falle erscheint der Zellkörper vollkommen farblos. Oft sind in den Fortsätzen nur einzelne Körnchengruppen vorhanden, oder sie sind nur zur Hälfte mit Pigment gefüllt. Bei den verschiedenen Ausbreitungszuständen scheint die Zellmembran fast gar nicht aktiv beteiligt zu sein, nur die hyaline Grundsubstanz scheint durch ihre Bewegung die verschiedenen Verteilungen des Pigmentes zu bewirken, indem sie selbst sich in den ver- schiedenen Teilen der Zelle ansammelt. Gegenbaur vertritt die Meinung, daß die Bewegung der hyalinen Substanz nur die Pigment- ansammlung im Zellkörper verständlich erscheinen lasse, nicht aber in den Fortsätzen, dazu müßte noch eine aktive Kontraktion der Zellmembran angenommen werden. Diese durch keinerlei 1206 R. F. rocHs, Beweise gestützte Annahme Gegenbaurs scheint ganz entbehrlich zu sein, da nach unseren gegenwärtigen Anschauungen über die Protoplasmabewegungen kein Grund vorliegt, warum das Protoplasma nicht in die Zellfortsätze eindringen könnte. Die Tätigkeit dieser zweiten Chroraatophorenart ist eine äußerst langsame, die nur durch lange dauernde Beobachtung festzu- stellen ist. Häufig kann man aber auch dann noch keine Bewegung sehen. Bei frisch gefangenen Tieren scheint die Bewegung am besten zu beobachten, während sie bei abgematteten Exemplaren nur sehr schwach und bei toten Tieren gar nicht mehr verbanden ist. Auf mechanische Reizung, Stechen mit einer Nadel, re- agieren nur die Chromatophoren der ersten Art, während die der zweiten Kategorie keinerlei Reaktion erkennen lassen. Bei diesem Versuch reagieren die Chromatophoren nicht sofort, sondern erst nach dem Verlauf von 1 Minute, wobei sich der Reizerfolg über den ganzen Körper erstreckt. Waren die Chromatophoren vor der Reizung expandiert, so werden sie nach der Einwirkung des Reizes retrahiert, während die Applikation desselben Reizes auf retrahierte Chromatophoren ihre Expansion zur Folge hat. Literatur. Mollusken (mit Ausschluß der Cephalopo den.) 1. Boll, Franz, Beiträge zur vergleichenden Histiologie des Molluskentypus. Arch. f. mirkrosk. Anat., 1869 Suppl. 2. Sovn, E., Beiträge zur feineren Anatomie der Phyllirhoe bucephala. Sitz.-ber. d. Ges. naturf. Freunde zu Berlin, 1907. 3. Broderip, Zitiert nach Franz Leydig. Lehrbuch der Histologie des 3fenschen und der Tiere, Frankfurt a. M. 1857. 4. Claus, C, Kleines Lehrbuch der Zoologie, Marburg 1880. 5. Distaso, A., Die Beziehtingen zwischen den Pigmentbändern des Mantels und denen der Schale bei Helix nemoralis L. und hortensis Müller nebst Bemerkungen über die Entstehung des Pigmentes bei Mollusken. Biol. Ctbl., Bd. 28 (1908). 6. Gegenbaur, Karl, Untersuchungen über Pleropoden und Heteropoden, Leipzig 1855. 7. Houssay, Fr., Recherches sur l'opercule et les glandes du pied des Gasteropodes. Arch. de Zool. exper. et gener. (2) T. 2 (1884). Zitiert nach Simroth No. 12. 8. Leydig, Franz, Bemerkungen über Farben der Hautdecke und Nerucn der Drüsen bei Insekten. Arch. f. mikrosk. Anat., Bd. 12 (1876). 9. — Die Hautdecke und Schale der Gastropoden nebst einer üebersicht der einheimischen Limnacinen. Arch. f. Naturgesch., Jahrg. 42, Bd. 1 (1876). 10. Müller, H., in C. Gegenbaur , A. Kölliker und H. Müller. Bericht über einige im Herbste 1852 in Messina angestellte vergleichend-anatomische Unter- suchungen. Ztschr. f. wissenschaftl. Zool., Bd. 4 [1858). 11. Simroth, H., In H. G. Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreichs, Bd. 3 Mollusca. Abt. I. Amphineura und Scaphopoda, Leipzig 1892 — 1894- 12. — Idem. Abt. II. Gastropoda prosobranchia, Leipzig 1896 — 1907. 13. Trojan, Enianuel, Ein Beitrag zur Histologie von Phyllirhoe bucephala Pcron u. Lesueur mit besonderer Berücksichtigung des Leuchtvermögens des Tieres. Arch. f. mikrosk. Anat., Bd. 75 (1910). 14. Tullherg, Neomenia a new genus of invertebrate animals. Bih. tili k. Svensk. vet. Akad. Hand., Bd. 3 (1875). Ref. Arch. de Zool. exper. et gener., Annee 5 (1876). III. Cephalopoden. A. Einleitung. Am eingehendsten von allen Mollusken sind bezüglich der Ana- tomie und Physiologie des Farbenwechsels die Cephalopoden untersucht, da an ihnen die Erscheinungen so auffallend sind, daß sie Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1201 bereits im Altertum die Aufmerksamkeit der Laien und Naturforscher lebhaft auf sich zogen. Wer sich für diese historischen Studien über den Farbenwechsei interessiert, sei vor allem auf die Werke des Aristoteles (2), sowie auf die Zusammenfassung von van Rynberk (65) in den Ergebnissen der Physiologie verwiesen. Die genauere Untersuchung des Farbenwechsels der Cephalopoden erfolgt zum ersten Male durch den neapolitanischen Forscher SangiovannI (66), der bereits 1819 eine genauere Beschreibung des Vorganges gegeben hat, welcher durch eigene, Chrom ophoren genannte Organe be- wirkt wird. Die farbigen Höcker haben die Fähigkeit, sich auszu- dehnen und zusammenzuziehen und behalten diese Bewegungen auch noch einige Zeit nach dem Tode bei. Während des Lebens sind die Höcker während der Ruhe des Tieres kaum sichtbar, dagegen erscheinen und verschwinden sie bei Reizung des Tieres mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Sie bilden Flecke, welche ihren Platz wellenartig verändern. Sangiovanni deutet den Farbenwechsel im Sinne der Schreckfarben Darwins. In den folgenden Arbeiten Sangiovannis (67, 68) kennt der Autor bereits den Einfluß des Nervensystems auf die Chromatophoren und beschreibt eine Verbindung der Chromato- phoren mit einem weitmaschigen Nervennetz. Wenige Jahre später wird der Farbenwechsel der Cephalo- poden von DE LA Frenaye (24) an Loligo subidata Sam. auf Grund makro- skopischer Beobachtungen neuerdings beschrieben, wobei besonders hervorgehoben wird, daß die Lagerung der Pigmentflecken in der Haut eine konstante ist, daß sie niemals ganz verschwinden, sondern sich nur bis auf kleine Pünktchen zusammenziehen und bei ihrer Ausdehnung an der gleichen Stelle wiedererscheinen. Obwohl die Isolierung der einzelnen in der Cutis gelegenen Pigmentflecke nicht gelang, so konnte de la Frenaye doch zeigen, daß auf Druck die kleinen, punktförmigen Flecke sich expandierten wie am lebenden Tier. Er glaubt, daß das Farbenspiel im Leben durch Ausbreitung und Zu- sammenfließen des dunklen Saftes der Pigmentflecken bewirkt wird, wobei der zur Ausbreitung erforderliche Druck auf die Chromatophoren von der Hautmuskulatur ausgeübt wird. Das Blaßwerden der sterbenden Tiere war de la Frenaye nicht entgangen. Auch C. G. Carus (12) beschreibt den Farbenwechsel der Cephalopoden, ja er versucht sogar eine Erklärung für den Mechanismus des Farbenwechsels zu geben, indem er annimmt, das Hellwerden der Tiere beruhe darauf, daß durch Dehnung der Haut die einzelnen farbigen Punkte weiter auseinandergezogen werden , so daß das helle Muskelfleisch durch- schimmert. Die dunkle Färbung kommt durch eine Kontraktion der Haut zustande. Durch Einschnitte in die Haut überzeugte sich Carus davon, daß das Pigment nicht als gefärbter Saft in der Haut vorhanden ist. Das Irisieren und der Metall glänz werden auf die Wirkung des Schleimes der Hautoberfläche bezogen. Später folgt Delle Chiaje, der die verschiedenen Farben der Tiere auf eine einzige Art von Farbelemeuten, rote Kügelchen, zurückführt, die in ihren verschiedenen Ausbreitungszuständen verschiedene Farben in- folge verschiedener Lichtbrechung zeigen. Von besonderer Bedeutung ist aber die Angabe Delle Chiajes (15), daß die Ausbreitung der Kügelchen durch radiäre Muskelfasern bewirkt wird, von denen je sechs an einer Chromophore sich ansetzen. Damit sind die wesent- lichen Punkte für die Funktion der Chromatophoren bekannt geworden, 1208 R. F. Fuchs, und die weitere Forschung beschäftigt sich seit den nunmehr folgenden Untersuchungen von Wagner (78) in erster Linie mit dem anatomi- schen Bau der rätselhaften Gebilde, die vor allem deshalb ein be- sonderes Interesse erlangten, da Wagner, auf den Arbeiten Schleidens und ScHVi^ANNs fußend, den Chromatophoren Zellcharakter zu- sprach und sie direkt als „Farbz eilen" bezeichnete. Trotz der vorwiegend anatomisch-histologischen Untersuchungen des Problems steht doch eine speziell physiologische Frage im Vordergrund des Interesses, nämlich der Mechanismus des Farbenwechsels, insbesondere die Frage, ob die Expansion der Chromatophore durch Muskel Wirkung erfolge, oder ob es sich dabei um ein Phänomen handle, das dem Gebiete der einfachen Lebenserscheinungen der Zelle, amöboide Bewegung des Plasmas, zuzuschreiben ist. Kölliker (47), Harless (33), E. Brücke (10, 11) hatten sich ganz entschieden für die Deutung der Expansion als einer Folge der Kontraktion der au der Chromatophore ansetzenden Radiär fasern, welche Muskeln seien, ausgesprochen, und nun entbrennt der Streit um die histologische Natur der Radiärfasern, die von H. Müller (54, 55), Keferstein (44), Boll (9), Pouchet (62), Klemensiewicz (46), Solger (71), H. Rabl (63), Steinach (72) und C. Chun (16), um nur die Hauptvertreter der histologischen Forscher auf diesem Gebiete zu nennen, als Muskelzellen angesehen wurden. Ihnen schloß sich später auch Phisalix (58 — 61) an, obgleich er in seinen ersten Arbeiten (57) den muskulären Charakter der Radiär- fasern leugnete, Anschauungen, wie sie namentlich von Wagner (78, 79) und C. Keller (45) auf deutscher Seite, von Blanchard (8), GiROD (31), JouBiN (43) auf Seite der Franzosen vertreten werden. Es ist ein hervorstechendes Symptom im Streite dieser Meinungen, daß sich die Gegner der muskulären Natur der Radiärfasern über die histologische Klassifikation dieser Gebilde keineswegs einigen konnten, die einen sprachen sich darüber überhaupt nicht aus, andere hielten sie für Bindegewebsfasern, z. B. Blanchard, Girod, endlich hielt Karting (34) sie für Nervenendorgane. Ja es fehlt sogar nicht an der Meinung, daß die Radiärfasern bei der embryonalen Zelle muskulöser, bei der ausgewachsenen Zelle aber bindegewebiger Natur seien, eine Meinung, die Joubin (43) allen Ernstes vertrat. Wohl war man durch die Annahme von Muskelwirkung imstande, die Expansion der Chromatophore zu erklären, aber wie kommt die Retraktion zustande? Alle Forscher nehmen elastische Wir- kungen der Umhüllung der Chromatophore an, und so kommt es, daß nun der von Boll (9) zuerst genauer beschriebenen Zell- krause eine eingehende Untersuchung zuteil wird, bis endlich H. Rabl (63) diese bei den verschiedenen Autoren immer wieder auftauchende „coli er et te" als nicht bestehend nachwies. Seitdem Kölliker in seiner Entwicklungsgeschichte der Cephalo- poden (47) auch die Frage der En t Wicklung der Pigmentzellen in Angriff genommen hatte, sind später zahlreiche Untersucher dem Altmeister auf diesem Gebiete gefolgt, Grenacher (32), Klemensie- wicz (46), Phisalix (59) Joubin (43), H. Rabl (63) und Chun (16). Zunächst war es die Frage, ob die Pigmentzellen ektodermalen oder mesodermalen Ursprungs seien, w^elche den Streit der Meinungen lebhaft anfachte, bis von Phisalix (59) zuerst die Un- haltbarkeit der Anschauung dargetan wurde, daß die Pigraentzellen Dei- Farbenwechsel und die chromatische Hautfuiiktion der Tiere. 1209 ektodermalen Ursprungs seien. Eine andere noch immer nicht überein- stimmend beantwortete Frage ist die, ob die fertig ausgebiklete Chromato- phore ein einheitliches Gebilde sei, das aus einer einzigen Zellanlage hervorgegangen ist, wie Chun (16) annimmt, oder ob es sich um eine Verschmelzung von aus verschiedenen An- lagen entstandener Gebilde handelt, wie Phisalix (59) und besonders H. Rabl (63) scharf betonen. Obzwar der Einfluß des Nervensystems auf die Tätigkeit der Chromatophoren schon Aristoteles (2) bekannt war, denn er beschreibt Farbenänilerungen der Cephalopoden infolge psychischer Affekte, und die Annahme eines willkürlichen Farbenwechsels von den meisten Autoren, so auch von Klemensiew^icz (46), noch vertreten wird, so hat es doch nicht an, wenn auch nur vereinzelten Stimmen gefehlt, welche den nervösen Einfluß auf die Bewegungen der Chromatophoren gänzlich in Abrede stellen wollten, wie z. B. Keller (45) und Karting (34). Auch Pelvet (56) ist hierher zu zählen, da er die Bewegungen der Chromatophoren rein passiv er- folgen läßt. Trotz dieser abweichenden Anschauungen hat man niemals ernstlich den Nerveneinfluß auf die Chromatophoren bezweifelt, wes- halb das Streben der histologischen Forscher vor allem darauf ge- richtet war, dieVer bin düng von Nerv und Chromatop höre sicherzustellen. Obgleich bereits Sangiovanni (66 — 68) und andere Untersucher der früheren Zeit den Zusammenhang zwischen Nerven- faser und Chromatophore erkannt zu haben glaubten, so wurden doch immer neue histologische Untersuchungen nach dieser Richtung hin erforderlich, weil jedesmal der Nachfolger behauptete, die von dem Vorgänger als Nerven beschriebenen Gebilde seien alles andere nur keine Nerven gewesen. Ich nenne hier nur die Arbeiten von Joubin (43), Samassa (69), Phisalix (58), Solger (71), Rabl (63) sowie Chun (16), F. B. Hofmann (37—39). Gerade die Arbeiten der letzt- genannten Forscher haben aber den histologischen Zusammenhang der Chromatophoren mit dem Nerven außer jeden Zweifel gestellt. Sehr bald wurde, durch Brückes Untersuchungen an Chamaehon (11), sowie an Octopus (10) angeregt, der Weg der experimentellen Forschung beschritten, um genauere Kenntnisse über den Zusammen- hang zwischen Chromatophoren und dem Nervensystem zu erlangen. So entdeckte Pelvet (56) den Einfluß des Mantelnerven auf die Chromatophoren, obschon er ihn für einen indirekten, durch Vermitt- lung der Hautmuskeln herbeigeführten hielt. Später hat Colasanti (18) den Einfluß der Amin erven auf die Chromatophoren der Arme festgestellt. Aber erst die ausgezeichneten experimentellen Arbeiten von Fredericq (23) und Klemensiewicz (46) verschafften uns eine eingehende Kenntnis vom Einfluß des Nervensystems, insbesondere führten sie zur Erkenntnis eigener koloratorischer Organe im Zentralnervensystem. Damit war eigentlich der Schlußstein des Gebäudes eingefügt worden, wenn auch durch die späteren Arbeiten von Phisalix (58, 59) und Steinach (72) sowie F, B. Hofmann (37—41) und Fuchs (29) noch manche wertvolle Erweiterung unserer Kenntnisse herbeigeführt wurde. Endlich sei noch eine Reihe experimenteller Arbeiten erwähnt, welche gleichfalls von Klemensiewicz (46) inauguriert wurde, nämlich das Studium der Einwirkung von verschiedenen Giften, wodurch man eine nähere Erkenntnis der Innervation sowie der Tätigkeit der 1210 R. F. Fuchs, Chrom atophoren erwartete. Am eingehendsten sind diese Fragen wohl von Krukenberg (49) untersucht worden, aber trotz der vielen mannigfaltig variierten Versuche konnten diese Versuche Kruken- bergs nicht die erwünschte Klarheit schaffen, da sie vor allem eine Summe sich widersprechender Resultate aufwiesen. Schon der nächste Untersucher, Yung (81), hatte hinreichend Gelegenheit, auf die Wider- sprüche zwischen seinen und Krukenbergs Experimenten hinzu- weisen. Erst in allerneuester Zeit sind diese Versuche durch die sehr sorgfältigen Untersuchungen F. B. Hofmanns (39, 41) auf eine feste Basis gestellt worden und haben wertvolle Ergebnisse gezeitigt. Als ein besonderes Färbungselement wurden zuerst von Brücke (10, 11) eigentümliche farblose Gebilde, „die Flittern", entdeckt, welche sowohl beim Farbenwechsel, namentlich beim Zustandekommen der irisierenden Farben und dem Metallglanz die wesent- lichste Rolle spielen, indem sie als Interferenzkörper wirken. Damit haben wir in großen Umrissen den allmählichen Ent- wicklungsgang sowie die Hauptprobleme der Forschung über die Chromatophoren der Cephalopoden skizziert und können nun mit der Analyse der Einzelfragen beginnen, wovon zuerst die Anatomie der Chromatophoren behandelt werden soll. B. Anatomie. Im allgemeinen liegt die Hauptmasse der Chromatophoren im Inte- gument, wobei besonders die dorsale Seite des Mantels, des Kopfes und der Arme intensiv gefärbt erscheinen, aber sie fehlen auch an den ventralen Seiten dieser Ge- bilde nicht vollkommen , wie man schon bei oberflächlicher Betrachtung verschie- dener Cephalopodenart^n, ich nenne nur Octopus, Eledone, sehen kann. An der dorsalen Mantelfläche zeigt sich auch am erwachsenen Tier eine ge- wisse symmetrische Anordnung der Zeichnung, indem sowohl bei Sepia als auch bei Eledone zwei große dunkle symmetrisch gelegene Flecke auffallen. Nach Chun (17) besteht die symmetrische Anordnung besonders am Kopfe, den Augen und der Flossenbasis. Viel deutlicher aber als an erwachsenen Tieren ist die sym- metrische Anordnung der Chromatophoren an Embryonen, wie aus den Abbildungen KöLLiKERs (47) sowie Geenachers (32) hervorgeht und worauf später Joubin (43) und ganz neuerdings Chun (17) besonders hingewiesen hat. Aber auch in inneren Organen kommen nicht selten Chromatophoren vor; so bemerkt Chun (17), daß sie auch den Eingeweidesack bei Bolitaena bekleiden und die Färbung auch auf die Innenfläche des Mantels übergreifen kann, so z. B. bei Calliteuthis ocellata, wo die Innenfläche des Mantels und die Kiemen purpurn gefärbt sind. Bei den intensiv rot gefärbten Tiefseecephalopoden kommen auch verästelte pigmentierte Binde- gewebszelleu vor, welche die von den eigentlichen Chromatophoren bedingte Färbung unterstützen. Es handelt sich offenbar bei diesen Zellen, die Chun (17) nicht zu den Chromatophoren zählt, um eine zweite Chromatophorengattung ohne eigenen Muskelapparat, wie sie bereits von Gegenbaur bei Tiedcmaiutia beschrieben worden sind. Ferner habe ich, wie Klemensiewicz (46) u. a. vereinzelte Chromato- phoren bei Octopus und Eledone sowohl in der Scheidewand des Mantels als auch im Tintenbeutel, sowie anderen inneren Organen gesehen. Nach den Untersuchungen Chuns (17) über die Cephalopoden der deutschen Tiefseeexpedition sind selbst bei jenen Cranchiiden, weiche sich durch eine fast vollkommene Durchsichtigkeit aus- zeichnen, Chromatophoren vorhanden. Gewöhnlich sind die Chromatophoren in der Cutis gelegen, wo sie vielfach eine tiefere und eine oberflächlichere Lage bilden (H. Rabl, 63; Chun, Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1211 16), während die Epidermis im allgemeinen frei von ihnen ist. Die Anordnung der Pigmentzellen in mehreren übereinander liegenden Lagen tritt namentlich dann hervor, wenn mehrere Arten verschieden gefärbter Chromatophoren vorhanden sind. Dann liegen die dunklen über den hellen, welche die Farbe des Grundes bilden, der bei Expansion der dunklen Chromatophoren mehr oder weniger verdeckt werden kann, worauf H. Müller (55) zuerst eingehender hingewiesen hat. Die Größe der Chromatophoren ist bei den verschiedenen Tierarten eine sehr verschiedene. Nach den sehr eingehenden Untersuchungen von Rabl (63), sowie Hofmann (40) besitzen Loligo vulgaris und Loligo marmorae die größten Chromato- phoren. Bei Sepiola Rondeleti kommen nach Eabl die größten Chromatophoren vor, die man überhaupt sehen kann. Jedem, der diese Cephalopoden arten aus eigener Anschauung kennt, ist es bekannt, daß gerade bei diesen Arten die einzelnen Chromatophoren schon mit freiem Auge sichtbar sind. Ferner besitzen nach Kellers (45) Angaben sehr große Chromatophoren außer den genannten Species noch Argonauta und Ommastrephes. Kleiner und dichter stehend sind die Chro- matophoren bei Sepia, am kleinsten und dichtesten gedrängt sind sie bei Eledone und Octopus, wobei letztere Art die kleinsten Chromatophoren besitzt, ja bei Octopus rugosus sollen nach Keller die Chromatophoren besonders auffallend klein sein ; nach Jatta (42) trifft man bei manchen pelagischen Formen die kleinsten und sehr wenige Chromatophoren, so z. B. bei Doratopsis vermictilatus, Entomopsis Velaini, Oranchia etc. Die Gestalt und Größe ein und derselben Chromatophore wechselt je nach dem Expansions- oder Retraktionszustand, in. welchem sich die beobachtete Zelle gerade befindet und wird von den verschiedenen Autoren etwas ver- schieden beschrieben. Schon Wagner (78, 79) und Harless (33) sowie alle späteren Untersucher heben hervor, daß die vollkommen retrahierte (geballte) Zelle rund oder kugelig, bzw. oval ist, ja bei vollkommener Retraktion hat sich die Zelle zu einem kleinen punktförmigen Gebilde zusammengezogen. Je nach dem Grade der Expansion nimmt die Zelle eine mehr oder weniger gezackte polygonale Form an, die von bogenförmigen Konturen begrenzt wird. Bei stärkeren Ausbrei tungszuständen treten Fortsätze auf, so daß sternförmige Zellen erscheinen, die bei den stärksten Expansionen dann in reichverzweigte baumförmig verästelte lange Fortsätze übergehen. Schon Klemensiewicz (46) hat hervorgehoben, daß die Form, welche eine bestimmte Chromatophore im Zustand der vollkommenen Expansion annimmt, stets dieselbe ist, wenn auch noch so häufig ein Wechsel von Expansion und Retraktion eintritt. Es handelt sich demnach um bestimmte anatomisch-physiologisch fixierte Formveränderun gen und nicht um Aussendung von Pseudo- podien nach Art der Amöben, worauf später nochmals zurückzukommen sein wird. Die bei der Expansion auftretenden Vergrößerungen der Zellen sind sehr bedeutende. Während Harless (33) die Vergrößerung der expandierten Zelle auf das 2 — 3-fache der ruhenden angibt, wird von Klemensiewicz (46) bei embryonalen Zellen eine 5— 10-fache, bei den erwachsenen Zellen eine 15 — 20-fache Vergrößerung angegeben. Aehnliche Werte gibt auch H. Müller (55) für die Chromatophoren von LoHgopsis vermicularis an, 10— 15-fache Vergrößerung des Durchmessers. Der Besonderheit wegen sei noch erwähnt, daß nach Sangiovannis (67) Beobachtungen die expandierten Farbenhöcker 64mal größer waren als die retrahierten. Die Farbe der Chromatophoren ist bei den verschiedenen Cephalopoden- arten sehr verschieden, sie umfaßt beinahe die ganze Skala von rot, gelb, braun bis violett, selbst blaue Chromatophoren werden erwähnt. Trotzdem die Cephalopoden einen sehr lebhaften Farben Wechsel haben, so besitzen doch die verschiedenen Arten eine charakteristische Hauptfarbe, die von Jatta (42) in seiner Monographie über die Cephalopoden des Golfes von Neapel ausführlich beschrieben werden. So ist z. B. Scaeurgus tetracirrhus orangegelb, Eledone Aldrovandi gelb- 1212 R. F. Fuchs, braun, Todarodes sagittatus rotviolett, Loligo vulgaris karminrot usw. Ja, diese charakteristische Eigenfärbung ist so ausgesprochen, daß sogar bestimmte Farben- varietäten, je nach dem Ort, wo sie leben, zur Beobachtung kommen. Im allgemeinen sind die pelagischen Formen weniger gefärbt als die Küstenformen. Dem scheint zunächst die oft lebhafte Färbung von Loligo zu widersprechen, aber Loligo ist für gewöhnlich ganz blaß und zeigt nur bei Reizung sein Farbenspiel und außer- dem sind Loligo, Illex, Todarodes keine vollkommen pelagischen Tiere, denn sie nähern sich zu Zeiten der Küste oder steigen auf den Meeresgrund hinab. Fast alle Forscher, welche sich mit dem Studium des Farbenwechsels der Cephalopoden beschäftigt haben, konnten konstatieren, daß meistens an einem Tier zweierlei oder dreierlei verschieden gefärbte Chromatophoren vor- kommen. Je nach dem Expansions- oder ßetraktionszustand ändert sich die Nuance der Farbe. Bereits Sangiovaxni (66) hatte verschieden gefärbte Zellen angenommen, aber ihm gegenüber behauptete Delle Chiaje (15), daß alle Chromatophoren rot seien. Wagner (78, 79), einer der ersten Beobachter, beschreibt bei Oetopus vul- garis bereits zweierlei Pigmentzellen, rostbraune, die im retrahierten Zustand schwarz sind, ferner gelbe, weniger bewegliche Zellen, die je nach dem Retraktionsstadium der Zellen bald ein helleres oder dunkleres Gelb aufweisen. Die gleichen Angaben macht auch BoLL (9) für Oetopus vulgaris und macropus. Dagegen sollen Sepia und Sepiola nach den Angaben Bolls nur eine einzige Chromatophorenart besitzen, nämlich dunkle, bei Retraktion schwarz gefärbte, welche im Ausbreitungszustand rostbraun sind. Hofmann (38) weist besonders darauf hin, daß Boll bei Sepia die stets vorhandenen hellgelben Chromatophoren übersehen hat. Loligo weist dreierlei verschieden gefärbte Chromatophoren auf, welche im expandierten Zustande hellgelb, hellviolett und rostbraun sind. Bei Retraktion erscheinen die beiden letzteren schwarz, die ersteren dunkler gelb. Besonders hervorgehoben muß werden, daß die Farbe der Chromatophoren in den verschiedenen Entwicklungsstadien eine verschiedene ist, worauf Grenacher (32) zuerst hingewiesen hat. Seine Beobachtungen wurden von Klemensiewicz (46), Phisalix (59), Rabl (63) u. a. be- stätigt. So sind nach Klemensiewicz die Chromatophoren der Lo^i^o-Embryonen rot, während sie im ausgewachsenen Tier violett gefärbt sind. Bereits Wagner (79) macht darauf aufmerksam, daß bei expandierten Chromatophoren die zackigen Ränder immer schwächer gefärbt sind als die mittleren Teile, eine Tatsache, die auch von Jatta (42) besonders hervorgehoben wird. Diese Erscheinung kann wohl nur so gedeutet werden, daß in den Randpartien die Farbstoffschicht eine dünnere ist. Der in den Zellen angehäufte Farbstoff besteht aus verschieden großen Körnchen, welche in eine hyaline Grundsubstanz eingebettet sind. Die zuerst von Cu\t;er (19) ausgesprochene Meinung, daß der Farbstoff der Cephalo- podenhaut ein roter Saft wäre, der seinen Platz unter der Oberhaut wechsle, ist in etwas modifizierter Form von de la Frenaye (24) und später von Milne-Edwards (53) vertreten worden, indem dieser die Pigmentzellen der Cephalopoden für Säckchen hielt, die mit einer farbigen Flüssigkeit erfüllt sein sollten. Aber bereits Carus (12) hebt ausdrücklich hervor, daß sich in der Haut auf Schnitten kein farbiger Saft zeigt, und Wagner (78) beschreibt die Pigmentkörnchen, deren Existenz von allen späteren Autoren bestätigt wurde. Boll (9) erwähnt ausdrücklich, daß farb- lose Körnchen in den Chromatophoren nicht vorkommen, doch scheint die Flüssig- keit, in welcher die Pigmentkörnchen suspendiert sind, einen Teil des Farbstoffes in Lösung |zu enthalten, aber die Flüssigkeit ist stets sehr viel schwächer gefärbt als die Körnchen. Wenn auch die Existenz gelöster Farbstoffe nicht absolut in Abrede gestellt werden kann, so scheint es doch sehr wahrscheinlich, daß die Beobachtung Bolls durch die Konservierungsmethoden bedingt ist, da hierdurch leicht eine ge- ringe Menge des körnigen Farbstoffes gelöst worden sein könnte. Dagegen ist nach Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1213 PoucHETs (62) Uotersuchungen der bei Embryonen vorhandene rote Farbstoff der Chromatophoren zum Teil gekörnt, zum Teil gelöst, der aber später einem braunen gekörnten Farbstoff Platz macht. Ueber das Substrat, in dem sich die Körnchen befinden, liegt nur eine genauere Angabe von Brücke (10) vor, indem er es bei Oc- topus als eine gerinnbare Masse bezeichnet; solange die Reizbarkeit der Zellen erhalten ist, sind die Körnchen gleichmäßig in ihr verteilt, längere Zeit nach dem Tode sammeln sie sich in einzelnen größeren oder kleineren Gruppen an als Folge der postmortalen Gerinnung. Die genauere Untersuchung der Pigmentverteilung innerhalb der Zelle hat aber ergeben, daß sie keineswegs eine gleichmäßige ist, so daß Steinach (72) gerade auf Grund dieser Erscheinung Jannimmt, daß selbst in der ruhenden Zelle Pigmentströmungen vorhanden sein müssen, indem der Farbstoff bald mehr im Zentrum, bald mehr in der Peripherie gelegen ist, oder ganz unregelmäßig ver- teilt erscheint. Ja, er kann sogar in mehreren Zentren angehäuft sein. Aber schon Harless (33) erwähnt, daß der Farbstoff nicht immer die ganze Zelle erfüllt, sondern daß er oft in Form eines Kinges gruppiert ist, welche Anordnung vielfach als Zell- kern gedeutet worden ist. Auch Pouchet hat bereits früher darauf hingewiesen, daß das Pigment in der Peripherie der Zelle fehlt. Am genauesten hat Rabl (63) die Pigraentverteilung in der Zelle studiert, und er unterscheidet danach zweierlei Arten von Pigmentzellen, die bläschenförmigen und die kompakten. Bei den ersteren liegt das Pigment peripher und umschließt einen inneren Hohlraum, während bei den kompakten Zellen der Hohlraum fehlt, da er von zu Klumpen ge- ballten Pigmentmassen erfüllt ist, die voneinander durch kleinere leere Spalträume getrennt sind. Die bläschenförmigen Zellen sieht Rabl als die Jugend- stadien der kompakten an, aber in noch jüngeren Stadien sind auch die bläschenförmigen Zellen kompakt. Die Pigmentkörnchen sind nach Beobachtungen an Eledone zuerst farblos und noch nicht in Kugeln geformt, erst später bilden die Körnchen Kugeln von 1 ij. Durchmesser. Ihre Farbe ist zuerst gelb, dann dunkel- braun. Bei Retraktion der Zelle zieht sich das Pigment häufig von der Zellhaut zurück, nur in der Zone der Aequato rialeben e, in welcher sich die Radiärfasern an- setzen, bleibt das Pigment der Membran stets auf das Engste angelagert. Hier muß der Zusammenhang zwischen dem Pigment und der Zellhaut ein außerordentlich fester sein. Im Gegensatz zu dem soeben beschriebenen Verhalten des Pigmentes bei Eledone zeigen die Pigmentzellen von Oetopus selbst bei stärkster Pigmentretraktion kein Abheben des Pigmentes von der Zellmembran, so daß hier überall die feste Verbindung zwischen beiden besteht. Bei Loligo liegen in der Mitte der Zelle kompakte Pigmentklumpen. Zwischen dem Pigment und der gefalteten Zellmembran der retrahierten Zelle kommt ein spaltförmiger Hohlraum zum Vorschein. Bei der expandierten Zelle sind die einzelnen Pigmentkörner sehr deutlich unterscheidbar, wie bereits Harless (33) beobachtet hat. Dieser Autor hat auch zuerst chemische Einwirkungen auf das Pig- ment untersucht und gefunden, daß Aether, Essigsäure und verdünnte Salzsäure den Farbstoff nicht verändern; dagegen löst KaUlauge den Farbstoff auf, ohne an- fangs die Körperchen, an welche der Farbstoff gebunden ist, zu zerstören; sie tut es erst bei langdauernder Einwirkung. Verdünnte Salpetersäure entfärbt nach Kle- MENSiEWicz (46) den Pigmentkörper. Die Pigmentzellen stellen nach der Auffassung der meisten Autoren bläschen- förmige Gebilde (Rabl, 63) oder runde Säckchen (Steinach, 72) dar, welche die Pigmentkörnchen enthalten. Es sind kompliziert gebaute Gebilde, die mit eigenen Muskeln, den Radiärfasern, versehen sind. Die Chromatophoren liegen in einem nach Klemensiewicz (46) strukturlosen Hohlraum, der von einer Flüssigkeit erfüllt ist und durch eine dichte Lage von Bindegewebe scharf von der Umgebung abgegrenzt erscheint. Auch an Alkoholpräparaten erscheint um die Zelle ein Hof, 1214 R. F. Fuchs, dessen Kontour dem der Zelle parallel läuft. Auch Phisalix (öl) beschreibt um die Chromatophore einen strukturlosen Hohlraum; diese Angaben über die Chro- matophorenhöhle wurden von Rabl an Sepiola und Loligo bestätigt. Da die Chromatophoren der Cephalopoden sehr kompliziert gebaute Gebilde sind, so haben sich die Forscher vielfach die Frage vorgelegt, ob es sich hier um einzellige oder mehrzellige Gebilde handelt, oder mit anderen Worten, ob die Chro- matophore als eine Zelle oder ein Organ anzusehen ist. Für die einzellige Natur der ganzen Chromatophore hat sich sehr entschieden Chun (16) aus- gesprochen, der auf Grund seiner Untersuchungen an Bolitaena sogar die Muskeln der Eadiärfaser aus der primären Anlage der Chromatophore entstehen läßt, ohne daß neue Zellen hinzutreten. Die meisten Autoren sehen aber die Chromatophoren als zusammengesetzte Organe an, wie bereits Haeless (33) es getan hat. BoLL (9) nimmt eine Zusammensetzung aus mehreren Zellen an, weil mehrere Kerne vorhanden sind, oder zum mindesten sind die Chromatophoren aus mehreren Zellen hervorgegangen, eine Ansicht, die auch von Phisalix (59) vertreten wird, nach dessen Auffassung es sich um Gebilde handelt, die aus Hohlräumen heI^'orgegangen sind, welche sich nachträglich mit Zellen erfüllen, die der Pigmentdegeneration anheimfallen. iSS4a«,.«...«».*>«i*?«W!glK£i pSSSSTT'., R.K. Chr.K. Fig. 4. Chromatophore von Eledone moschata (Querschnitt). M. Zellmembran, Chr.K. Kern der Chromatophore, R.K. Kern der Eadiärfaser. (Nach Eabl.) Die Entstehung der Chromatophoren durch pathologische Prozesse, Degeneration, läßt sich nicht aufrecht erhalten. Man wird vielmehr der Meinung Eabls (63) sich anschließen, daß es sich um eine einzige Zelle handelt, deren Be- wegungsapparat erst sekundär mit der Zelle verschmolzen ist. Eine besondere und kaum zu beweisende Auffassung über die Genese der Chromatophoren hat SiEMENZ (zitiert nach Solger, 71) vertreten, der die Chromatophoren in einen genetischen Zusammenhang mit den Farbstoffdrüsen der Mollusken bringt. Von den einzelnen Teilen der Chromatophore ist insbesondere der Zellkern und die Zellmembran des Pigmentkörpers Gegenstand einer langen Reihe von Unter- suchungen geworden. Die Frage der Existenz eines Zellkernes ist von allen Autoren, von Wagner (78, 79) angefangen bis zu den Untersuchungen von Kle- MENSiEwicz (46), Phisalix (59), Eabl (73) und Chun (16) bejaht worden, nur Haeless (33) hat die Existenz von Zellkernen vollkommen in Abrede gestellt. Schon H. MÜLLER (55) macht darauf aufmerksam, daß alle Chromatophoren einen, und zwar nur einen Kern haben, daß er aber bei den verschiedenen Species nicht Der Farbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1215 gleich gut zu sehen sei. Am besten zu finden ist er bei den kleinen Pigmentzellen ■von Ocfopi/s, JEledone, Sepia und auch bei Sepio/a , am schwersten bei Loligo. BoLL (9) beobachtete innerhalb der Pigmentraasse bei Eledone und Octopus stets einen Kern, der bei der expandierten Chromatophore leichter zu sehen ist als bei der retrahierten, und der auf Essigsäurezusatz noch deutlicher hervortritt. Auch bei Sepia und Sepiola, ja selbst bei kleinen Zellen von Loligo wurden Kerne beobachtet. Keller (15) beschreibt Kerne in den Chromatophoren von Argonautu, Sepia, Sepi- ola, Loligo, Octopus und Lledotie, hebt aber ausdrücklich hervor, daß an älteren Exemplaren die Kerne nicht mehr zu sehen sind, ebensowenig lassen sie sich an re- trahierten Chromatophoren erkennen, weil der Kern vom Pigment verdeckt wird; dagegen ist er im expandierten Zustand der Zelle sichtbar. Klemensiewicz (46) hat zur Darstellung des Zellkernes den Pigmentkörper durch Einwirkung verdünnter Salpetersäure entfärbt und fand stets Zellkerne, dagegen sind an Hämatoxylinpräpa- raten die in der Pigmentmasse liegenden Kerne nicht deutlich zu sehen. Embryo- nale Pigmentzellen enthalten immer Kerne, was von Phisalix (59) bestätigt wird. Am sorgfältigsten ist das Verhalten der Kerne von Eabl (63) studiert worden, der bei allen jugendlichen Zellen Kerne fand. In den Chromatophoren von Eledone liegt zwischen den Pigmentklumpen der Zellkern, der sich in seinem färberischen Ver- halten von gewöhnlichen Zellkernen deutlich imterscheidet. Er färbt sich nicht mit Eisenhämatoxylin, noch mit Hämalaun, sondern mit Eosin, wodurch das spärliche Kerngerüst und der elliptische große Nucleolus dunkelrot gefärbt wird. In den bläschenförmigen Zellen ist der Kern kleiner, peripher gelegen und zeigt ein normales Verhalten gegen Kernfarbstoffe. Bei Octopus sind die Kerne in den Pigmentkörpern leicht nachweisbar, sie sind kleiner als bei Eledone. Der große Nucleolus färbt sich mit Hämatoxylin-Eosin leicht rot. Auch bei Loligo sind Kerne immer vorhanden, aber nicht immer leicht nachzuweisen, ebenso bei Sepiola, wo die Kerne kleiner sind als bei Loligo und namentlich in der expandierten Zelle schwer zu finden sind. Sehr viel komplizierter und unklarer sind die Anschauungen der Autoren über jenen Teil der Chromatophore, der als Zellmembran, zellige Hülle, Zellkranz, collerette festonee von den einzelnen Autoren beschrieben worden ist, zumal auch die den Originalabhandlungen beigegebenen Abbildungen uns oft kein anschauliches Bild von diesen Gebilden geben. Die einfachste Anschauung vertrat Kölliker (47), der die Pigmentzellen als membranlose Zellen beschreibt, was von Klemensiewicz (46) für die embryonalen Zellen bestätigt wird. In neuester Zeit hat sich auch Chun (16) zu einer ähnlichen Auffassung bekannt. Schon Wagner (78) nimmt eine elastische Mem br an an, welche die Pigmentkörnchen umschließt, von der Harless (33) annimmt, daß sie einen kontraktilen Sack darstelle, welcher aus einerSummemiteinanderverschmolzenerZellenhervorgegangenist,deren Kerneerhalten geblieben sind, also nach unseren gegenwärtigen Anschauungen als Syncytium zu bezeichnen wäre. Diese Existenz einer einfachen elastischen Zellmembran wurde auch von Brücke (10) und Keferstein (44) angenommen. Kompliziert wurde die ganze Frage erst, als Boll (9) sowohl an frischen, als auch mit Essigsäure oder Oxal- säure behandelten Präparaten um den Pigmentkörper herum eine Lage protoplasma- reicher, nicht immer deutlich konturierter Zellen beschrieb, deren Kerne unregelmäßig gelagert sind. Diese Zellen bezeichnet Boll als „epithelartigen Kranz", von welchem an der expandierten Chromatophore nichts mehr zu erkennen ist. Die Beobachtung der Chromatophoren zeigt, daß der in der Ruhe vorhandene Zellriug bei der Expansion den konischen Anschwellungen an den Insertionsstellen der Muskelfasern entspricht. Stets wird die Wand der Chromatophore von den konischen Enden der Muskelfasern gebildet, welche aber die Chromatophore nur am Rande begrenzen, weshalb die Chromatophore an ihrer oberen und unteren Fläche eine eigene Wand haben muß, in Form eines Häutchens, dessen Existenz sich manchmal durch Falten und Kniffe verrät. Ob ein die Chromatophore allseitig umschließendes 1216 R. F. Fuchs, Häutchen vorhanden ist, wagt Boll nicht zu entscheiden. Warum Boll nach dieser Darlegung der Verhältnisse die Existenz eines eigenen epithelartigen Kranzes nicht rundweg ablehnt, ist eigentlich ganz unverständlich, jedenfalls kann man aus BOLLs eigenen Worten schließen, daß er an die Existenz eines Zellkranzes als mor- phologisches Sondergebilde geglaubt hat. Eine helle Zone, welche die Chromato- phore umgibt, hat Keller (45) als BoLLschen Zellkranz gedeutet, außerdem spricht er noch von einer strukturlosen Membran, die manchmal Falten zeigt. Auch Kle- MENSIEWICZ (46) beschreibt die „zellige Hülle", welche den Pigmentkörper allseitig umkleidet, sehr ausführlich; im Gegensatz zu Boll (9) handelt es sich aber nicht nur um einen Zellkranz, sondern die zellige Hülle ist die einzige Umgrenzung des Pig- mentkörpers, so daß die von Boll angenommene Membran für die Ober- und Unter- seite der Chromatophore von Klemensiewicz (46) als nicht existierend angesehen wird. Nach Behandlung der Präparate mit Salpetersäure liegt um den Pigment- körper die granulierte zellige Hülle, bei Goldchloridpräparaten als palisadenförmige, gegen die Peripherie abgerundete Zellen, in welche die Radiärfasern übergehen, so daß deren an den Pigmentkörper angrenzenden verbreiterten Basalteile nicht zu sehen sind, weil sie von den Elementen der zelligen Hülle verdeckt werden. Eine Dar- stellung von isolierten Elementen der zelligen Hülle gelang Klemensiewicz nicht. Ganz übereinstimmend mit Boll berichtet auch Klemensiewicz, daß die Breite der zelligen Hülle mit der Stärke der Expansion der Chromatophoren abnimmt, und bei vollständiger Expansion ist sie nicht mehr zu sehen. Auch an embryonalen Chro- matophoren beschreibt Klemensiewicz die zellige Hülle als selbständiges histo- logisches Gebilde. Obgleich Phisalix (59) dem Pigmentkörper eme eigene Um- hüllungsmembran zuerkennt, so beschreibt er noch eine gesonderte gefaltete Krause (coUerette festonee), welche den Pigmentkörper wie ein Epithelkranz umgibt. Um diese gefaltete Krause zieht ein fibrilläres Netzwerk von zirkulären und radiären Fasern. Ganz in Uebereinstimmung mit den Angaben der früheren Autoren hebt Phisalix hervor, daß die coUerette an expandierten Zellen nicht sichtbar ist. Er- wähnenswert ist noch, daß sich die coUerette mit Pikrinsäure gelb färbt, aber trotz- dem hält Phisalix an der Existenz eines eigenen nicht muskulösen Gebildes fest, dem er nur elastische Eigenschaften zuerkennt. Als letzter Autor in dieser Reihe hat endlich Solger (71) die zellige Hülle beschrieben und abgebildet, nur sind es bei ihm „blasige" Zellen, im übrigen stimmt er aber mit Phisalix überein; außer- dem erkennt Solger den Pigmentzellen eine eigene elastische Hülle zu, die von einem Netzwerk umgeben wird; er nennt sie „Zellkapsel". Sie haftet der Chromato- phore und deren Muskeln fest an. Im Gegensatz zu Boll (9) und Klemensiewicz (46) hatte bereits Girod (31) den Zellkranz und die zellige Hülle der genannten Autoren als nicht existierend bezeichnet und der Chromatophore einzig und allein eine einfache Zellmembran zuerkannt. Da aber die bestimmten Angaben von Phisalix und Solger Girods' Meinung vollkommen zu widerlegen schienen, so muß es als ein großes Verdienst Rabls (63) anerkannt werden, daß er endgültig mit diesen unhaltbaren Dingen aufräumte und sie in das große Reich histologischer Täuschungen verwies. Nach Rabls Untersuchungen ist der Zellkranz von Boll nichts anderes als die basalen kernhaltigen Teile der Radiärfasern, mit denen aber die zeUige Hülle von Klemensiewicz nicht identisch zu sein scheint. Nach Rabls Unter- suchungen wird der Pigmentkörper bei Eledone von einer sich mit Eosin rot färbenden Haut begrenzt, die eine einfache Zellmembran ist, an deren Außen- seite heften sich die Radiärfasern an. Da sich bei der Retraktion der Zelle häufig das Pigment von der Zellhaut zurückzieht, so kann sie in der Flächenansicht leicht gefaltet und mit Leisten versehen erscheinen. Eine besondere bindegewebige Hülle, wie sie bei Sepiola und Loligo vorhanden ist, existiert bei Eledone nicht. Bei Loligo ist die Zellmembran an expandierten Chromatophoren nur schwer zu er- Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1217 kennen, dagegen ist sie auffallend deutlich gefaltet an retrahierten Zellen und hat wohl deshalb zur Beschreibung einer coUerette feston^e geführt. Die Membran selbst ist kernlos, und die von anderen Autoren in ihr gesehenen Kerne gehören anhegenden Bindegewebszellen an. Bei Sepiola liegt die Zellmembran dem Pigmentkörper an den Ansatzstellen der Radiärfasern dicht an, während sie im übrigen einen weiten Sack um die retrahierte Chroraatophore bildet. T)ie Membran färbt sich mit Pikro- fuchsin gelb und umschließt den Pigmentkörper allseitig. Auf Grund seiner mikro- skopischen Präparate bestreitet Steinach (72) die Existenz der von Rabl ange- nommenen Zellmembran, zumal sie auch bei sich entwickelnden Chromatophoren des erwachsenen Tieres von Steinach nicht gesehen wurde. Die Radiärmuskeln und die Chromatophorensubstanz gehen ohne jede Grenze ineinander über, dagegen M. / CKr-K,. r' Fig. 5. Eledone moschata. Ganz junge Cbromatophore (Querschnitt). 3f. Zell- membran, Chr.K. Kern der Cbromatophore. (Nach Rabl.) st die obere und untere Fläche der Cbromatophore (d, h. des Pigment körpers) von einer manchmal vom Pigment abgehobenen Membran bekleidet. Die Radiärfasern umfassen mit ihren konischen Enden den äquatorialen Rand der Pigmentplatte und treten, nach oben und unten übergreifend, mit der erwähnten Hüllenmembran in Verbindung. Man kann wohl in dieser Meinung keinen prinzipiellen Widerspruch gegen die Existenz der RABLschen Zellmembran erblicken, da ja Steinach selbst oben und unten vom Pigmentkörper eine der RABLschen ganz analoge Membran be- schreibt. Die Differenz der Meinungen wird aber um so kleiner, als Rabl selbst hervorhebt, daß an der Insertion sstelle der Radiärfasern die Zellmembran schwer sichtbar ist, insbesondere bei Sepiola, und Steinach seine Anschauung wohl vor- wiegend auf Präparate von Sepiola stützt, wenigstens bildet er gerade hierfür seinen Befund bei Sepiola ab. Endlich wird von Chun (16) die Existenz jeglicher Zellmembran, auch als Ansatzmembran der Radiärmuskeln, in Ab- rede gestellt, und er hält die von Rabl beschriebene Membran für eine Täuschung. Da Chun sich zu diesem Urteil nur auf Präparate von Bolitaetia stützt, so kann eine solche Verallgemeinerung dieser Beobachtungen Chuns doch nur mit einem gewissen Vorbehalt verzeichnet werden. An den Pigmentkörper setzen sich die Radiärfasern an, über deren histo- logische Deutung lange Zeit die Meinungen geteilt waren. Als ihr Entdecker muß Delle Chiaje (15) gelten, der 6—12 Radiärfasern an jeder Cbromatophore beschreibt, Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 77 1218 ß. F. Fuchs sie für Muskeln ansieht, durch deren Kontraktion die Expansion der Chromato- phore bewirkt wird. Aber dieser Meinung wurde sehr energisch von Keller (45) widersprochen, der ihre Existenz bei vielen Arten in Abrede stellte, und da, wo Radiär fasern vorhanden seien, z. B. bei Argonauta, Sepiola und Loligo sie für Zell- fortsätze ansieht, die im Bindegewebe der Haut sich verlieren. Harting (34) da- gegen hält die Eadiärfaser für Nervenendigungen, während BiiANCHARD (8), GiROD (31j und auch Phisalix (57) wenigstens in seiner ersten Mitteilung über die Chromatophoren die Eadiärfasern für Bindegewebe halten. Später hat allerdings Phisalix (59) diese Meinung verlassen und beschreibt die Radiärfasern ausdrücklich als Muskelfasern, die sich nicht von den Fasern des Mantelmuskels unterscheiden. Eine besondere Stellung nehmen nach den Untersuchungen von Samassa (69) die Radiärfasern von Scaeurgus tetracirrus ein, deren Zahl gering ist. Sie sind an den Ansatzstellen am Pigmentkörper nicht verbreitert, sondern dünn und haben Aehn- lichkeit mit Bindegewebszeilen. Bei den übrigen Cephalopoden sind aber die Radiär- fasern nach Samassa zweifellos Muskeln. Auch v. Uexküll (74) hält die Radiär- fasern für Bindegewebe. Er stützt seine Anschauung aber keineswegs auf histo- logische Untersuchungen, sondern nur darauf, daß es ihm nie gelungen sei, experi- mentell isolierte Expansionen der Chromatophoren durch unipolare elektrische Reizung hervorzurufen, sondern stets waren die Formveränderungen der Chromatophoren von Kontraktionen des Hautmuskels begleitet, so daß v. Uexküll ihnen jede aktive Beweglichkeit abspricht und die Radiärmuskeln für Bindegewebe, zum mindesten nicht für Muskelgewebe erklärt. Sowohl vor den v. UEXKÜLLschen Versuchen, als auch nachher, ich nenne hier nur die Untersuchungen von Stelnach (72) war ein- wandfrei festgestellt worden, daß isolierte Chromat ophorenbewegungen ohne Haut- kontraktionen häufig spontan vorkommen und auch experimentell erzeugt werden können, womit die vollkommene Haltlosigkeit der v. UEXKÜLLschen Be- hauptungen dargetan wird. Die größere Anzahl der Forscher, deren Namen bereits früher erwähnt wurden, hat die Radiärfasern immer für Muskeln gehalten, und heute ist die musku- läre Natur dieser Gebilde über jeden Zweifel erhaben. Die erste genauere Beschreibung der Radiärfasern verdanken wir Harless (33), der 4—8 kontraktile Fasern direkt an jeder Chromatophore ansetzen läßt, wo sie miteinander verschmelzen. Manchmal teilen sie sich noch kurz vor ihrer Verschmelzung mit der Chromatophorenhülle. Häufig sind 6 — 10 Chromatophoren miteinander durch Muskelfasern verbunden, wodurch die gleichzeitige Tätigkeit größerer Chromatophorengruppen erklärt wird. An der Insert ionsstelle zeigen die Radiärfasern eine A n schwell ung, welche bei deren Kontraktion sehr beträchtlich sich vergrößert; überdies treten an den Fasern während der Kontraktion „konvulsivische Oscillationen" ein. H._Müller (54) erweitert unsere Kenntnisse von den Radiärfasern dadurch, daß er ihren Kern beschreibt. Die folgenden Untersuchungen Bolls (9) bestätigen nur diese Angaben, ohne etwas prinzipiell Neues über die Radiärfasern zu enthalten. Pouchet (62\ erwähnt zuerst den fibrillären Bau der Radiärfasern, wodurch sie ein gestreiftes Aussehen erhalten. Den basalen Kernen der früheren Autoren spricht er aber jede Beziehung zur Radiärfaser ab, weil er diese Kerne wegen ihrer runden Gestalt als verschieden von den stäbchenförmigen Kernen der Muskelfasern ansieht. Die musku- löse Natur der Radiärfasern ist dadurch erwiesen, daß sie sich auf elektrische Reize verkürzen. Die weiteren Untersuchungen von Klemensiewicz (46), Phisalix (58—61), SolCtER (71), Steinach (72), Rabl (63) und Chun (16) haben aber zweifellos dargetan, daß der in den basalen Ansätzen der Radiärfasern zu beobachtende Kern diesen Fasern selbst angehört und als Kern der glatten Muskelfasern anzusehen ist. Da nach Angaben von Phisalix (59) bei Sepiola jede Radiärfaser aus mehreren nebeneinander liegenden Muskelfasern Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1219 zusammengesetzt ist, so treten bei dieser Cephalopodenart mehrere Kerne an der Basis jeder Radiärfaser auf. Auch die fibrilläre Struktur derRadiärfasern wurde von den späteren Untersuchern, wie Klemensiewicz (46), Samassa (69), welcher gerade, nicht ge- schlängelte Streifung beschreibt, Steinach (72), der die Streifung bis in den basalen Teil der Zellen verfolgt hat, Rabl (63) und Hofmann (37), beobachtet. Rabl hat die fibrilläre Anordnung der Radiärfasern bei verschiedenen Cephalopodenarten sehr eingehend studiert, weshalb seine Befunde ausführlicher mitgeteilt werden sollen Bei Eledone ist die Längsstreif ung, welche auf den fibrillären Bau hinweist, deutlich zu sehen, manchmal sind ganze Fibrillenbündel zu beobachten, dagegen ist bei Oetopus eine Zusammensetzung der Radiärmuskeln aus Fibrillen nicht nachweisbar, desgleichen war an den mächtig entwickelten Radiärfasern von Loligo eine deutliche Längsstreifung nicht mit Bestimmtheit nachzuweisen. Bei Sepia hingegen ist die fibrilläre Struktur zuweilen ausgezeichnet zu beobachten, ferner ist sie bei Sepiola sehr deutlich. Nur Phisalix (59) glaubte, daß eine Pseudostreifung durch zentral eingelagerte Protoplasmagranula vorliege, ihm scheint sich auch Solger (71) angeschlossen zu haben, wenigstens kann man seine widerspruchslose Anführung des PHisALixschen Zitates so auffassen, zumal Solger selbst keinen fibrillären Bau der Radiärfasern beschreibt. Aber die Auf- fassung Phisalix ist durch die Beob- achtungen von Steinach (72), Rabl (63) und Hofmann (37) genügend widerlegt. Von Klemensiewicz (46) wurde zu- erst darauf hingewiesen, daß jede Radiär- faser eine doppelte Kontur zeige. Solger (71) fand dann, daß die Proto- plasmamasse der Radiärfasern von einer stark lichtbrechenden homogenen Wand- schicht umgeben wird, welche frei ist von den im zentralen Teil des Protoplasmas eingelagerten Granulis. Diese Gliederung der Radiärmuskeln in Randsubstanz und Achsenplasma ist nach Ballowitz (4) bei den Cephalopoden bereits seit Müller und Leydig bekannt. Auch Rabl (63) erwähnt den doppelten Kontur, indem ein grobkörniger Inhalt (Sarkoplasma) von einer kontraktilen Randschicht umschlossen wird. Außerdem beschreibt er noch eine mit Fuchsin sich rot färbende bindegewebige Umhüllung, welche als feiner Kontur zu sehen ist. Bezüglich der Anastomosen und Verzweigungen der Radiärfasern herrscht auch heute noch keine vollständige Einigkeit aller Forscher. Seit Harless (33) wurde, wie bereits erwähnt, von Boll u. a. angegeben, daß mehrere Chromato- phoren durch ihre Muskelfasern miteinander verbunden sein sollen. Phisalix (59) erwähnt, daß die basalen Teile benachbarter Radiärfasern miteinander anastomosieren, so daß sie einen einheitlichen Bewegungsapparat bilden, was auch von Solger (71) angegeben wird. Am anderen Ende verdünnt sich der Muskel, teilt sich in Fibrillen, welche im Bindegewebe endigen, oder mit ähnlichen Fibrillen anderer Chromatophoren anastomosieren. Nach Rabl (63) spaltet sich die Radiärfaser in einiger Entfernung von der Chromatophore in zwei oder mehrere dünne Teile, die sich allmählich ver- schmälern und spitz zulaufend im Gewebe der Haut endigen. BoLLs (9) 77* R.K. Fig. G. Sepia officinalis. Ansatz- stück einer Radiärfaser an die Chromato- phore. R. Radiärfaser, E.K. Kern der Radiärfaser, 31. Zellmembran der Chro- matophore. (Nach Rabl.) 1220 E. F. rucHS, Angabe, daß benachbarte Chromatophoren mehrere Fasern gemeinsam haben, konnte nicht mit Sicherheit bestätigt werden. Auch öteinach (72) hat die Verbindung der breiten konischen Basalteile benachbarter Eadiärfasern beschrieben, so daß um den Aequator der Zelle eine zusammenhängende Muskelzone entsteht, die auf die obere und untere Fläche der Zelle übergreift. An ihren peripheren Enden ver- ästeln sie sich und lösen sich in Fibrillen auf, welche in der bindegewebigen Um- gebung verschwinden, manchmal aber einen Uebergang in die Hautmuskelfasern zeigen. Steinach nimmt sogar eine sehr innige Beziehung zwischen Hautmuskeln und Eadiärfasern an, so daß ein Uebergreifen der Erregung von der Haut auf die Chromatophoren möglich ist. Auch geteilte Eadiärfasern beschreibt Steinach, deren einer Ast zu einer benachbarten Chromatophore zieht, während der zweite Ast in der Haut endigt, außerdem erwähnt er Verbindungen der Eadiär- / Fig. 7. Chromatophoren von Loligo vulgaris. Ueberkreuzen der Radiärfasern. (Nach HOFMANN.) faserbüschel zweier Chromatophoren untereinander. An intravital gefärbten Methyleu- blaupräparaten hat Hofmann (37) oft die büschelförmigen Verästelungen der Eadiärfasern gesehen, bezüglich deren Endverästelungen starke Variationen vorkommen. Ferner erwähnt Hofmann, daß sich die Eadiärfasern benachbarter Chromatophoren überkreuzen ; eine direkte Verbindung der Fasern an diesen Stelleu scheint er aber nicht anzunehmen. Endlich hat Chun (16) bei Bolitaena stets durchaus un verästelte Eadiärfasern gesehen, auch war eine Verbindung zwischen den Eadiärfasern benachbarter Zellen nicht nachzuweisen, wohl aber kann es vor- kommen, daß zwei Eadiärfasern sich an die gleiche Masche der unter der Chromato- phorenschicht gelegenen Muskelschicht anlegen. Beim Studium der histologischen Eigenschaften der Eadiärfasern hat auch das färberische Verhalten dieser Gebilde die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich ge- Der Parbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1221 lenkt, Solger (71) hatte beobachtet, daß die Eadiärfasern bei der vitalen Me- thylenblaufärbuDg sich ganz ähnlich färben wie glatte Muskeln (diffus blaßblau). Neuerdings hat Hofmann (37) ausgedehnte Beobachtungen an der vitalen Methylen- blaumethode untervForfenen Präparaten angestellt und konnte die Angaben Solgers bezüglich der Eadiärfasern bestätigen. Dagegen färben sich die Hautmuskelfasern nicht, was auf deutliche Strukturverschiedenheiten zwischen Haut- muskeln und Kadiärfasern hinweist. Daß in manchen färberischen Eigenschaften Unterschiede zwischen Eadiärfasern und glatten Muskeln bestehen, hat auch Eabl (63) hervorgehoben, so daß man sie nicht direkt als glatte Muskeln , sondern nur für ähnliche Gebilde halten muß. Die Eadiärfasern zeigen keine Doppelbrechung, während die glatten Muskeln des Mantels eine solche aufweisen. Gerade die Untersuchungen der Kon- traktionsvorgänge am Mantelmuskel der Cephalopoden haben ergeben, daß sich die Kontraktionskurven dieser Muskel in sehr wesentlichen Punkten von den bei glatten Muskeln gefundenen unterscheiden, so daß die Mantelmuskeln wohl eine der vielen Uebergangsstufen vom glatten zum quergestreiften Muskel darstellen. Deshalb kann man nur den histologischen Unterschied zwischen Eadiärfaser und Mantelmuskel konstatieren, ohne daraus folgern zu dürfen, daß die Eadiärfasern keine echten glatten Muskeln seien. Steinach (72) hatte auch durch die HANSENsche Modifikation der van Gieson- schen Pikrofuchsinfärbung die Eadiärfasern als gelb gefärbte Bildungen dargestellt, die sich sehr auffällig von dem umliegenden roten Bindegewebsnetz abheben. Da sich die Eadiärfasern hier ganz wie Muskelfasern verhalten, so war diese färberische Eeaktion eine wesentliche Stütze dafür, sie als wirkliche Muskelzellen anzusehen. Steinach glaubt allerdings, daß die Eadiärmuskeln den quergestreiften Muskeln nahe verwandt sind und führt für seine Meinung an : die große Erregbarkeit der Eadiärfasern für Momentanreize, sowie die rasch verlaufende Zuckung und ihre Fähigkeit in Tetanus zu geraten. Jedoch scheinen diese Eigenschaften durchaus nicht hinreichend, um die Eadiärfasern zu den quergestreiften Muskeln in ver- wandtschaftliche Beziehungen zu bringen, denn gegen eine solche spricht vor allem das histologische Verhalten. Außerdem ist der Tetanus der Eadiärfasern nicht als Tetanus exakt analysiert, denn langdauernde Kontraktionen brauchen besonders bei glatten Muskeln keine Tetani zu sein , wie die Untersuchungen von Fuchs (30) am Sipnnndus -KeiraetOT ergeben haben, bei welchem glatten Muskel auch rasch erfolgende lange anhaltende Dauerkontraktionen sich als einfache Zuckungen heraus- gestellt haben. Endlich müssen wir bedenken, daß die Physiologie des Kontraktions- prozesses derjenigen Gebilde, die wir in der Gruppe der glatten Muskeln vereinigen, noch keineswegs so weit gediehen ist, um mit Sicherheit ein kontraktiles Organ auf Grund des Kontraktionsverlaufes aus dieser Gruppe ausscheiden zu können. Andererseits ist es wohl heute nicht mehr zweifelhaft, daß wir in der Gruppe der glatten Muskeln physiologisch sehr verschieden sich verhaltende Muskeln vor uns haben, bei denen die histologische Untersuchung mangels geeigneter Methoden noch keine morphologischen Unterschiede feststellen konnte. Die Zahl der an einer Chromatophore befindlichen Eadiärfasern scheint bei verschiedenen und auch bei der gleichen Art verschieden zu sein. Harless (33) beschreibt deren 4—8, Klemensiewicz (46) 12—24, Eabl (63) bei Eledone 17, Hof- mann (37) durchschnittlich 20 und Chun (16) gibt einfach an, daß die Zahl der Eadiärfasern der Zahl der Kerne entspricht. Ebenso ist die Form (Eabl) und Länge (Hofmann) der Eadiärfasern, sowie die Mächtigkeit ihrer Entwicklung bei verschiedenen Arten verschieden, ja selbst bei nebeneinander liegenden Chromato- phoren eines und desselben Individuums verschieden. Bei Sepia und Loligo finden sich besondere einzelne dunkle Chrom atophoren mit sehr langen Eadiärmuskeln (Hofmann). 1222 . R. F. Fuchs, Auch die Form Veränderungen der Eadiärfasern bei ihrer Kon- traktion sind vielfach mikroskopisch genauer beobachtet worden. Klemensiewicz (40) hebt hervor, daß bei retrahierten Chromatophoren die Eadiärfasern schwer zu sehen sind und nur als feine glänzende Linien erscheinen, dagegen treten sie bei expandierten Chromatophoren wegen ihrer größeren Breite deutlich hervor. Ganz übereinstimmend äußern sich Samassa (69), Eabl (63) und Steinach (72), welche außer der Verdickung auch noch die Verkürzung der kontrahierten Fasern hervorheben. Die beiden letztgenannten Autoren erwähnen überdies, daß die Eadiär- fasern im erschlafften Zustande hier und da leicht geschlängelt erscheinen. Chun (16) hat beobachtet, daß bei der Expansion der Chromatophore die Eadiärfasern sich bis auf ein Drittel ihrer normalen Länge zu verkürzen vermögen. Im Anschluß an diese anatomischen Untersuchungen über die Eadiärfasern, seien hier noch die Versuche von Phisalix (58) erwähnt, welche bezweckten, einen physiologischen Beweis für die muskuläre Natur der Eadiärfasern zu erbringen. Phisalix zerstörte mit einer feinen Nadel den zentralen Teil der Chromatophore; die unverletzt gebliebene Eandpartie zeigt auf Eeizung sowohl rhythmische wie tetanische Bewegungen. Wurde aber die Eandpartie zerstört, wo die Chromatophoren- muskel ansetzen, dann tritt vollständige Bewegungslosigkeit auf. Da der Einfluß des Nervensystemes auf die Chromatophoren schon seit Aristoteles angenommen wurde, so war es eine zwar keineswegs leichte, aber umso dringendere Aufgabe, die anatomischen Verbindungen zwischen den Chromatophoren und den in der Haut befindlichen Nerven einwand- frei darzustellen. Als erster beschreibt Saxgiovanni (67, 6S) die Verbindung der Chromatophoren mit einem weitmaschigen Nervennetz, auch Harless (33) er- wähnt Nervenbündel, die mit den Chromatophoren in Beziehung treten, ja Joubin (43) will sogar Nervenendorgane gesehen haben, desgleichen Phisalix (59), der einmal Nervennetze um die Chromatophoren beschreibt, in denen stark lichtbrechende Körperchen, die vielleicht Ganglienzellen sein sollen, liegen. Ferner erwähnt er monilienartige Nervenendbäumchen an den Chromatophoren. Verbindung von Nerven- fasern mit Chromatophoren beschreibt auch Samassa (69). Aber bereits Wagner (79) sowie Keller (45) stellen einen Zusammenhang der Nervenfasern entschieden in Abrede, und selbst Klemensiewicz (46) konnte keine sicheren Verbindungen der Nervenfasern mit den Chromatophoren nachweisen. Da aber selbst die positiven Angaben der vorgenannten Autoren keineswegs genügten, um den anatomischen Zu- sammenhang der Chromatophoren mit dem Nervensystem klarzustellen, so unter- suchte Solger (71) diese Frage von neuem an vital gefärbten Methylenblaupräparaten . Zweifellos hat Solger Nerven an die Chromatophoren herantreten sehen, aber die letzten Enden der Nerven und deren Verteilung an der Chromato- phore sind ihm sicher entgangen. Chun (16) hat an Bolitacna, namentlich an jungen Chromatophoren stets Nervenendigungen aufgefunden, aber an vollständig entwickelten Chromatophoren sind sie viel schwieriger zu beobachten. Nur selten kann man sicher zeigen, daß ein über die Chromatojjhore ziehendes Nervenstämmchen eine Verbindung mit der darunterliegenden Eadiärfaser eingeht. Es ist ein großes Verdienst Hofmanns (37), durch seine sorgfältigen Untersuchungen vital gefärbter Methylenblaupräparate uns ein klares Bild von den Verbindungen der Nerven mit den Chromatophoren gegeben zu haben, weshalb die Befunde Hofmanns hier ausführlicher mitgeteilt werden sollen. Am geeignetsten für die Methylenblauuntersuchung sind Präparate von Loligo, in deren Chromatophorenschicht ein fast zu großer Eeichtum von Nervenfasern sich vorfindet. Die dickeren Nervenfasern verzweigen sich auf weite Strecken hin und bilden mit ihren x\esten ein Geflecht, das Hofmann den Grundplexus nennt, dessen Fasern glatte Konturen aufweisen. Der Grundplexus ist am stärksten ent- wickelt in der Gegend der Einstrahlung der Chromatophorennerven in die Haut. Der Tarbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1223 Fig. 8. Nervengeflceht aus der Chromatophorensehicht der Haut von Loligo vulgaris. (Nach Hofmann.) Er stellt die allmähliche Aufteilung und Ausbreitung der Nerven in ihre Innervations- gebiete dar. Vom Grundplexus gehen feine Nervenfäden ab, welche häufig zu ßündelchen vereinigt sind, die aus varikösen Fäserchen bestehen und sich in wirrer Weise verflechten. Sie laufen an den Bündeln der Hautmuskeln entlang und stellen den intramuskulären Plexus dar, welcher wegen seiner oberflächlichen Lage alsEndplexus bezeichnet wird. Die Fasern, welche die Eadiärmuskeln innervieren, haben eine ganz charakteristische Anordnung. Jeder Radiär muskel ist in seiner ganzen Länge mindestens von einem Nervenfaden begleitet, der bei nicht kontrahierten Muskeln ziemlich geradlinig, an stark kontrahierten Muskeln aber oft stark geschlängelt erscheint. In der Nähe des Pigmentkörpers der Chromatophore werden die Nervenfasern blaß und scheinen bei nicht gut gefärbten Präparaten hier zu endigen, wie es Solger (71) beschrieben hat. Aber an geeig- neten Präparaten lassen sich die Nerven bis an den Chromatophorenkörper heran verfolgen, wo sie nach der Seite abbiegen und sich guirlandenförraig mit den Fasern der benachbarten Radiärfaser verbinden, und geben genau die Form der Einbuch- tungen zwischen den einzelnen Radiärmuskelansätzen wieder. Diese Fasern endigen nicht in der Chromatophore, sondern münden in die benachbarten Nervenfäden ein, so daß alle bisher von anderen Autoren dargestellten freien Nerven- endigungen als Kunstprodukte anzusehen sind. Hofmann gibt die Möglichkeit zu, daß von den Schlingen feine Nervenfädchen abgehen, die in den Radiärmuskeln frei endigen, aber darstellen konnte er diese Fasern nicht. Ob ein kontinuierliches Nervennetz vorhanden ist, läßt sich an Methylen- blaupräparaten wegen der Unvollständigkeit der Färbung nicht entscheiden ; es scheint 1224 R. F. Fuchs, zwar möglich, daß eine schleifen form ige Verbindung der Endverzweigungen einer Stammfaser untereinander besteht, aber die physiologischen Versuche Hof- manns (38) haben ein solches kontinuierliches Nervennetz unwahrscheinlich gemacht; denn auf Reizung einzelner isolierter Hautnervenstämmchen geraten stets ganz bestimmte oft inselförmig getrennte Chromatophorenbezirke in Expansion und ebenso treten nach Nervendurchschneidungen umschriebene scharf umgrenzte Läh- mungen einzelner Chromatophorenbezirke auf, was gegen ein kontinuierliches Nerven- netz spricht. Immerhin könnte man gegen diese Beweisführung Hofmanns den Einwand erheben , daß bei der Isolierung der einzelnen Hautnervenstämmchen zweifellos eine Reihe von Fasern durchrissen worden sind, welche eventuell die bei der Reizung des Nervenstammes nicht miterregten Felder innervieren, so daß also die Inselbildung, auf die gerade Hofmann großes Gewicht zu legen scheint, doch nicht so strikte beweisend ist, wie er annimmt. Daß dennoch gewisse nervöse Verbindungen zwischen einzelnen Cbromatophorenbezirken bestehen, geht aus Fig. 10. Fig. 9. Fig. 9. Nervenfasern , welche an einer Radiärfaser entlang laufen. (Nach Hofmann.) Fig. 10. Guirlandenförmige Nervenschlingen an den Radiärfasern von Loligo vulgaris. (Nach Hofmann.) einem anderen Versuche Hofmanns hervor. Tetanisiert man die Haut einer bereits abgestorbenen Loligo, bei der die Reizung des isolierten Nerven keinen Erfolg mehr hat, so zeigt sich gleichfalls Expansion der Chromatophoren in bestimmten Hautbezirken und in weit davon entfernten Inseln. Hofmann deutet diesen Versuch so, daß jedes Neuron gesonderte Nervenendnetze bildet. Es scheint, als würde dieser letzt- erwähnte Versuch den oben er- hobenen Einwand widerlegen. Aber doch nur scheinbar , denn bei der komplizierten geflechtartigen Anord- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1225 nung der Nervenfasern in der Haut sind Mitreizungen von in der unmittelbaren Nach- barschaft verlaufenden Fasern für entferntere Chromatophorenbezirke keineswegs aus- geschlossen. Endlich hat Hofmann die Meinung ausgesprochen , daß die normale Zeichnung, z. B. das Auftreten der Augenflecke am Rücken, sowie der Querbänder auf getrennte Inaervationsbezirke hinweise, denn diese Zeichnungen sind nicht allein durch die Anordnung der Chromatophoren bedingt, sondern sie sind im wesent- lichen auf eigenartige zentrale Innervation zurückzuführen. Wenn auch Medianlinie des Rückens Fig. 11. Grenzen der Innervationsbezirke von vier Hautuerven, Sepia ofßcinalis. {Nach HOFMANN.) die Bedeutung der Innervation für das Zustandekommen der normalen Zeichnung zweifellos nicht unterschätzt werden darf, so scheint doch die Anordnung und Form der Pigmentzellen selbst nicht ohne wesentliche Bedeutung für das Zustandekommen der Zeichnung zu sein. Zum Schluß unserer Betrachtungen über die Morphologie der Chromatophoren soll eine Uebersicht über die Entwicklungsgeschichte dieser Gebilde gegeben werden, zumal auch viele wichtige physiologische Beobach- tungen an embryonalen Chromatophoren angestellt worden sind, und manche anatomi- schen Einzelheiten an sich entwickelnden Chromatophoren besser beobachtet werden können als an den fertigen Gebilden, worauf schon mehrfach hingewiesen wurde. Die ersten Beobachtungen über die Entwicklung der Chromatophoren der Cephalo- poden verdanken wir Kölliker (47), der ihr Auftreten bei Sepia und Loligo sagit- tata erst gegen das Ende des Embryonallebens beobachtet hat, zu einer Zeit, wo der Embryo und der Dottersack ungefähr gleich groß sind. Es sind runde oder länglich- runde membranlose Zellen, die einen blasseren zentralen Teil zeigen, während die Peripherie durch gelbe Körnchen gefärbt ist. Die größten der vorhandenen Zellen sind violett oder rotbraun. Bei Loligo treten die Pigmentflecken nicht so zahlreich auf wie bei Sepia, sondern ganz vereinzelt und wie es scheint, in ganz bestimmter Reihenfolge; sie sind am zahlreichsten auf der Dorsalseite des Mantels, am spär- lichsten an jedem Arm des ersten Paares. Kölliker nimmt eine pigmentfreie Vorstufe der Zellen an, in die sich erst später Pigmentkörner ablagern. Bei den ältesten untersuchten Embryonen konnte Kölliker bereits Bewegungen der Chromatophoren beobachten. An noch früheren Embryonalstadien hat Grenacher (32) die Chromatophoren als erstes Differenzierungsprodukt der Blastoderinzellen gesehen. Es sind sternförmige, zunächst noch karminrot, später dunkler gefärbte Zellen, deren Farbstoff aus dem Dotter stammen dürfte. In Uebereinstimmung mit 1226 R. F. Fuchs, KöLLiKER hat auch Grenacher beobachtet, daß die Chromatophoren sich an den Armen viel später differenzieren als am Mantel. Klemensiewicz (46) hat bei noch im Ei befindlichen Embryonen von 2 bis 2,5 mm Länge bereits sich be- wegende Chromatophoren beobachtet. Das zeitlich verschiedene Auftreten sowie die Anordnung der embryonalen Chromatophoren wurde außer von den bereits ge- nannten Autoren noch voq Pouchet (62), Samassa (70), Joubin (4.3), Phisalix (59), sowie Solger (71) eingehender beschrieben, wobei zu bemerken ist, daß das von Phisalix (59) erwähnte späte Auftreten der Chromatophoren zum mindesten nicht für alle Cephalopoden gilt. Die Frage nach der Herkunft der Chromatophoren wurde zuerst von GiROD (31) eingehend behandelt, welcher die Chromatophoren als mesodermale Gebilde ansieht. Gegen diese Anschauung hat aber Joubin (43), wie Siemenz (zit. nach Solger, 71) einen ektoder malen Ursprung der Chromatophoren vertreten, und sie beschreiben an Präparaten von Argonatäa und Octopus eine Einwanderung der Chromatophoren aus dem Ektoderm in Form von Einstülpungen in das Meso- derm. Die akzessorischen Teile der Chromatophore, insbesondere die Radiärfasern läßt auch Joubin aus dem Mesoderm entspringen. Aber von allen späteren Forschern, Phisalix (59), Faussek (22), Solger (71), Rabl (63) und Chun (16) ist die voll- ständige Haltlosigkeit der JouBixschen Auffassung erwiesen worden, so daß der mesodermale Ursprung der Chromatophoren als endgültig bewiesen anzusehen ist. Trotzdem KLEME^fSIEWICZ (46), Phisalix (59) sowie auch Solger (71) manches interessante und richtige Detail über die Chromatophorenentwicklung beobachtet haben, so konnten ihre Beobachtungen doch keine genügende Aufklärung über diesen Prozeß geben, da die drei genannten Autoren durch die Annahme der zelligen Hülle, coUerette, ihre mikroskopischen Bilder mit dieser Annahme in Einklang zu bringen suchten. Trotzdem die Untersuchungen von Phisalix (59) sehr umfangreich, aber leider sehr wenig klar sind, wie Rabl (63) mit Recht betont, kann ich über ihre Spezialangaben hinweggehen und mich vor allem an die sehr sorgfältigen Beobach- tungen von Rabl (63) und die neuesten Untersuchungen von Chun (16) halten, die, wie wir sehen werden, noch manche prinzipiellen Gegensätze aufweisen. Die Be- obachtungen Rabls (63) beziehen sich auf Embryonen von Loligo vulgaris und Sepia offieinalis. Das erste Zeichen, durch das sich die zukünftige Chromatophore bei Loligo von den Bindesubstanzzellen unterscheidet, ist die Größe der Zelle und des Kernes. Später wird die Zellmembran gebildet und in einem folgenden Stadium erscheinen erst die Pigmentkörnchen, die kein flüssiges Vorstadium zu besitzen scheinen, sondern sofort als feste Körperchen erscheinen. Bei Embryonen von S'/a mm Länge waren bereits alle Teile der fertigen Chromatophore angelegt, hier sind sogar schon die Radiärfasern vorhanden. Bei Sepia sind erst bei 4 mm langen Embryonen unter den Mesodermzellen der Rückenhaut solche zu erkennen, die ihrer Größe und dem Kerne nach als Anlagen der Pigmentzellen anzusehen sind. Bei 5 und 6 mm langen Embryonen kann man durch Eosinnachfärbung der Eisenhämatoxylinpräpa- rate die Zellmembran bereits darstellen. Später erscheint das Pigment, doch hängt sein Auftreten nicht direkt von der Größe der Zellen ab, da kleinere Zellen pigmenthaltig sein können, während größere noch frei davon sind. Am häufigsten scheint das Pigment einen großen zentralen Hohlraum einzuschließen, doch ist zwischen Pigmentlage und Zellkapsel ein deutlicher Spalt zu sehen. Nur selten füllt der Pigmentkörper die Kapsel vollkommen aus, doch glaubt Rabl, daß der zentrale Hohlraum der in vivo vorhandene Zustand sei, während die kompakte Form, sowie die gelegentlich zu beobachtenden Uebergangsstufen zu ihr als Schrumpfungserscheinungen im Präparat aufzufassen sind. Bei Embryonen von Dez' Farbenwechsel vind die chromatische Hautfunktion dei- Tiere. 1227 8 mm, die das voranstehende Verhalten zeigen, ist auch die erste Anlage der Radiärfasern vorhanden, indem sich eine Reihe typischer Mesodermzellen, welche noch keinen besonderen Charakter haben, der Chromatophorenmembran an- lagern. Die Kerne dieser Zellen sind tangential zum Pigmentkörper gelagert. In anderen Fällen sind die Zellen mehr kubisch und entsenden in radiärer Richtung mehrere kurze, zarte Ausläufer, womit die Umwandlung der Mesodermzelle in eine Muskelzelle eingeleitet ist. Bei 17 mm langen jungen Tieren sind zwar schon zahlreiche, große, dunkel- pigmentierte Chromatophoren vorhanden, doch überwiegen noch die Entwicklungs- stadien, unter denen viele noch unpigmentierte Zellen sich finden. Die postembryonale Entwicklung der Chromatophoren unter- scheidet sich in mehreren Punkten von der embryonalen. Vor allem zeigen die post- embryonal sich bildenden Chromatophoren, zu einer Zeit, wo bereits die Radiär- faseranlagen kenntlich sind, noch keine Zellmembran, aber auch hier erscheint die letztere früher als die ersten Pigment- . ablagerungen ; ferner zeigen postembryonal sich bildende niemals bläschenförmige, rk- sondern stets kompakte Chromatophoren eine homogene blaßgelbe Substanz in ihrer Mitte. Später tritt eine durchgreifende /^' Sonderung zwischen Pigment und Zell- '; ;?% Protoplasma auf, indem sich Pigmenttropfen js- ' • %%* oder -klumpen bilden, um welche das Proto- ^ plasma fast regelmäßig nur eine Mantel- Th-^ ^ j.^^ Schicht bildet, aus der sich eine stark licht- '-'' .^,- brechende Haut (innere Pigmenthülle) bildet, /^ so daß die Chromatophore zu der Zeit, in / ' " der sich die eigentliche Zellmembran bildet, Chr.K zwei Umhüllungen besitzt. Die innere» ,j Pigmenthülle verschwindet aber wieder, so- bald sich die homogene Pigmentmasse in Körnchen umgewandelt hat, die später Fig. 12. Sepia officinalis. Embryo- immer dunkler werden. Gewöhnlich er- l^^t ..^^'r''nF^''z'\ ^^'' i^^^nu^ ^'T „ , , ,. ... ^. T ., ., Radiarzelle, Chr.K. Kern der Chromato- folgt die primäre Pigmentbildung an einer pho,e, r,k. Kern der ßadiärfasern. (Nach Seite des Kernes, gelegentlich kann sie Rabl.) aber rings um den Kern auftreten. Die Pigmentkörnchen selbst bestehen aus einer farblosen aus dem Zellprotoplasma hervorgegangenen Grundsubstanz, welche der Träger des Farbstoffes ist. Auf diese kontraktile Grundsubstanz führt Rabl das aktive Zurückziehen der schein- bar homogenen Pigmenttropfen von der Plasmahaut zurück. Ebenso wie sich die Chromatophoren verschiedener Körper- regionen hinsichthch der Form, in der das Pigment auftritt, unterscheiden, so zeigen auch die sich entwickelnden Radiärfasern der Chromatophoren in der Kopf- und Rückenhaut wesentliche Verschiedenheiten, auf welche hier nicht eingegangen -werden soll. Dagegen muß als prinzipiell wichtig hervorgehoben werden, daß die Ver- mehrung der Radiärfasern nach Rabl durch indirekte Teilung erfolgt, indem sich an einzelnen Zellen Kernteilungsfiguren nachweisen lassen. Dagegen konnte Rabl niemals, weder bei Embryonen noch in jungen Chromatophoren er- wachsener Tiere innerhalb einer als Chromatophore erkennbaren Zelle Kern- teilungsfiguren beobachten. Sobald einmal sämtliche Bestandteile der Chro- matophore angelegt sind, besteht ihre weitere Entwicklung nur in einer gleichmäßigen 1228 R- 'P- Fuchs, Vergrößerung der betreffenden Gebilde, ohne daß dabei neuartige Erscheinungen, wie solche Phisalix (59) beschrieben hat, auftreten. Auf Grund seiner Untersuchungen an BolitaeMa kommt Chün (16) zu der An- schauung, daß die frühesten Entwicklungsstadien der Chrom atophoren allen früheren Beobachtern entgangen seien. Die Chromatophoren entwickeln sich aus den gallertig verquollenen Bindegewebszellen der Cutis, es sind verästelte Zellen mit großem Kern und Kern körperchen, welche ein dunkles feinkörniges Proto- plasma und eine dem Kern anliegende dunkle Sphäre mit kleinem zentralen Kern Fig. 13. Bolitaena. Jugendstadien der Chromatophoren mit Pseudopodien Kern und Sphäre, Scheidung in Ekto- und Endoplasma. (Nach Chun.) erkennen lassen. Die Umwandlung beginnt damit, daß sich von dem den Kern und die Sphäre enthaltenden Endoplasma ein Ektoplasma scheidet, von dem kurze Pseudopodien artige Fortsätze ausgehen, meist 9—14 an der Zahl, selten mehr oder weniger. An den sternförmig gewordenen Zellen tritt an den Fort- sätzen die Ausscheidung einer kontraktilen Substanz in zwei getrennten seitlichen Zonen längs jeder Faser auf. Auch an der Basis der Fortsätze scheidet sich kontraktile Substanz in Form eines Ringes ab, so daß zwei kontraktile Systeme vorhanden sind. Dann beginnt sich der Kern ohne Zellteilungs- figuren zu teilen, wobei Bisquit- oder auch Hantelformen zu beobachten sind. Bereits in frühen Stadien treten im Zellkörper zahlreiche stark lichtbrechende un- regelmäßig gestaltete Schollen auf. Die bereits zu erheblicher Länge ausgewachsenen zahlreichen Radiärfasern kommen mit feinen Nervenstämmchen in Kontakt und lassen an sämtlichen jungen Chromatophoren verschiedenes Verhalten zeigende Nervenendigungen erkennen. Meist geht das Ende einer Radiärfaser ohne scharfe Grenze breit in ein Nervenstämmchen über. Obgleich in dem Verhalten der Nervenanlagerung mancherlei Verschiedenheiten bestehen, so tritt doch niemals eine direkte Innervation des Pigmentkörpers auf, sondern nur der Radiär- fasern, von denen mindestens eine mit den Nerven in Beziehung tritt. Im Stadium von 12—16 Kernen zeigt die Zellmembran der abgeplatteten Zelle feine Runzelung ; an Stelle der vorerwähnten Schollen, die aufgelöst werden, tritt leicht gelbliches oder rötliches großkörniges Pigment. Die Kerne rücken später auseinander und ordnen sich kranzförmig in der Peripherie der Zelle an. Der schon früher vorhanden ge- wesene große, mit 1 — 3 Kernkörperchen versehene Kern bleibt im Zentrum der Zelle zurück. Die Zahl der peripheren Kerne nimmt noch weiter zu. Obgleich ihre Zahl schwankt, so werden doch meistens 28 gezählt. Im weiteren Verlaufe der Entwick- lung flacht sich die Zelle noch mehr ab, das feinkörnig gewordene Pigment erfüllt die der Körperoberfläche zugekehrte Seite der Zelle, während die untere Zellhälfte pigmentfrei bleibt. Die peripheren Kerne rücken allmählich in die zwiebeiförmige Anschwellung der unteren Zellhälfte hinein, welche sich in die Radiärfasern fortsetzt , die miteinander zahlreiche Verbindungen eingehen. Erst dieses Stadium hat Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1229 nach Chtjns Meinung den anderen Autoren vorgelegen. Die weitere Entwicklung bis zur funktionierenden Chromatophore besteht wesentlich darin, daß die ganze Anlage sich verbreitert und das Pigment bis in die peripheren Zellteile vordringt, ja zuweilen sich sogar in die Radiärfasern fortsetzt. Der Gegensatz zwischen oberer und unterer Zellhälfte verschwindet später wieder, der große zentrale Kern wird allseitig von Pigment umgeben. Auch die Anastomosen zwischen den Radiär- fasern verschwinden wieder, nur selten sind solche noch an ihren basalen Verbreite- rungen zu beobachten. Die einzelnen Radiärfasern sind durchaus unverästelt, auch lassen sich Verbindungen zwischen den Radiärfasern benachbarter Chromatophoren nicht nachweisen. Der prinzipielle Unterschied der Chun- schen Darstellung der Chromate phorenentwicklung gegenüber jener von Räbl ist dadurch charakterisiert, daß Chun die Radiärfasern direkt als Zellfort- Fig. 14. Bolitaena. Zweikerniges Jugendstadium der Chromatophore mit kon- traktilen Ausläufern, welche teilweise mit verbreiterten Enden auf das Nervennetz stoßen. (Nach Chun.) sätze der primären Pigmentzelle entstehen läßt und demnach die ganze Chromatophore als ein einzelliges sehr weit differenziertes Gebilde, etwa nach Art der höchststehenden Protozoen auffasst. Rabl hingegen sieht die Chro- matophore als ein vielzelliges Gebilde an, das sich durch die Entwicklung zu einem einheitlich funktionierenden Organ umwandelt. Es geht keines- wegs an, die RABLsche Darstellung durch die CHüNschen Beobachtungen als un- haltbar und widerlegt darzustellen, wie es van Rynberk (65) in seiner Zusammen- stellung getan hat. Solange die von Rabl an den embryonalen Radiärfasern be- obachteten Mitosen nicht als Kunstprodukte oder anderen Zellen zugehörig er- wiesen werden, ist die RABLsche Anschauung nicht widerlegt. Aber ebensowenig kann 1230 E. F. Fuchs, man sagen, daß Chuns Auffassung unrichtig wäre, die allerdings schon ziemhch hochdifferenzierten und spezialisierten Zellen weitgehende Entwicklungspotenzen zu- schreibt. Erscheinungen, die wir sonst an der Metazoenzelle eigentlich bisher nicht kannten. Wenn man aber bedenkt, daß die Chromatophoren bei den verschiedenen Cephalopoden arten nicht nur sehr weitgehende Formunterschiede auf- weisen, und daß auch in der Entwicklung mancher Gebilde, insbesondere in der der Eadiärfasern bei demselben Tier ie nach dem Hautbezirk, schon deutliche Unterschiede bestehen, worauf Rabl selbst hinweist, dann scheint es wohl das Naheliegendste, anzunehmen, daß der für Bolttaeua, einen gallertigen Tiefseecephalopoden, gefundene Entwicklungsmodus der ßadiärfasern nicht ohne weiteres für Sepia oder LoHgo, oder Octopus und Eledone zutreffen muß. Gerade bei so eminent variablen Gebilden wie den Chromatophoren wird wohl auch die Entwicklung keine so streng geregelte sein, daß ein einziger Bildungsmodus allein vorkommt. Fig. 15. BoUtaena. Junge Chromatophore mit großem zentralen Kern und 28 peripheren Kernen. Eadiärfasern zum Teil miteinander verbunden. Wabenförmige An- ordnung der Plasmastränge. (Nach Chun.) Als Schluß dieser Ausführungen über die Chromatophoreneutwicklung sollen auch noch einige Beobachtungen über die Rückbildung der Pigmentzellen angeführt werden. Bereits Samassa (59) sagt, daß die Chromatophoren wahrschein- lich nach einer bestimmten Zeit zugrunde gehen und durch nachrückende junge Elemente ersetzt werden. Genauer sind aber die Eückbildungsvorgänge meines Wissens nur von Eabl (63) studiert worden. Bei der Rückbildung der Chromato- phoren bilden sich aus der körnigen Pigmentmasse Ballen, zwischen denen Kerne in Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1231 großer Zahl verstreut sind. Vielleicht verschwinden auch die Radiärfasern, aber eine sichere Entscheidung darüber konnte Rabl nicht gewinnen. Die in der Chromato- phorenhöhle enthaltenen Kerne, welche wahrscheinlich von außen her in die Chromato- phoren eingedrungen sind, werden vollständig homogen. Auch das Stroma der Pigmentkörnchen verläßt die Höhle der degenerierenden Chromatophore und gelangt in das subepitheliale Bindegewebe und end- lich zwischen den Epithelzellen hindurch an die Oberfläche der Haut. Diese Ortsverände- rungen zeigen nicht nur entfärbte Pigment- körner, sondern manchmal auch noch pig- mentierte. Wir wenden uns nun dem Bau der Iridoeyten zu, jenen Gebilden, die den Hintergrund dar- stellen, auf dem sich der durch die Chroma- tophorentätigkeit bewirkte P'arbenwechsel ab- spielt. Außerdem sind die Iridoeyten auch jene Gebilde, denen die Tiere ihren Metall - glänz und das Schillern verdanken, durch die erst die ganze Pracht des Farbenspieles zur vollen Geltung kommt. Die erste Unter- suchung der Iridoeyten verdanken wir Brücke (10,11), welcher sie „Füttern'' genannt hat. Die von ihnen im auffallenden Licht erzeugten lebhaften Farben sind Interferenzfarben dünner Blättchen, wofür deren Glanz und Lebhaftigkeit spricht, sowie der Umstand, daß alle Farben dem dritten NEWTONschen Ring angehören, von rot bis violett. Am häufigsten treten auf: blau, meergrün, gras- grün und gelbgrün. Dagegen gelang es weder Brücke noch Boll, (9) im durchfallenden Licht die Komplementärfarben, der im auf- fallenden Lichte erzeugten Farben zu sehen, was Brücke auf die Kleinheit der Füttern zurückführt. Wohl aber hat H. Müller (55) gelegentlich das Auftreten der Komplementär- farben gesehen. Gegen die BRÜCKEsche Auf- fassung der Farben als Interferenzfarben hat nur PouCHET (62) Stellung genommen , in- dem er die Flittern für zu dünn hielt, um Interferenzen zu erzeugen , außerdem war ihm das Fehlen der Komplementärfarbe im durchfallenden Licht ein Grund gegen BrüCKEs Anschauung, und endlich behauptet er, wenn ich ihn recht verstehe, daß die Farben nicht einem NEWTONschen Ringsystem angehören, wie Brücke angibt, sondern verschiedenen. Pouchet glaubt deshalb, es handle sich bei den durch Iridoeyten bedingten Farbenerscheinungen nur um einfache Ab- sorptionserscheinungen. Die Iridoeyten bilden nach H. Müller (55), Boll (9) eine einfache zu- sammenhängende Schicht unter der Chromatophorenschicht der Haut, die von Jatta (42) bereits in das Unterhautzellgewebe verlegt wird. Manchmal vereinigen sie gich zu zahlreichen Gruppen und erzeugen einzelne be- sonders lebhaft perlmutterartig oder metallisch glänzende Punkte oder Flecke. Schon Fig. 16. Octopodide. Querschnitt durch die Haut. Zerfall von Chro- matophoren. Pigment in Klumpen geballt. (Nach Eabl.) 1232 K ¥. Fuchs, H. MÜLLER beschreibt bei Enoploteutltis die großen blauschillernden Punkte, welche aus zwei übereinanderliegenden kugeligen Körpern bestehen, welche im Innern teils strukturlose, teils bestimmt kompliziert strukturierte schillernde Massen enthalten. Diese Körper sind wohl zweifellos den Iridocyten zuzuzählen. Jedoch ist das Vor- kommen der Iridocyten keineswegs auf die Haut beschränkt, sondern in den Umhüllungen vieler Organe kommen verschieden geformte Iridocyten vor, so besonders im Tintenbeutel von Rossia dispar, ferner bei Loligopsis (H. Müller). Ferner hat Hensen (35) in der Argentea des Cephalopodenauges die Füttern be- schrieben. Keller (45) erwähnt ihr Vorkommen an der Innenseite des Mantels, ferner in den großen Aesten der Kiemenvene von Sepia, sowie an den Kiemen von Spirula. Die Iridocyten werden von H. Müller (55), Leydig (51), Boll (9), Keller (45), POUCHET (62), GiROD (31) übereinstimmend als kernhaltige Zellen von polyedrischer Form oder als unregelmäßige rhombische Täfelchen JrK. % 'P ¥ Fig. 17. Sepiola Rondeleti. Iridocyste mit paralell verlaufenden, faserigen Irido- somen. Jr.K. Kern der Iridocyste. (Nach Rabl.) beschrieben, deren Form wechselt. Die ganzen Zellen, ,, Plättchen" nennt sie z. B. Boll, bestehen wieder aus kleinen Fhttern oder Blättchen, ^ei Argonauta haben die Iridocyten nach Angabe von Keller (45) eine den menschlichen Blutkörperchen ähnliche Form. Die Einwirkung chemischer Agentien auf die Iridocyten wurde besonders von Pouchet (62) untersucht. In Glyzerin zerfallen sie in dünne unregelmäßige Scheiben, während Essigsäure unter Vernichtung der optischen Eigen- schaften eine Zerspaltung der Körperchen herbeiführt; in Natronlauge nehmen sie Blasenform an, dagegen verändern sie sich in MÜLLERscher Flüssigkeit nicht. Rabl (63) hat in seiner ausgezeichneten Arbeit die Histologie und Entwicklungsgeschichte der Iridocyten, die er „Iridocysten" nennt, sehr sorgfältig untersucht, so daß ich mich im weiteren an die Darstellung ßABLs halte. Bei Eledone sind die Iridocyten vielfach verzweigte Zellen mit einem zentral gelegenen Kern. Sowohl der Zell- körper als auch die Fortsätze sind erfüllt von zahlreichen walzen- und scheiben- förmigen Körperchen, die in zwei Reihen in den Zellen angeordnet sind und von Rabl „Iridosoraen" genannt werden. Die Zellen liegen in einer der Haut- oberfläche nahezu parallelen, kontinuierlichen Schicht, in der die Ausläufer Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1233 benachbarter Zellen miteinander anastomosieren. Ganz ähnlich sind die Iridocyten von Octopus gebaut, nur sind ihre zahlreichen Fortsätze plumper und die Iridosomen haben die Gestalt kurzer walzenförmiger Stäbchen. Die Iridocyten von Loligo sind regelmäßig begrenzte unverzweigte Zellen mit ovalen blättchenartigen regelmäßig angeordneten Iridosomen. Bei Sepiola sind die Iridocyten außerordentlich große glatte Zellen, in denen die Iridosomen meist nur in einfacher Schicht verteilt sind Die Iridosomen stellen gestreckte oder drehrunde geschlängelte Fäden dar, welche sich nicht teilen. Manchmal verkleben einzelne Fäden miteinander zu breiten Strängen. Die Fädchen besitzen die Fähigkeit, sich in wechselnder Anordnung zu grup- pieren, wodurch eine wechselnde Reflexion des Lichtes eintritt. Die Verschieden- artigkeit im Bau der Iridocyten, insbesondere der Iridosomen, ist für die betreffende Cephalopodenart ganz charakteristisch. Als selbständige histologische Elemente der Cutis können die Iridocyten erst bei Embryonen von 6—7 mm Länge nachgewiesen werden , wenn sich in ihnen Iridosomen entwickelt haben, die als kleine Körnchen oder auch in Fäden in den peripheren Teilen der platten Zellkörper liegen. Später verschmelzen die größer ge- wordenen Körnchen zu einer den Kern ringförmig umschließenden Masse, die zahl- reiche Fortsätze und Buchten zeigt. Bei Embryonen von 8 mm Länge treten nach einwärts von dem kompakten Ring neue winzige Körnchen und Fäden auf; die Iridocyten bilden in diesem Stadium bereits eine einschichtige Zellage. Bei 17 mm langen Sepien findet man am Kopfe bereits zwei bis vier Schichten großer Irido- cyten, die sich von embryonalen Zellen durch ihre Rotfärbung mit Hämatoxylin unterscheiden. Die Färbbarkeit ist in den verschiedenen Schichten eine verschiedene, indem die obere Schicht blau, die untere sich rot färbt. Die zuoberst gelegenen Zellen sind die kleinsten und jüngsten. Die Neubildung der Iridocyten aus Bindesubstanzzellen geht von der Oberfläche der Haut nach einwärts vor sich ; in den großen Iridocyten besteht der Inhalt aus zahlreichen manchmal staubförmigen Kügelchen, weshalb Rabl die Meinung vertritt, es könnte eine Zerkleinerung der Iridosomen stattfinden, zumal in den kleineren Iridocyten die Iridosomen Stäbchen- oder Fadenform aufweisen. C. Physiologie der Chromatophoren . I. Spontaner und reflektorischer Farbenwechsel. Der scheinbar spontane Farbenwechsel der Cephalopoden ist seit den ersten Beschreibungen des Aristoteles (2) stets von neuem bewundert und beschrieben worden und führte zu der An- nahme, daß dieses Farbenspiel dem Willen der Tiere unterworfen sei, wobei später unter dem mächtigen Einfluß der DARWiNschen Lehre der ganze Farbenwechsel zum Teil als Schutz-, zum Teil als Schreckfärbung gedeutet wurde. Aber bereits Aristoteles er- wähnt, daß die Tintenfische die Farbe der Steine des Grundes an- nehmen, um Fische zu täuschen und sie leichter fangen zu können. Der Entdecker der Chromatophoren, Sangiovanni (66), deutete den Farbenwechsel als Schreckfärbung. Aehnliche Anschauungen wurden vertreten von belle Chiaje (15), Seidlitz (70), Darwin (20), Kollmann (48), Fredericq (23), Klemensiewicz (46), Albini (1), Keller (45) u. a., wobei besonders auf die willkürliche Farben- anpassung an die Farbe des Grundes das Hauptgewicht gelegt worden ist. Aber gerade die letzten Arbeiten über diesen Gegenstand, die Untersuchungen von Steinach (72), sowie jene von Fuchs (29) haben gezeigt, daß es sich um gesetzmäßige Reflexe und nicht um willkürliche Farbenanpassungen handelt. Handbuch d. vergl. Physiologie. IJI, 1. 78 1234 R. F. Fuchs, Groß ist die Zahl von Beobachtungen, welche eine psychische und reflektorische Erregung der Chromatophoren dartun. Schon Wagner (78) hatte beschrieben, daß Octopus beim ruhigen Haften an der Wand des Bassins eine schmutzig-blaß gelbe Farbe aufweist, und bei Reizung ein lebhaft wechselndes Farbenspiel mit Auftreten dunkler Flecke zeigt. Diese Beobachtung wurde stets von neuem bestätigt. Von Fredericq (23) wurde beobachtet, daß Octopus vor dem Ausspritzen der Tinte ganz schwarz wurde und dann wieder grau. Hier handelt es sich um weiter nichts als um eine sehr starke reflektorische Erregung, da ja nur nach starken äußeren oder auch psychischen Reizen das Ausspritzen der Tinte im höchsten Stadium der Erregung erfolgt. Farbenänderungen bei der Orts- veränderung hat Phisalix (58) zuerst beobachtet. Steinach (72) beschreibt eingehend den Farbenwechsel der Tiere beim Ansaugen und Loslassen der Saugnäpfe als einen von ihnen ausgehenden Reflex. Um aus der großen Reihe von mehr oder minder gut fundierten Experimenten, welche den Einfluß der Psyche auf den Farben- wechsel zeigen sollen, nur einige zu nennen, seien die nachstehenden Angaben angeführt. Bereits Aristoteles (2) läßt die Cephalopoden aus Furcht erblassen und wechselndes Farbenspiel zeigen. Eine geradezu klassische und überaus fesselnde, farbensprühende Dar- stellung des Farbenwechsels unter dem Einfluß psychischer Erregungen, insbesondere während des Kampfes mit fremden oder auch Tieren derselben Art hat Kollmann (48) veröffentlicht ; während des Kampfes sind die Tiere intensiv dunkel gefärbt. Fredericq (23), Klemen- siEwicz (46) haben ähnliche Beobachtungen gemacht, indem die Tiere beim Anblick ungewöhnlicher Gegenstände, z. B. der er- hobenen Faust, sich dunkel färben. Hofmann (37) beschreibt sogar einen eigenen Schreckreflex bei Sepien, welche beim Erheben der Hand gegen das Tier oder sonstiger Aufregung eine deutliche Zebrastreifung zeigen. Noch weiter in der Differenzierung der psychischen Beeinflussung der Färbung geht Phisalix (58), nach seinen Beobachtungen werden Sepia und Sepiola aus Angst blaß, während Zorn eine dunkle Färbung hervorrufen soll. Gerade diese Versuche, welche eine psychische Verwertung opti- scher Eindrücke nahelegten, führten Klemensiewicz (46) dazu, den Einfluß des Auges auf den Farbenwechsel zu untersuchen, insbesondere nahm Klemensiewicz auf Grund von Versuchen mit Durchschneidung der Nervi optici an, daß die Farbenanpassung an die Farbe des Grundes reflektorisch vom Auge aus erfolge. Dieser Meinung schließt sich auch Phisalix (58) an, der hervorhebt, daß die vom Auge ausgelösten Reflexe besonders wirksam seien und beim blinden Tier fehlen. Gegen den Einfluß der Augen auf den Farbenwechsel hat sich insbesondere Steinach (72) ausgesprochen, indem er auf Grund seiner Versuche eine direkte Lichtwirkung auf die Chromatophoren annimmt, die nach den neuen Versuchen von Hertel (36) sowie Fuchs (29) zweifellos besteht, worauf bei Besprechung der Lichtwirkung näher eingegangen wird. Doch glaube ich hier schon sagen zu müssen, daß Steinach zweifellos den Einfluß der Augen bzw. optischer Reizung auf den Farbenwechsel der Cephalopoden viel zu sehr unterschätzt. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1235 Dagegen ist es ein großes Verdienst Steinachs (72), die reflek- torische Beeinflussung des Farbenwechsels der Cephalo- poden von den Saugnäpfen aus experimentell sichergestellt zu haben, Vermutungen, die bereits Harless (33) auf Grund allerdings nicht ganz einwandfreier Experimente ausgesprochen hat. Da Steinach die HARLESSsche Arbeit nicht zitiert, so scheint ihm Harless' Ver- such, mechanische Reizung der Saugnäpfe, unbekannt gewesen zu sein. Wohl aber mochten die bekannten Versuche Biedermanns (7) über den Einfluß von taktilen Hautreizen auf die Färbung von Fröschen Steinach den Gedanken nahegelegt haben, diese Frage auch bei Cephalopoden zu untersuchen, zumal Steinach beobachtet hatte, daß das lebhafte Farbenspiel i m M o m e n t d e s F e s t s a u g e n s auftritt. Nach Abtragen der Arme und Abschneiden der um dieMundöffnung angeordneten Saugnäpfe verlieren die Tiere {Octopus und Eledone) die Fähigkeit, ihre Farbe spontan zu wechseln; nach Abklingen der durch die Operation hervorgerufenen Erregung wird das Tier blaß, verdunkelt sich aber bei direkter mechanischer Hautreizung, jedoch nur so lange, als der Reiz selbst andauert. Behält das Tier nur einen einzigen Arm, 'dann bleibt die Fähigkeit, spontan die Farbe zu wechseln, erhalten, ja es genügt hierzu, einzelne Saugnäpfe an den Stümpfen der abgetrennten Arme stehen zu lassen. Es handelt sich also um eine reflektori- sche Beeinflussung der tonisch erregten Färbungszentra im Gehirn durch Erregung der zentripetal leitenden Nerven von den Saugnäpfen; die zentrifugale Bahn wird durch die motorischen Nerven der Radiärmuskeln dargestellt. Der spontane Farbenwechsel beruht nach Steinach auf einer graduellen Veränderung dieses Reflextonus infolge verschiedenartiger Hautreize. Beim Fest- saugen an groben Kies oder Gestein tritt eine fleckige Zeichnung auf, während beim Ansaugen auf feinkörnigem Sand das Tier gesprenkelt erscheint, während bei Untätigkeit des Saugapparates, so insbesondere beim Schwimmen die Tiere unauffällig graubraun sind. Dieses ge- setzmäßige Verhalten ist aber nur bei einer mittleren Lichtstärke zu konstatieren. Sobald jedoch eine stärkere Belichtung mit Sonnen- licht eintritt, dann reicht der von den Saugnäpfen ausgehende Reflex- tonus nicht mehr aus, es tritt dann die besondere Wirkung des Lichtes auf die Färbung noch hinzu. 3. Einfluß des Lichtes. Gelegentliche Beobachtungen über den Einfluß des Lichtes auf die Färbung wurden von verschiedenen Autoren angestellt; so erwähnt Sangiovanni (66), daß Belichtung des toten Tieres Chromatophorenbewegung auslöst, ferner führt Fredericq (23) an, daß Octopus im Lichte hell werde und im Schatten dunkel, und daß starke Belichtung eine eigenartige lähmende Wirkung auf die Pigment- zellen ausübe, indem die Bestrahlung des Kopfes mit dem durch eine Linse konzentrierten Sonnenlicht ein Erblassen der betreffenden Stelle hervorruft. Diese hellen Flecke bleiben längere Zeit bestehen; der Versuch wurde von Fredericq mehrfach mit dem gleichen Resultat wiederholt. Wie diese Beobachtung zu erklären ist, läßt sich zunächst nicht angeben, jedenfalls steht er im Widerspruch zu den umfang- reichen Beobachtungen von Steinach (72), Hertel (36) und Fuchs 78* 1236 R. F. Fuchs, (29), auf die weiter unten eingegangen werden wird. Auch Phisalix (61) beschreibt eine sehr deutliche und rasch eintretende Wirkung des Lichtes, indem Sepien in der Sonne sofort erblassen; diese Be- obachtung Phisalix muß eine grobe Täuschung sein, denn weder Steinach (72) noch Fuchs (29) konnten diese Angabe für Octopus und Eledone bestätigen, und Hofmann (39) hat bei Sepia keine aus- gesprochene Lichtwirkung gesehen. Umfangreiche systematische Versuche über den Einfluß des Lichtes auf die Färbung der Cephalopoden hat zuerst Steinach (72) angestellt; in seinen Versuchen hat sich sowohl direktes Sonnenlicht als auch diff'uses Tageslicht als außerordentlich wirksam erwiesen, wobei Steinach annimmt, daß es sich um eine direkte Erregbar- keit der Chromatophoren selbst durch das Licht handelt. Allerdings muß man Hertel (41) zustimmen, daß die STEiNACHschen Versuche diese Schlußfolgerung nicht exakt bewiesen haben, denn die direkte Lichtwirkung auf die Chromatophoren hat erst Hertel durch sehr eingehende exakte Untersuchungen zweifellos sichergestellt, auf die später eingegangen werden wird. Tiere {Eledone und Octopus), welche in einer dichtverdeckten Wanne abgeblaßt sind, werden bei Einwirkung des Sonnenlichtes in zweibis drei Sekunden lebhaft dunkel. Diese starke Färbung stellt gewissermaßen die Maximalleistung der Chromatophoren dar, sie dauert solange an, als die Strahlung einwirkt. Auch bei steilen Intensitätsschwankungen des diffusen Tageslichtes hat Steinach, wenn auch bedeutend schwächere, Färbungsunterschiede beobachtet; aber gerade gegen diese Versuche läßt sich ein auch bei den Versuchen mit Sonnenlicht zulässiger Ein- wand erheben, daß nämlich hier chemische Reizungen mit im Spiel waren. Schon Fredericq (23) fand, daß Luftmangel ein Erblassen der Tiere herbeiführt, während die Haut an der Luft stark dunkelt, die Beobachtung wurde sowohl von Hofmann (38), als auch Fuchs (29) bestätigt. Da Steinach in seinen Versuchen über die Wirkung des diff'usen Tageslichtes das Tier längere Zeit im Dunkeln hält, in- dem über das Aquarium eine mit Tuchpapier bekleidete Glasglocke gestürzt wird, so wird natürlich auch der Sauerstoffzu tritt zum Wasser verhindert, und das Erblassen des Tieres kann ebensogut durch den Sauerstoffmangel wie durch de^n Lichtmangel erfolgt sein ; beim raschen Abheben der Glasglocke hat dann sowohl das Licht als der Sauerstoff wieder freien Zutritt zum Wasser. Um zu beweisen, daß das Licht seine Wirkung direkt in der Haut entfaltet, exstirpierte Steinach (72) bei einigen Tieren die Augen oder durchschnitt die Nervi optici, um speziell die von Kle- MENsiEVi^icz u. a. vertretene Anschauung zu widerlegen, daß das Licht seine Färbungswirkung nur reflektorisch durch Vermittlung der Augen entfaltet. In der Tat zeigten die so geblendeten Tiere das gleiche Verhalten gegen Lichtreize wie normale Tiere. Dagegen zeigte sich nach Ausschaltung oder Zerstörung der cerebralen Färbungszentren eine bedeutende Herabsetzung der Licht- reaktion, woraus zweifellos hervorgeht, daß das Licht am nor- malen Tier seine Wirkung zum großen Teil reflektorisch unter Vermittlung der cerebralen Kolorationszentren entfaltet, wofür auch die Versuche von Fuchs (29) sprechen. Auch an isolierten Armen von Eledone und Octopus hat Steinach (72) die Beleuchtungsversuche mit dem gleichen Erfolg wiederholt. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfnnktion der Tiere. 1237 Wesentlich für die Auffassung, daß die Lichtwirkung eine lokale ist, sind die Versuche Steinachs mit partieller Beleuchtung der isolierten Arme, wo die Dunkelung nur oder fast nur auf die beleuchtete A r m p a r t i e beschränkt blieb. Endlich hat Steinach versucht, die Wirkung der Lichter von verschiedener Wellenlänge auf die Chroniatophoren zu er- mitteln, indem das Tageslicht durch farbige Glas- oder Gelatineplatten filtriert wurde. Dabei erwiesen sich die Strahlen des roten Lichtes als vollkommen wirkungslos, während grüne und blau grüne Lichter am stärksten wirksam sich erwiesen. Gerade diese Ueber- einstimmung der Wirksamkeit der Strahlenarten mit dem Maximum der Lichtintensität des Sonnenspektrums hätte Steinach dazu führen müssen, die In tensitätsun ter schiede der Beleuchtung bei mono- chromatischer oder wenigstens annähernd solcher Bestrahlung genau zu prüfen, eventuell auszuschalten, und hier setzt vor allem die sehr berechtigte Kritik Hertels (36) an den STEiNACHschen Versuchen ein. Aber bevor ich auf die Arbeit Hertels eingehe, muß noch eine Versuchsreihe Steinachs Erwähnung finden, weil ihr Autor sie für prinzipiell wichtig hält. Diese Versuche wurden an abgeschnittenen Armen ausgeführt, deren Nervenreizbarkeit auf den elektrischen Strom, sowie auch auf mechanische Reize erloschen war, und zwar mit dem gleichen Resultat wie an frischen Armen. Da in den Ver- suchen Steinachs chemische Reizungen nicht ausgeschlossen sind, und gerade nach den Untersuchungen von Hofmann und Fuchs die chemische Reizbarkeit der Chromatophoren nach Ausschaltung des Nervensystems erhöht erscheint, so möchte ich schon aus diesem Grunde diese Versuche Steinachs zum Beweise dafür, daß die Lichtwirkung ohne Vermittlung des Nervensystems erfolge, nicht für streng beweisend erachten, zumal nach den Beobachtungen von Fuchs (29) die Erregbarkeit der Chromatophoren durch Licht früher zu erlöschen scheint, als durch andere, besonders elektrische Reize. Erst Hertel (36) ist es gelungen, den einwandfreien Nach- weis zu führen, daß die Chromatophoren durch das Licht direkt erregt werden. Hertel untersuchte verschiedene Cephalopoden, Sepiola, Odopus, namentlich aber Loligo, mit ultraviolettem Licht von 280 fifi. blauen Strahlen von 440 /<« und gelben Strahlen von 558 ,«//, welche sämtlich gleiche Intensitäten hatten. Außerdem wirkten diese Strahlen nur auf einen ganz kleinen, eng umschriebenen Bezirk des Tieres, eine Mitbestrahlung der Augen war ausgeschlossen ; chemische Reizungen waren vermieden, da die Versuchstiere sich in mit frischem Seewasser durchströmten Gefäßen im verdunkelten Zimmer befanden. Die ultravioletten Strahlen erzeugten zunächst fast augenblicklich eine lokale E xpansion aller Chromatophoren, die sich aber schon nach kurzer Zeit auf das ganze Tier ausdehnte und eine Fluchtbewegung aus dem Strahlenbezirk hervorrief. Loligo zeigte alle diese Erscheinungen am stärksten. Bei Bestrahlung mit blauem Licht expandierten — namentlich an jungen Loligines be- sonders deutlich — zuerst die gelben Chromatophoren, welche anfänglich Pulsationen zeigten und dann immer länger dauernde Ex- pansionen aufwiesen; erst viel später beginnt die Reaktion der violett- roten Chromatophoren, während bei der Einwir4*ung der gelben Strahlen die violettroten Zellen zuerst reagieren. Eine 1238 R. F. Fuchs, Ausbreitung der Färbung auf das ganze Tier konnte niemals beob- achtet werden, ebensowenig Fluchtversuche, welche auf die Strahlen- wirkung zu beziehen gewesen wären. Die Wiederholung der Versuche an abgestorbenen Exemplaren, bei denen noch das Chromatophoren- spiel erhalten war, ergab übereinstimmende Resultate, nur erstreckte sich die Expansion nicht auf das ganze Tier und selbstverständlich fehlten die Fluchtbewegungen. Bei diesen Versuchen konnte auch konstatiert werden, daß eine länger anhaltende Bestrahlung mit ultraviolettem Licht die Chromatop hören gleich den übrigen Zellen abtötet. Auch weißes, unzerlegtes Licht, aus dem die ultravioletten Strahlen abfiltriert waren, ließ an toten Lo%o-Exemplaren stets die violettroten Chromatophoren früher ex- pandieren als die gelben. Exzidierte Hautstücke, deren Chromato- phorenschicht freipräpariert wurde, zeigten unter dem Mikroskop 'bei Bestrahlung mit den genannten Lichtarten ein übereinstimmendes Ver- halten, nur fehlte hier bei Anwendung des ultravioletten Lichtes die Ausbreitung der Expansion außerhalb des bestrahlten Bezirkes. Aber sowohl bei Bestrahlung mit ultraviolettem als mit gelbem oder blauem Licht ließ sich an den Pigmentkörnchen der expandierten Zellen eine zitternde Bewegung erkennen, sowie eine Strömung des Pigmentes nach dem Zentrum der Zelle zu. Die verschiedene Reaktion auf verschiedene Strahlenarten erklärte sich aus der verschiedenen Ab- sorption der Zellen für die einzelnen Strahlenarten, die mit dem ENGELMANNschen Mikrospektrometer genau gemessen werden konnte. Das von allen Zellen gleichmäßig stark, ja vollkommen absorbierte ultraviolette Licht von 280 i-i/n brachte deshalb an allen Zellen eine Expansion hervor, während die blauen Strahlen von 440 iti^i nahe dem Absorptionsmaxim um der gelben Zellen lagen, das sich bei 460 f(i^t befand. Daher wirkten diese Strahlen am intensivsten und raschesten auf die gelben Chro- matophoren. Die violettroten Zellen hatten ihr Absorptions- maximum bei 558 /n/n, also sehr nahe bei den für sie besonders wirksamen gelben Strahlen von 550 /.i/n. Die intensive Wirkung des ultravioletten Lichtes ist dadurch zu erklären, daß dieses Licht nicht nur von dem pigmenthaltigen Teil, sondern auch von dem übrigen pigmentfreien Teil des Plasmas aufgenommen wird, während die anderen Strahlen ihre Wirkungen nur durch das ab- sorbierende Pigment ausüben, dessen Vermittlerrolle zur Ent- faltung der Reizwirkung dieser Strahlen notwendig ist. Es wäre nun denkbar, daß die Chromatop horennerven durch die vom Pigment aufgenommenen Strahlen erregt würden, da pigmentierte Nervensubstanz, z. B. der Bauchstrang des Sipunculus, in der Tat durch Licht erregt werden kann. Aber durch A tropin ließen sich die Nervenendigungen lähmen und trotzdem erwiesen sich diese Strahlen von 280 in^i, 440 /v ^** Fig. 23. Elcdone, S'/j Tage nach Exstirpation des rechten Stellarganglions, dunkelung des Bassins. (Nach Fuchs.) Ver- Wir wenden uns nun zu den Versuchen über den Einfluß des Nervensystems der Arme auf die Färbung. Die Achsenstränge der Octopoden und Decapoden zeigen zwar einen etwas ver- schiedenen anatomischen Bau, aber bei beiden Unterordnungen be- stehen die Achsenstränge aus bestimmt angeordneten Ganglienzellen- anhäufungen und Nervensträngen ; zu diesem Nervensystem kommen noch die intramuskulären Ganglienzellenleisten sowie die Saugnapf- ganglien und endlich finden sich noch zerstreute Ganglienzellen im Stiel der Saugnäpfe bei den Decapoden. Die genaueren Angaben über die Anatomie dieser Nervensysteme hat V. Bauer (5) in seiner Einführung in die Physiologie der Cephalopoden übersichtlich darge- stellt. Die ersten Versuche über die Wirkung des Armnervensystems hat CoLASANTi (18) angestellt. Nach seiner Darstellung besteht der aus Achsenstrang des Armes einer Anzahl regelmäßiger Anschwel- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1273 lungen, den Ganglien, deren Zahl jener der Saugnäpfe entspricht. Die genauere Untersuchung hat aber ergeben, daß der Armnerv in seiner ganzen Ausdehnung mit Ganglienzellen besetzt ist, die be- stimmt angeordnet sind. Der Achsenstrang stellt ein bilateral sym- metrisches Zentralnervensystem dar, von dem die peripheren Nerven entspringen, welche nach Colasanti keine eingeschaltenen Ganglienzellen enthalten. Dieser letzteren Angabe widerspricht Steinachs (72) Be- obachtung, der in den peripheren Armnerven einzelne oder ganze Nester von Ganglienzellen beschreibt. Dagegen hat auch Steinach in der Chromatophorenschicht der Haut kei ne Ganglienzellen aufge- funden. Der Achsen Strang entspringt nach Klemensiewicz (46) aus dem Ganglion pedale, während der Mantelnerv aus dem Ganglion viscerale des Gehirns kommt. Die elektrische Reizung des Achsen Stranges abge- schnittener Arme bewirkt Kontraktion der Armmuskeln, Bewegung der Saugnäpfe, sowie Expansion der Chromatop hören; diese drei Reaktionen sind zwar konstant vorhanden, aber niemals gleich stark, indem bald die eine, bald die andere überwiegt. Diese Beob- achtungen Colasantis (18) sind von Klemensiewicz (46), Fredericq (23) sowie Steinach (72) und Hofmann (41) bestätigt worden, wobei letztgenannter Autor die Beobachtung machte, daß an frischen Arm- nerven schwächere Reize Bewegung hervorrufen, während Färbungs- effekte stärkere Reize erfordern. Die Wirkung verschiedener Stromstärken auf die Armnerven wurde auch von Fröhlich (26) untersucht; schwache Ströme erzeugen einen Anfangstetanus der Chromatophoren, mittelstarke Ströme bewirken Pulsieren und starke Ströme bewirken einen dauernden Tetanus, also andauernde starke Dunkln ng der Haut. Mit Hilfe der unipolaren Reizmethode hat V. ÜEXKüLL (76, 77) die Lage der koloratorischen Nervenbahnen näher bestimmt. Nach v. Uexküll (76) besteht der Achsenstrang aus drei voneinander gut abzugrenzenden Partien, nämlich zwei dor- salen Nervenbündeln und einem ventralen, welch letzteres von einer Ganglienzellenschicht umgeben ist. Die beiden dorsalen Nerven- bündel enthalten die koloratorischen Fasern für die ent- sprechenden Seiten der Armhaut. Bei Octopus überleben die kolora- torischen Nerven die übrigen motorischen Nervenfasern sehr lange, was bei Eledone nicht der Fall ist. Reizt man den freigelegten, an der Reizstelle nicht durchschnittenen Achsenstrang etwa in der Mitte eines Armes mit schwachen Strömen, so tritt eine Dunkel färb un g der Haut pur in der Peripherie auf, während die übrigen moto- rischen Effekte, Armbewegung und Saugnapfbewegungen, an beiden Enden des gereizten Armstranges zu beobachten sind. Daraus schließt V. Uexküll (77), daß die koloratorischen Nerven die ein- zigen Nervenstränge sind, die nur zentrifugal leiten und sich an keinerlei Reflexen beteiligen sollen. Die Versuche über die koloratorischen Wirkungen des Achsen- stranges stellen gleichsam ein Bindeglied zu den koloratorischen Funktionen des eigentlichen Zentralnervensystems im engeren Sinne dar, die wir nun in den folgenden Ausführungen erörtern wollen. Bevor wir aber darauf eingehen, ist es nötig, eine kurze Uebersicht über den anatomischen Bau des Zentralnervensystems zu geben. 1274 R. F. Fuchs, Das Gehirn stellt eine Reihe von Ganglien dar, welche den Oesophagus ringförmig umgeben, die Supra- und Subösophageal- portion, die jederseits durch eine vordere und hintere Kommissur miteinander verbunden sind. Die Subösophagealportion besteht aus drei symmetrisch gebauten Doppelgangiien, dem Brachialganglion, von dem die Armnerven entspringen, dem Pedalganglion, das die Trichter- nerven abgibt, und endlich dem Visceralganglion, aus welchem die Fig. 24. Uebersichtsbild des Nervensystems von Eledone moschata. Bg Bueeal- ganglion, 1.0 1 Zentralganglion, I.C, II.C 1. und 2. Cerebralganglion , Cg Kolorations- ganglion, Gib Ganglion intrabuecale , Go Gnnglion opticum, Hg^, Hg.^ 1. und 2. Herz- ganglion, Kg Kiemenganglion, ISn langer Stellarnerv, Mc Mantelkonnektiv (Mantelncrv), Sg Stellarganglion, Sn Stellarnerven, Vg Visceralganglion, V)i Visceralnerven. (Nnch Jatta.) Dei Earbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1275 Eingeweidenerven und die Mantelkonnektive kommen. Das Brachial- ganglion wird durch die vordere große Kommissur (vordere Seiteu- kommissur) mit der Supraösophagealportion verbunden, während die hintere große Kommissur an der Vereinigungsstelle von Pedal- und Visceralganglion eintritt. Die Supraösophagealportion besteht bei Eledone aus 6, bei Sepia aus 5 Ganglien. Bei Octopoden liegt am weitesten nach vorn das Buccalganglion (v. Uexküll, 77) oder Supraösophagealganglion (Dietl, 21), dann folgen die drei Zentral- ganglien und zwei Cerebralganglien, welch letztere den drei Zentral- ganglien aufsitzen. Aus dem oberen dickeren Stiel der hinteren Seitenkommissur entspringt der Tractus opticus. Außer diesen Ganglien kommen für uns noch einige weitere Ganglien in Betracht, nämlich die Ganglia optica, welche durch die Pedunculi oder Tractus optici mit der hinteren Seitenkommissur in \'erbindung stehen und ferner die Ganglia pedunculi, auch Kol oratio nsgan glien genannt, welche dem Tractus opticus mit einem kurzen Stiel aufsitzen, ferner die Stellarganglien, welche durch das Mantelkonnektiv (Mantelnerv) mit dem Visceralganglion verbunden sind und endlich die Ganglienstränge der Arme, deren Längskommissuren aus den Brachialgauglien des Ge- hinlen Fig. 25. Gehirn vuu Eledone vou der rechten Seite gesehen , Br Brachialganglion, Bu Buccalganglion , 1., 2., 3. Cent 1., 2. 3. Zentralganglion, I., II. Cer 1., 2 Cerebral- ganglion , Oe Oesophagu , P Pedalganglion, V Visceralganglion. (Nach Dietl und Magnus aus Bauee, Einführung in die Physiologie der Cephalopoden.) hirns entspringen. Erwähnt sei noch, daß dem Buccalganglion der Octopoden das Ganglion suprabuccale der Decap öden entspricht. Bezüglich der genaueren anatomischen und histologischen Details sei wiederum auf die Darstellung Bauers (5) verwiesen. In den vorhergegangenen Ausführungen war bereits vielfach da- von die Rede, daß die Eärbung unter dem Einfluß des Gehirns steht, ja sogar willkürlicher Farbenwechsel wurde vielfach angenommen. Die experimentellen Untersuchungen über den Einfluß des Gehirns auf die Färbung beginnen aber erst mit den gleichzeitigen Arbeiten von Fredericq (23) und Klemensiewicz (46). Fredericq (23) erwähnt, daß die Tintenfische im Leben eine mittlere Färbung aufweisen, weil die Chromatophorenmuskeln sich in einer tonischen Erregung befinden; das Tonuszentrum soll im unteren Schlund ring liegen, weil die Abtragung der Ganglien des oberen Schlundringes keine Veränderung der Färbung herbeiführt. Viel ge- nauer und umfangreicher sind die Untersuchungen von Klemensiewicz (46). Zuerst soll das Ergebnis der Reizversuche erwähnt werden. Reizung der Tractus optici (Klemensiewicz nennt sie Pedunculi optici) mit mittelstarken Induktionsströmen bewirkt eine Verdunk- lung der entsprechenden K ö r p e r h ä 1 f t e , ohne daß dabei eine Kontraktion der Haut und anderer Muskeln eintritt. Der gleiche Erfolg tritt ein bei obenÜächlicher nicht zu starker Reizung der mitt- 1276 R. F. Fuchs, leren Partie des Ganglion opticum. Senkt man aber die Elek- troden zu tief ein, so erhält man lebhafte Arm- und Mantelbewegungen. Dagegen hat eine oberflächliche Reizung der Cerebralgan glien keine Färbungseffekte; die nach tiefem Einstechen der Elek- troden zugleich mit Muskelbewegungen auftretenden Verdunklungen der Haut rühren von Reizungen des Ganglion pedale und viscerale, sowie der daraus entspringenden Nerven her. Die Reizung des Ganglion pedale hat Armbewegungen und Hautverdunklung, die des Ganglion viscerale Mantelbewegung und Verdunklung der Mantelhaut zur Folge. Auch Bewegungen und Färbung des Trichters kann durch Reizung des mittleren Teiles des unteren Schlundringes erzielt werden. Nach Durchschneid ung eines Pedunculus tritt bei schwacher elektrischer Reizung des anderen Pedunculus der Erfolg auf der gereizten Seite ein, bei starken Reizungen kommt D unkelfärb un g des ganzen Tieres zustande. Dagegen hat die Reizung des Ganglion opticum auf der durchschnittenen Seite keinen Erfolg, wohl aber die Reizung des zentralen Stumpfes oder der Schnittfläche des Pedunculus. Es ziehen somit alle vom Ganglion opticum ausgehenden koloratorischen Bahn en durch die Pedunculi. Eine quere Durch trenn ung des ganzen Schlundringes (von rechts nach links) in frontaler Rich- tung im hinteren Abschnitt des Ganglion cerebrale be- dingt Verlust des Farbenwechsels der hinteren Körperhälfte, wenn man nun von den Pedunculis oder einem anderen wirksamen Punkt der Gehirnoberfläche reizt. Dagegen zeigen unter diesen Verhältnissen die vordere Körperhälfte, nämlich Kopf, Arme und Trichter eine Dunkelung. Auf der vorderen Schnittfläche kann man die kolora- torischen Bahnen in der Nähe der Durchtrittsstelle des Oesophagus in der Höhe des Cerebralganglions auMnden. Auf der hinteren Schnitt- fläche liegen aber die koloratorischen Bahnen bereits in der Sub- ösophagealportion, denn die Reizung dieses Teiles in der Nähe des Oesophagusdurchtrittes bewirkt Dunkelfärbung und Muskelbewegung, während die Reizung der der Supraösophagealportion angehörigen hinteren Schnittfläche keinen Erfolg aufweist. Verlegt man den Schnitt weiter nach vorn, also vor oder an die vordere Grenze des Cerebralganglions, so kann man die vordere Körperhälfte von der sonst wirksamen Reizung der Pedunculi und des Ganglion opticum ausschalten. Bei intaktem Zentralnervensystem führt eine schwache elektrische Reizung der Pedunculi und Ganglia optica in der Nähe der Ganglia pedunculi eine totale Expan- sion der Chromatop hören des gesamten Tieres herbei, ohne daß andere Reizerfolge, z. B. Muskelbewegungen, mit auftreten, so daß an diesen Stellen ein koloratorisches Zentrum gelegen ist. Durchschneidet man einer Eledone beide Pedunculi, so wird das Tier nach einer vorübergehenden Dunkelfärbung (direkte Reiz- wirkung des Schnittes) mittel hellgrau. Diese Tiere haben nach Klemensiewicz die reflektorische Farbenänderung auf Lichtreize verloren, sie passen sich auch nicht mehr der Farbe des Grundes an, dagegen ist die reflektorische Verdunklung der Tiere nach direkter Hautreizung noch vorhanden. Klemensiewicz schließt aus diesem Versuch, daß durch die Durchschneidung der Pedunculi nur jene koloratorischen Bahnen unterbrochen worden sind, welche vom Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1277 Auge ausgehende Chromatophorenreflexe vermitteln. Endlich sei noch erwähnt, daß die koloratorischen Bahnen in den Ganglia optica, in bestimmten Teilen der Pedunculi und im mittleren und oberen Teil der Commissura optica noch gut isoliert sind. Erst auf der Bahn durch den Schlundring zu den verschiedenen peripheren Nerven mischen sich den koloratorischen Bahnen motorische Fasern zu. Zu wesentlich anderen Resultaten ist Phisalix (58, 61) gekommen. Da seine Versuchsergebnisse weder mit denen von Klemensiew^icz noch mit jenen von v. Uexküll, auf die später eingegangen werden wird, übereinstimmen, so wäre eine Wiederholung der Versuche von Phisalix sehr erwünscht, zumal auch seine Darstellung der Versuche nicht übermäßig klar erscheint, vor allem schon deshalb, weil die einzelnen Gehirnabschnitte, an denen die Durchschneidungs- und Reiz- versuche vorgenommen wurden, nicht genügend genau anatomisch präzisiert werden. Auch Phisalix (58) verlegt die Kolorations- zentren in die S chlund ganglien. Die Zerstörung der hinteren Lappen der unteren Schlundganglien hat Erblassen des ganzen Körpers zur Folge, aber das Ganglion selbst ist kein Ohromato- phorenzentrum, sondern die koloratorischen Bahnen ziehen nur durch dasselbe hindurch. Die Zerstörung des Mittellappens führt zu einer vollkommenen Lähmung der Chromatophoren , Halbseitendurchschneidung dieses Lappens bewirkt eine Lähmung der Chromatophoren auf der gekreuzten Körperhälfte. Der vordere Lappen enthält keine koloratorischen Zentren. Eine oberflächliche Verletzung der oberen Schlund ganglien läßt gleichfalls keine koloratorischen Effekte erkennen, dagegen zeigt eine tiefe Verletzung, Einstechen eines glühenden Eisens durch die Cerebralganglien bis zum Nervus opticus, eine vollständige Lähmung der Chromatophoren der gleichen Seite. Reizung der Cerebralganglien mit schwachen Strömen führt manchmal zu einer sehr starken Blässe des Tieres, dagegen bedingt einseitige Zerstörung dieses Teiles eine bleibende Expansion der Chro- matophoren der gekreuzten Seite, so daß Phisalix (61) in den Cerebralganglien Hemmungszentren erblickt. Auf Grund der letzterwähnten Beobachtung hat Phisalix die Frage nach der Existenz der Hemmungszentren weiter untersucht und findet, daß Reizung der Pedunculi optici und Ganglia optica mit schwachen faradischen Strömen ein Erblassen derHaut hervorruft, ja bei ermüdeten oder erschöpften Präparaten tritt auch bei Anwendung starker Ströme, die sonst eine Verdunklung bewirken, Erblassen auf. Die gleiche Hemmung ist auch bei schwacher Reizung der Nervi und Ganglia optica zu erzielen oder durch starke Reizung nach vorausgegangener Ermüdung dieser Teile. Sehr charakteristische Folgen soll die Abtragung der Cerebral- ganglien und seiner Verbindungen mit dem unteren Schlundganglion nach sich ziehen. Nach Durchtrennung der rechten Seite wird das Tier auf dieser Seite blaß, aber diese Blässe verschwindet, wenn die linke Seite der Cerebralganglien gleichfalls durchtrennt wird. Nach einigen Stunden zeigen diese Tiere eine sehr starke Erhöhung der reflektorischen Erregbarkeit der Chromatophoren, indem bei leichter Berührung der Haut eine maximale Expansion der Chromatophoren auftritt. Aus allen Versuchen schließt Phisalix, daß die Cerebral- ganglien eine wesentliche Rolle beim Erblassen des 1278 K. F. Fuchs, Tieres spielen; sind sie vollkommen durclitrennt, dann tritt auch bei Reizung des zentralen Stumpfes des Mantelnerven oder der Pedunculi optici das sonst von Phisalix beobachtete Erblassen nicht mehr ein. Die Hemmungszentren können sich gegenseitig vertreten, denn solange ein Hemmungszentrum intakt ist, breitet sich der „Blässereflex" auf das ganze Tier aus. Allerdings kann bei ein- seitiger Verletzung der Reflex auf die verletzte Seite beschränkt bleiben, sobald aber starke Reize einwirken, greift er auch auf die andere Seite über. Eine besondere Stellung nehmen die Chromatophoren der soge- nannten Augenflecke ein, die besonders bei Se2na als dunkle Flecke der sonst blassen Mantelhaut des Rückens erscheinen. Die Chromatophoren der Augenflecke sollen nach Phisalix unter der Herrschaft eigener, im ü b i- i g e n unabhängiger Zentren stehen, welche mit den Pedunculi und Ganglia optica Beziehungen haben; denn Abschnürung der Ganglia optica läßt die Augenflecke auf der verletzten Seite sofort hervortreten, die dann dauernd be- stehen bleiben. Dagegen hat eine Durchschneidung der Pedunculi eine dauernde Blässe des Augenfleckes der verletzten Seite zur Folge. Es ist daher nach Phisalix das nervöse Zentrum der Augenflecke direkt beeinflußt durch das Sehorgan. Die in den Cerebralganglien gelegenen Hemmungs- zentren sind nach Phisalix unentbehrlich für das Gleich- gewicht und die Koordination der Chromatophoren, sie spielen eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Anpassung der Hautfärbung an die Farbe des Grundes, sowie bei der Färbung des ruhenden Tieres. Bei der großen Wichtigkeit der Angaben Phisalix' wäre eine exakte Nachprüfung dieser Befunde unbedingt notwendig, da manche Bedenken gegen die Arbeiten von Phisalix nicht zu unterdrücken sind. Endlich hat v. Uexküll (77) in einer Reihe von Versuchen an Eledone den Einfluß des zentralen Nervensystems auf die Chromato- phoren untersucht, wobei er in den meisten wesentlichen Punkten zu mit Klemensiewicz (46) übereinstimmenden Resultaten gelangt ist. Nach Durchschneidung der Brachialgan glien werden die Arme blaß, nach Durchschneidung der Pedal gan glien die Arme, ein ent- sprechender Anteil des Kopfes und des Trichters und endlich nach Durchschneidung der Visceralganglien der Mantel. Halb- seitige Durchschneidung der betreifenden Ganglien bedingt Erblassen der entsprechenden Körperabschnitte auf der operierten Seite. Die tiefe Durchschneidung der beiden hinteren Kom- missuren führt ein Erblassen des ganzen Tieres herbei, während einseitige Durchschneidung nur zu Erblassen der zugehörigen gleich- seitigen Körperhälfte führt. Dagegen hat Reizung des peripheren Stumpfes eine Dunkelfärbung zur Folge. Die vordere Kommissur und das Buccalgan glion enthalten keine koloratorischen Bahnen oder Zentren, denn Reizung oder Durchschneidung dieser Gebilde hat keine Färbungseft'ekte zur Folge. Es verlaufen demnach alle koloratorischen Bahnen durch die hintere Kom- missur. Das nach einer tiefen Durchschneidung der hinteren Kom- missur unterhalb des Eintrittes des Pedunculus auftretende Erblassen ist ein dauerndes. Die Reizung der Zentralganglien auf der gesunden Seite hat eine tiefbraune Färbung dieser Seite zur Folge, Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1279 die gleiche Färbung dieser Seite tritt aber auch auf, wenn mau die Zentralganglien der operierten Seite reizt, demnach hat das Zentral- ganglion außer seiner gleichseitigen auch noch eine gekreuzte Wirkung, welch letztere im Visceralgangiion nicht vorhanden ist. Am leichtesten sind Färbungsreflexe vom Ganglion pedunculi zu er- zielen, von dem aus keine Bewegungen ausgelöst werden. Auch vom Ganglion opticum wird allerdings nach starker Reizung Dunkelfärbung der Haut bzw. entsprechenden Körperhälfte erzielt, wobei Atem-, Schwimm- und Hautmuskelbewegungen mit auftreten. Die Opticus fasern sollen nach v. Uexküll sowohl Färbungs- ais Entfärbungsfasern für das Auge enthalten, jedoch sind die diesbezüglichen Versuche von v. Uexküll keineswegs einwandfrei. Endlich hat v. ÜEXKtJLL einen eigenen feinen Kolorationsnerven für die Iris beschrieben, der mit dem Pedunculus zum Ganglion opticum tritt, und dessen Reizung eine Braunfärbung der Iris ergibt. Aus der Darstellung über die Kolorationszentren können wir heute wohl bereits mit Sicherheit sagen, daß solche vor allem in den Ganglia pedunculi und in den Zentral ganglien gelegen sind, ob es aber im Gehirn Entfärbungszentren gibt, wie sie auf Grund der Versuche von Phisalix (61) anzunehmen wären, ist noch eine offene Frage, weil, wie bereits gesagt, die Versuche von Phisalix aus mehrfachen Gründen einer Kontrolle dringend bedürfen. 10. Der Tonus der Chromatophoren. Den Schluß dieser Ausführungen über die Physiologie des Farben- wechsels der Cephalopoden soll eine Betrachtung über den Tonus der Chromatopho ren bilden, nachdem die Tonusfrage gerade durch die neuesten Arbeiten von Hofmann (38, 39), Fuchs (29) und Fröhlich (26) in den Vordergrund des Interesses und der Diskussion gerückt worden ist. Es ist schon mehrfach daraufhingewiesen worden, daß P. Bert (6) zuerst eine tonische Erregung der Chromatophoren annahm, und daß Fredericq (23) diesen Tonus als einen vom Zentralnervensystem ausgehenden ansah, der bewirkt, daß die Chromatophoren beim unerregten lebenden Tier in einem mitt- leren Expansionszustand sich befinden. Dieser Meinung schließt sich auch Phisalix (61) an, ebenso Rabl (63) und Chun (16), nur hält der letztere den jeweiligen Expansionszustand für die Resultierende ■der tonisch erregten Radiärmuskeln und ihrer Antagonisten , den Bogenfasermuskeln , während Phisalix und Rabl in den elasti- schen Kräften der Zelle die Antagonisten der Radiärfasern er- blicken. Eine wesentlich andere Anschauung über das Zustande- kommen des Tonus der Chromatophoren vertritt hingegen Steinach (72), der ihn nicht als einen von den Zentren ausgehenden autogenen ansieht, sondern als einen durch die nervösen Zentralorgane vermittelten Reflextonus betrachtet, der durch zentripetal geleitete Erregungen ausgelöst wird, welche von den Saugnäpfen ausgehen, weil Verlust der Saugnäpfe den spontanen Farbenwechsel aufhebt. Eine neue Wendung erhielt die Tonusfrage durch die Beobachtungen Hofmanns (39), die von Fuchs (29) bestätigt worden sind ; die nach Nervendurchschneidung auftretende Blässe verschwindet wieder und macht e i n e r a 1 1 m ä h 1 i c h d u n k 1 e r w e r d e n d e n F ä r b u n g Platz. Da die Versuche von Hofmann und Fuchs bereits vorher 1280 R. F. Fuchs ausführlich besprochen worden sind, so kann hier von einer neuer- lichen Beschreibung der Versuche abgesehen werden, doch sollen noch einige dort nicht erwähnte Beobachtungen hier eingefügt werden. Wurde bei Tieren, denen vor einiger Zeit einzelne Hautnerven durchschnitten worden waren, und die an den betreffenden gelähmten Stellen bereits eine dunklere Färbung aufwiesen, der Mantelnerv der- selben Seite durchschnitten , so erblaßt die zugehörige Seite des Mantels mit Ausnahme der schon vorher dunkler gewesenen Stellen. Diese Wiederkehr der Färbung bezieht Hofmann (39) auf einen peripheren Tonus, der vom Zentralnervensystem unabhängig ist. Daß der Chromatophorentonus der gelähmten Seite nicht von der normal innervierten Seite ausgeht, beweist Hofmann durch folgenden Versuch. War bei Tieren nach vorhergegangener einseitiger Mantelnervendurchschneidung auf dieser Seite bereits der peripherogene Tonus der Chromatophoren ausgebildet, so wurde dann der andere Mantelnerv durchschnitten oder der Kopf des Tieres abgetragen; dann zeigte das Tier auf der frisch operierten Seite eine starke Blässe, während die bereits früher gelähmte Seite dunkel blieb. Als weiterer Beweis für die periphere Natur des Tonus wird hervorgehoben, daß alle nervenlähmenden Gifte den Tonus beseitigen. Li cht Wirkung soll nach Hofmann für das Zustandekommen des Tonus nicht in Frage kommen, weil im dunklen Bassin gehaltene Tiere auf der vor längerer Zeit ge- lähmten Seite immer dunkler sind als auf der normal innervierten Seite, ebenso sind Temperaturschwankungen des Wassers bedeutungslos. Die Ursachen für den peripherogenen Tonus der Chromatophoren sind nach Hofmann in erster Linie in Stoffwechsel Produkten des Tieres zu suchen ; denn Tiere, die sich nach der Operation in schlechter Verfassung befinden, zeigen einen stärkeren Tonus als sich wohl- befindende Tiere. Uebrigens sei hier noch bemerkt, daß der Tonus bei Sepia wesentlich stärker ausgebildet ist als bei den widerstands- fähigeren Arten, Eledone und Octopus. Die Hauptursache für das Zustandekommen des Tonus erblickt Hofmann in der expandierenden Wirkung des Sauerstoffes, obgleich ein gewisser Grad von Kohlendioxydvergiftung an der Aufrechterhaltung des Tonus mitbeteiligt zu sein scheint. Außerdem wirkt noch die gesteigerte mechanische und thermische Erregbarkeit auf der gelähmten Seite mitunterstützend. Wenngleich auch die Wichtigkeit der von Hofmann hervor- gehobenen Momente für das Zustandekommen der Färbung nach Nervendurchschneidung nicht in Abrede gestellt werden soll, so müssen wir doch fragen, warum wirken all diese Reize auf der gelähmten Seite stärker als auf der normalen? Denn die Tatsache, daß sie eine diesbezügliche stärkere Wirkung haben, ist noch keine genügende Erklärung für die stärkere Wirkung auf der gelähmten Seite. Da treten nun die Versuche von Fuchs (29) ergänzend ein, der nach- gewiesen hat, daß das Stellarganglion einige Zeit nach der Mantelnervendurchschneidung funktionsunfähig wird. Auf Grund der von Fuchs entwickelten Anschauungen, denen zufolge nach Ausschaltung des Stellarganglions hemmende Einflüsse wegfallen, ist sofort eine Erklärung für die stärkere Wirkung der von Hofmann angeführten Reize gefunden. Nur in einem Punkte bedürfen Hofmanns Ausführungen noch einer Abänderung, indem Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1281 das Licht, wenn es einwirken kann, sicher eine expandierende W i r k u n g auf die Chroniatophoren ausübt, also auch an dem Zustandekommen des sogenannten peripherogenen Tonus mitbeteiligt ist. Denn die Versuche von Fuchs haben die Licht- reaktion der Chroniatophoren auf der durch Mantelnervendurchschneidung gelähmten Seite vollkommen außer Zweifel gestellt. Das ist kein Widerspruch gegen Hofmanns Beobachtung, daß solche Tiere auch im Dunklen auf der gelähmten Seite stärker gefärbt sind als auf der normalen, denn unter den angegebenen Verhältnissen reichten eben die anderen Reize zur Aufrechterhaltung der dunkleren Färbung vollkommen aus. Haben wir nach dieser Auffassung des Zustande- kommens des sogenannten peripherogenen Tonus noch das Recht von Tonus zu sprechen? Wenn wir jeden dauernden Erregungszustand lebender Gewebe ohne Rücksicht auf den Mechanismus seines Zu- standekommens als Tonus bezeichnen, dann ist auch diese Bezeichnung für das in Rede stehende Phänomen berechtigt und wird durch die Hinzufügung des Wortes „peripherogen" genügend charakterisiert. Sobald wir aber den Tonus als eine ausschließliche Funktion des Nervensystems , insbesondere der Nervenzellen ansehen, dann wäre die Bezeichnung „Tonus" unzulässig, da es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um direkte Reizwirkungen auf die Chroniato- phoren handelt, welche nur infolge des Ausfalles hemmender Wirkungen des Nervensystems besonders deutlich in Erscheinung treten. Endlich hat Fröhlich (26) die Meinung ausgesprochen, daß der nach Abtragung oder Ausschaltung des Zentralnervensystems auf- tretende Tonus als Entartungsreaktion aufzufassen sei. Den Sitz des Tonus verlegt Fröhlich in ein hypothetisches Nervenend- organ, das zwischen den Nerven und den Chroniatophorenmuskeln gelegen ist. Fröhlich stützt seine Anschauung auf folgende Beob- achtungen. Der an abgetrennten Armen sich entwickelnde Tonus der Chroniatophoren (Dunkelfärbung der Haut) tritt schon kurze Zeit, oft schon nach einer halben Stunde nach der Amputation ein ; er tritt um so früher ein, wenn das Tier vorher geschädigt oder durch vorhergegangene Reizungen ermüdet war. Dagegen tritt der Tonus an Präparaten, welche gegen äußere Reize geschützt gehalten werden, erst mehrere Stunden nach der Abtrennung auf. Die Tonuszunahme ist eine „scheinbare Erregbarkeitssteigerung" infolge der vorangegangenen Schädigungen des Präparates. Frisch amputierte Arme von Octopus macropus zeigen zwar keinen Chromatoi)horen- tonus, wohl aber tonische Nachwirkungen nach elektrischer Reizung des Achsenstranges, indem die Chromatophorenexpansion die Reizung überdauert. Allerdings fehlt bei starken Reizen die tonische Nach- wirkung. Im Beginn der Tonusentvvicklung der Chroniatophoren- muskeln ist die faradische Reizbarkeit des Achsenstranges noch un- verändert, später dagegen erhöht oder vermindert. Zur Zeit, wo die faradische Erregbarkeit vermindert ist, ist die galvanische erhöht, sie erreicht ihr Maximum 4 — 8 Stunden nach der Amputation und nimmt dann ab. Am folgenden Tage ist die Nervenreizung bereits unwirksam, aber direkte mechanische Reizung löst bereits einen 'langdauernden Lokaleffekt aus; der Tonus erlischt bei Sauer- stoffmangel. Die nach Ausschaltung des Nervensystems sich an den Chromatophoren entwickelnde Entartungsreaktion ist eine Veränderung der Funktion infolge des Absterbens, der Ermüdung und anderer Handbuch d. vergl. Physiologie. III, i. 81 1282 E. F. Fuchs, Schädigungen. Fröhlich glaubt, daß unter normalen Verhält- nissen kein pcMip herer Tonus der Chromatophoren be- steht, und deshalb auch periphere Hemmungen keine Be- deutung haben, da unter normalen Verhältnissen die Hemmung der Chromatophorentätigkeit durch die von Phisalix entdeckten Hemmungszentren im Gehirn erfolgt. Nun sind aber die Phisalix- schen Hemmungszentren keineswegs nachgewiesen, so daß wir in unseren Erklärungsversuchen damit nicht rechnen können. Daß an abgeschnittenen Armen namentlich nach Schädigung oder Ermüdung der Präparate sich sehr bald der peripherogene Tonus einstellt, spricht keineswegs gegen die Bedeutung des Ausfalles von Hemmungen beim Zustandekommen der Bräunung, da vielleicht die in den Armen gelegenen Hemmungszentren rascher absterben als die Stellarganglien, oder es fehlen solche Zentren in den Armen überhaupt. Wenn gewisse Erscheinungen der Chromatophorenreaktion auch eine Aehnlichkeit mit der Entartungsreaktion darbieten, so ge- nügt das meiner Meinung nach noch nicht, den ganzen Vorgang, die Wiederkehr der Färbung nach Nervendurchschneidung als Entartungs- reaktion hinzustellen. Vor allem sprechen dagegen die Versuche von Fuchs (29). daß die Lichtreaktion bei nach der Mantelnervendurch- schneidung lange lebenden Tieren auf der gelähmten Seite fast normal wird. Es scheint doch, daß die Wiederkehr der Fär- bung am einfachsten als direkte Reiz Wirkung des Sauer- stoffes, des Lichtes, mechanischer, thermischer und chemischer Einflüsse auf die von allen Hemmungen befreiten Chromatophoren gedeutet werden kann. ö Literatur. Cep halopo den. 1. Älbini) G., Sui movimenti dei cromatofori nei cefalopodi. Rendiconti deW Accademia delle scieme ßsiche e matem. Sezione della Societa Reale di Napoli, Anno 24^ (1885). 2. Aristoteles, Historia animalium Lib. IV cap. 37. 3. 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Ann. des Sc. nat., T. 16 (1829). 68. — Des divers orders de couleur des Globules chromato2')hores chez plusieurs mollus- gues ce2)halopodes. Desc7'i2)tion de quelques esepces nouvelles et 2)urticidih'enient de l' Argoiiaute. Ebenda. 69. Saniassa, F., Bemerkungen über die Chromatophorcn der Ceplialopoden. Verliandl. d. naturhist.-med. Ver. zu Heidelberg, N. F., Bd. 5 (1893 — 97). 70. Seidlits, Georg, Beiträge zur Deszendenztheorie, Leipzig 1876. Der Farbenwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1285 71. Solgev, Sernh., Zur Kenntnis der Chromatophoi'en der C'ephalopoden nnd ihrer Adne.va. Arch. f. mikrosk. Anat. u. Entiv.-Gesch., Bd. 5S (1898). 72. Steinach) E., Studien über die HautfärlnnKj und über den Farbenwechsel der Cej)halo- poden. Arch. f. d. ges. Physiol. d. Menschen u. d. Tiere, Bd. 87 (1901). 73. — lieber die lokomotorische Fnnktion des Lichtes bei Cephalopoden. Ebenda. 74. V. UexTcüll, J,, Physiologische Untersuchungeh an Eledone moschata. Ztschr. f. Biol., X. F., Bd. 10, der ganzen Reihe Bd. 28 (1891). 75. — Idem. IL Die Reflexe des Armes. Ebenda, Bd. 12, der ganzen Reihe Bd. 30 (1894). 76. — Ldem. LLl. Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Erregung im Nerven. Ebenda. 77. — Idem. LV. Zur Analyse der Funktionen des Zentrulnervensystemes. Ebenda, Bd IS, der ganzen Reihe Bd. 31 (1895). 78. Wagner, Rudolf, Ueber das Farbensjnel, den Bau der Chromatophoren und das Atmen der Cep)halopoden. Lsis, 1833. 79. — Ueber die merkirürdigen Bewegungen der Farbenzellen (Chromatophoren) der Cephalopoden und eine mutmaßlich nette Reihe von Bewegungsphänomene7i in der organischen Natur. Arch. f. Naturgesch., Jahrg. 7 (I84I). 80. WaUleyev, W., Ueber die einfachsten Lebenserscheiniingen der Organismen. Verhandl. d. Ges. deutsch. JVuturf. u. Aerzte, 49. Vers, in Hainburg, 1876. 81. Yung, Etttile, Recherches experimentales sur l'action des poisons chez les cephalo- podes. Mitt. a. d. zool. Station zu, Neapel, Bd. 'S (1882). IV. Arthropoden. A. Einleitung. "Wie im vorhergehenden Abschnitt soll auch hier zunächst ein Ueberblick über die Entwicklung unserer Kenntnisse gegeben werden und in großen Umrissen jene Probleme gestreift werden, welchen die verschiedenen Forscher zu verschiedenen Zeiten ihr Augenmerk be- sonders zuwendeten. Da die größte Anzahl der Arbeiten über den Farbeuwechsel der Arthropoden sich auf die Klasse der Crustaceen bezieht, so sollen diese eingehend behandelt werden. Dagegen sollen die T räche aten in dieser Abhandlung überhaupt keine Berück- sichtigung finden, weil ich mich nur auf den durch Chromato- phoren bedingten Farben Wechsel beschränken will und bei den Tracheaten prinzipiell andere Verhältnisse vorliegen. Die ersten Forscher, welche ihr Augenmerk auf die Färbung der Crustaceen lenkten, begnügten sich damit, die Färbung im speziellen zu beschreiben und einzelne Farbenvarietäten besonders hervorzu- heben. Solche Beschreibungen finden sich in vielen alten systematischen und faunistischen Arbeiten (Pallas, 71), besonders aber in der ersten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts. So werden von H. Rathke in seiner Fauna der Krym (80) zahlreiche Farben- und Zeichnungs- varietäten von Crustaceen beschrieben, wobei er auch bereits die Veränderung des Pigmentes durch Alkohol erwähnt. Einige im frischen Zustand schwarzbraune Exemplare von Ästacus angulosus nov. spec. waren nach einem halben Jahr in Alkohol ockergelb geworden ; Astacus leptodactylus Escholtz. welcher graubraun und gelb gefärbt ist, wird in Alkohol zinnoberrot, ferner zeigen dunkelolivgrün und braun gefärbte Exemplare von Astacus pachypus nov. spec. in Alkohol eine Umwandlung ihrer Körperfarbe in Violett, an den Scheren in Rotbraun. Außerdem hat der gleiche Autor in seinen Beiträgen zur Fauna Nor- wegens (81) die verschiedenen Farbenvarietäten von Hippolyte varians 1286 R. F. Fuchs, Leach, Mysis flexuosa Lam., verschiedene Idotliea- und Janira-Arten sehr ausführlich beschrieben und abgebildet. Aehnliche Angaben enthält P. Rouxs Crustaceenfauna des Mittelmeeres (84). Besondere Aufmerksamkeit wurde den roten und blauen Farben Varietäten von Ästacus fluviatilis zuteil, wie die Publikationen von M. Focillon (15, 16), M. Lereboullet (49) sowie Valenciennes (95) zeigen. Speziell Lereboullet hat sich mit der mikroskopischen Struktur der verschieden gefärbten Pigmente befaßt und gibt an, daß die roten, blauen und grünen Pigmente keine gekörnten Pigmente, sondern gefärbte Oele seien, die in den feinen Kanälen der Kalk- schale eingeschlossen sind. Die blaue Farbe ist aber in besonderen runden Zellen vorhanden, auch das rote Pigment kommt manchmal in durchscheinenden Zellen vor. Ferner hat Lereboullet bereits eine Reihe mikrochemischer Reaktionen angestellt, indem er nachweist, daß der rote Farbstoff in Chloroform leicht, der blaue nur bei längerer Einwirkung gelöst wird; auch die Umwandlung der blauen Farbe in Rot nach Säi^reeinwirkung und Hitze ist ihm bekannt. Aehnliche Angaben über chemische Veränderung des blauen Pigmentes hatte bereits 1 Jahr früher Ad. Focillon (15) gemacht. Die Farben- veränderung (Rotwerden der Kiefergegend) während der Copula wurde zuerst von Valenciennes (93) beschrieben, der auch den Einfluß der Hitze, sowie von Alkohol und verdünnten Säuren, insbesondere des Magensaftes von Fischen an vielen Brachyuren, Astacus, Palaemon squilla und Cancer crangon studierte; sämtliche Agentien bringen eine mehr oder weniger lebhafte Rotfärbung hervor. Die erste Angabe über einen Farbenwechsel bei Crusta- ceen dürfte die Beobachtung von H. Kröyer (46) sein, daß die ge- wöhnlich smaragdgrüne Färbung von Hippolyte smaragdina (varians) rasch einem Grünlichblau Platz machte, als sie in ein gläsernes Ge- fäß gesetzt wurde. Eine genaue Darstellung der mikroskopischen Anatomie der Chromatophoren bei den Crustaceen, sowie eine Beschreibung der Chrom atophorenbewegung hat zum erstenmal der norwegische Forscher G. 0. Sars in seiner mir leider im Original nicht zugäng- lichen „Histoire naturelle des Crustacees d'eau douce de Norvege" (15) gegeben. Sars beobachtete, daß lebende Exemplare von Mysis flexuosa, welche frisch gefischt braun sind, in der Gefangenschaft blaß und durchscheinend wurden. Unter dem Mikroskop sah er von den „Pigmentkernen" aus strahlenförmige Verästelungen hervortreten, wo- durch das Tier innerhalb einer Viertelstunde so braun wurde, wie zur Zeit, als es gefischt wurde. Diese Farbenveränderung deutet Sars dahin, daß die Pigmentflecke in irgendeiner Weise dem Willen unter- liegen müssen. Eine wesentliche Vertiefung erfuhr die Lehre vom Farbenwechsel der Crustaceen erst durch die Arbeiten Pouchets (74 — 76). Der berühmte französische Forscher behandelt in seinen Arbeiten, auf die im speziellen Teil ausführlich eingegangen werden muß, die mikroskopische Anatomie der Pigmentzellen, welche er, wie schon früher erwähnt, Chromoblasten nennt und studiert ihre Form Veränderungen bei den verschiedenen Färbungs- zuständen des Tieres. Die den Farbstoff enthaltenden Zellen sind kontraktile Gebilde (sarcode), welche zwei aktive Phasen aufweisen, nämlich den Zustand der Expansion, in dem verzweigte Ausläufer ausgesendet werden, und den Zustand maximaler Retraktion, in dem Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1287 die Zellen sphärische Gestalt liabeu. Offenbar ist Pouchet, wenn er auch nicht ausdrücklich darauf hinweist, von den Anschauungen P. Berts über die Chromatophoren der Cephalopoden (s. Cephalo- poden) beeinflußt worden. Pouchet beschreibt ferner die verschie- denen Arten verschieden gefärbter Chromatophoren. Außer der Anatomie findet zum ersten Male die Entwicklung der Chro- matophoren bei Homarus, Crangon vulgaris und Palinurus eine eingehende Darstellung. Aber die in den Pigmentzellen im engeren Sinne vorhandenen Pigmente sind nicht allein das Untersuchungs- objekt, vielmehr richtet Pouchet sein Augenmerk auch auf die übrigen in den verschiedenen Zellen vorhandenen Farbstoffe und entdeckt eigentlich von neuem den diffus verteilten blauen Farbstoff derCrustaceen, welcher durch die ausführlichen Unter- suchungen von Keeble und Gamble (23, 39, 41) über die periodische Tag- und Nachtfärbung zu großer biologischer Bedeutung gelangt ist. Auch eine große Menge mikroskopischer Reaktionen über das Ver- halten der Farbstoffe wurden angestellt, insbesondere wurden die Be- ziehungen zwischen rotem Pigment und seiner blauen Modifikation untersucht, welch letztere Pouchet als ein Oxydationsprodukt oder wenigstens eine einfacher zusammengesetzte Stufe des roten Pigmentes ansieht. Nicht geringer sind die Ergebnisse der Arbeiten, in welchen Pouchet die Physiologie der Crustaceenpigmentzellen behandelt. Vor allem wird der Einfluß des Lichtes, hell und dunkel, insbesondere des Untergrundes, auf das Verhalten der Versuchstiere studiert mit dem Ergebnis, daß Garneelen, Pcdaemon, auf dunklem Grund ihre Chromatophoren expandieren, auf hellem retrahieren. Diese Farben- veränderungen faßt Pouchet als einen durch die Augen ver- mittelten Reflex auf und stützt seine Anschauung dadurch, daß er an Palaemon und Crangon die Augen abträgt und an diesen ge- blendeten Tieren eine Expansionsstellung der roten Chromoblasten erhält, die nunmehr durch keinen Wechsel in der Helligkeit des Untergrundes beeinflußt wird. Diese Beziehung zwischen Augen und Körperpigment sucht Pouchet auch noch durch eine Reihe von Be- obachtungen aus der vergleichenden Anatomie zu stützen, welche ihn dahin führen, die Ausbildung von Pigmenten in direkte Beziehung zur Entwicklung sehender Augen zu bringen. Da die Versuche über die Wirkung des Untergrundes die Beein- flussung der Pigmentzellen durch das Nervensystem dartun, so versucht Pouchet durch verschiedene Verletzungen des zentralen und peripheren Nervensystems auch die koloratorischen Nervenbahnen sowie Zentren zu erforschen und kommt zu dem Ergebnis, daß der Farbenwechsel durch Verletzungen der genannten zentralen Teile nicht beeinträchtigt wird, dagegen führt eine Verletzung der das Rücken- gefäß begleitenden Nerven bei Palaemon zu einer dauernden Expansion (Lähmung) der unterhalb der Durchschneidungsstelle gelegenen Nerven. Endlich hat Pouchet auch noch die Wirkung chemischer Ein- flüsse (Sauerstoffmangel bewirkt Expansion der roten Chromato- phoren) an Palaemon und Homarus, sowie die Wirkung von Alkaloiden studiert, von denen nur das Santonin einen sicheren Erfolg — Ex- pansion der Chromatophoren — hat. Diese letztere Tatsache sieht Pouchet wiederum als neuen Beweis für die Beziehung zwischen Körperpigment und Augen an. Wenn auch Pouchets Beobachtungen 1288 -R- F. Fuchs, und Schlüsse durch die späteren Beobachter in vielen Punkten ab- geändert werden mußten, so wird Pouchets Verdienst dadurch nicht gemindert, denn seine experimentellen Arbeiten sind die Grund- lagen gewesen, auf der die späteren Forscher fußten. Pouchet ist der Begründer der Physiologie des Farbenwechsels bei den Crusta- ceen. Einzelne Beobachtungen über den Farbenwechsel waren auch schon vor Pouchet gemacht worden. So teilt Darwin in seiner „Ab- stammung des Menschen" folgende Angabe von Fritz Müller (66) mit, der Beobachtungen über den Farbenwechsel einer brasilianischen Species von Gelasimus angestellt hat. Während das Weibchen gleich- mäßig gräulichbraun ist, ist beim Männchen der hintere Teil des Cephalothorax rein weiß, der vordere Teil dagegen saftgrün und zu dunkelbraun abgetönt. Diese Farben können sich leicht im Laufe weniger Minuten ändern, das Weiß wird schmutziggrau oder selbst schwarz, das Grün verliert viel von seinem hellen Glänze. Besonders hervorgehoben wird noch im Hinblick auf die Sexualselektion, daß die Männchen ihre glänzende Farbe nicht eher erhalten, als bis sie geschlechtsreif werden. 10 Jahre später hat Fritz Müller (67) seine Beobachtungen über den Farbenwechsel bei Krabben und Garneelen veröffentlicht, wonach die untersuchten südamerikanischen Arten Atyoidea potimifum, Palaemon potiporanga in gläsernen Ge- fäßen ihre dunkle Färbung verlieren und durchsichtig werden, wobei Palaemon ein blaues Uebergangsstadium aufweist. Seit dem Siegeszug der DARWiNschen Theorie ist bei allen Tieren, die einen ausgesprochenen Farbenwechsel zeigen, die Frage der An- passung an ihre Umgebung, die Schutzfärbung, immer wieder von neuem untersucht worden, zumal ältere faunistische Beschreibungen schon auf die Uebereinstimmung der Tierfärbung mit der Umgebung hinweisen. So kann es uns nicht wundernehmen, wenn eine Reihe von Autoren diese Frage auch bei Crustaceen einer experimentellen Be- arbeitung unterzogen haben. Die nachfolgend erwähnten Arbeiten von Malard (54, 55), Herdmann (30—32) und Hoavell (36) sind mir leider nicht zugänglich gewesen, so daß ich hier van Rynberks Bericht (85) zitiere. Malard fand, daß Hippolyte auf grünem See- gras grün, auf Fucus braun, auf rotem Seegras rot und auf Äntennu- laria und SertuJaria durchsichtig sei. Ferner nimmt Hippolyte im Dunkeln rote Farbe an, im hellen Lichte wird sie smaragdgrün. Aus seinen Versuchen schließt Malard, daß für den Farbenwechsel die Färbung der Umgebung wesentlicher ist als die Intensität des Lichtes. Herdmann schränkt diese Angaben insofern ein, als er darauf hinweist, daß Hippolyte keinen raschen Farbenwechsel besitzt, und daß die angepaßte Farbe der Tiere niemals genau jener der Umgebung entspricht, und Howell gibt an, daß der sympathische Farbenwechsel von Hippolyte sowohl im Dunkeln, wie im Hellen statt- findet. Gerade diese Angabe Howells scheint uns geeignet zu sein, gegen einen An p assu n gsfarben Wechsel im Sinne von Schutzfärbung zu sprechen, denn w-elche Vorteile soll dieser Farbenwechsel im Dunkeln haben? Offenbar handelt es sich um reflektorische Beeinflussungen der Chromatophoren, vielleicht durch taktile Reize, vielleicht auch durch chemische Reize, die auf verschiedenen Pflanzen verschieden sein können. Experimentelle LTntersuchungen über diese Fragen liegen leider nicht vor, ob- gleich der Einfluß der Ernährung auf die Körperfärbung Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfuiiktion der Tiere. 1289 bei einigen Isopoden von Matzdorff (56), Möbius (64) u. a. disku- tiert worden ist, worauf später eingegangen werden wird. Während über das Verhalten der Nervenendigungen an den Chromatophoren der Cephalopoden sehr zahlreiche und umfang- reiche Arbeiten vorliegen, sind die diesbezüglichen Angaben für Crustaceen außerordentlich spärlich und erfordern unbedingt neue ge- naue histologische Untersuchungen. Das Herantreten von Nerven an die Chromatophoren ist von Retzius (82) bei Palaemon squilla, von Weber (95) für Philosciu, sowie von Holmgren (35) beobachtet worden. Die Anatomie, Embryologie und Physiologie der Chromatophoren der Schizo- und Decapoden hat durch die umfassenden Arbeiten der englischen Forscher Keeble und Gamble (23, 39 — 43) eine wesentliche Umgestaltung erfahren. Nicht nur, daß die Autoren eine Menge neuer bemerkenswerter Einzeltatsachen aus der Anatomie der Chromatophoren beschrieben haben, sondern sie haben eine prinzi- pielle Aenderung in der Auffassung von der Bedeutung der Chro- matophoren dadurch herbeigeführt, daß sie die einzelne Zelle ihrer Bedeutung als selbständige Zelle entkleiden und nur als untergeordnete Zentren eines zusammenhängenden Chromatophoren- sy stems (-organes) ansehen. Dieses System ist in einzelne Gruppen gegliedert, die neurale, viscerale, kaudale und endlich die akzessorische. Der prinzipielle Unterschied dieser Auffassung gegenüber der bis dahin herrschenden läßt sich am besten durch einen Vergleich ver- anschaulichen. Der Standpunkt Keebles und Gambles ist in diesen Fragen etwa ein ähnlicher wie jener der Gegner der Neuronentheorie, die die anatomische und funktionelle Selbständigkeit der einzelnen Ganglienzelle entschieden in Abrede stellen. Die beiden englischen Forscher haben ferner die Entwicklung der einzelnen Chromato- phorengruppen untersucht und die verschiedenen Zeichnungs- und Farbenvarietäten, besonders bei Hippolyte varians, in Beziehung zu der Entwicklung der verschiedenen Chromatophorengruppen gebracht. Endlich haben sie versucht, die Anordnung der Chromatophoren phylogenetisch zu erklären und haben damit den Vererbungs- faktor in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen und so wertvolle Beiträge zur Phylogenese der Farbenanpassung geliefert. Von nicht geringerer Bedeutung sind Keeble und Gambles Untersuchungen für die Physiologie des Farbenwechsels der Crustaceen. Vor allem entdeckten sie den perio dischen Tag- und Nachtfarben Wechsel der Schizo- und Decapoden, der bei allen früheren Untersuchungen eine den früheren Autoren aller- dings unbekannte Fehlerquelle darstellt. Ferner entdeckten sie das Auftreten einer diffusen Blaufärbung während der Nachtfärbung und bringen die Bildung dieses blauen Farbstoffes mit dem ge- änderten Chemismus des Stoffwechsels der Tiere zur Nachtzeit in Ije- ziehung. Daß nach diesen wichtigen Entdeckungen die Versuche über den Einfluß des Lichtes auf den Farben Wechsel unter Be- obachtungen aller möglichen Fehlerquellen von neuem aufgenommen werden mußten, lag auf der Hand. Keeble und Gamble studieren daher sehr eingehend die Wirkung des hellen und dunklen Grundes auf die Körperfärbung, sowie die koloratorische Bedeutung des Wechsels der Lichtintensitäten, hei Dunkelheit sind die Pigmente in den Zentren retrahiert, die Tiere werden durchsichtig 1290 R. F. Fuchs, bei gleichzeitigem Auftreten der diffusen Blaufärbung, dagegen sind die Tiere im diffusen Tageslicht oder bei künstlichem Licht deutlich gefärbt infolge der Expansion der Pigmente. Die Versuche über den Einfluß des Untergrundes zeigen aber, daß dieser Faktor die Wirkung der Lichtintensität bei weitem übertrifft, da die Färbung der Tiere in erster Linie von der Helligkeit des Grundes beherrscht wird. Auf weißem Untergrund tritt Durchsichtig- werden und Blaufärbung der Tiere auf, auf dunklem Grunde Ex- pansion der Pigmente und dementsprechende Färbung ein. Diese Wirkung des Untergrundes erklären die englischen Autoren durch eine gewisse Dorsiventralität in den nervösen Verknüpfungen der Retinaelemente mit den Chromatophoren, ohne daß sie für diese Hypo- these strengere Beweise beizubringen suchen. Endlich haben Keeble und Gamble in ihren Versuchen auch den Färbungseinfluß verschie- dener monochromatischer Lichter geprüft, wobei ein wesent- licher Einfluß der verschiedenen Wellenlängen nicht zu konstatieren war. Wohl aber bestätigen die Autoren die Angaben früherer Forscher, daß Hipjwlyte varians auf verschieden gefärbten Pflanzen eine ver- schiedene Färbung zeigt, welche eine Anpassungserscheinung, Schutz- färbung, darstellt. Hier sei auch einer Mitteilung Schmidtleins (88) gedacht, nach der Eisig bei Squilla mantis, einem Stomatopoden, ein lebhaftes Erröten des ganzen Körpers sah, als das Tier von einem Octo- poden angegriffen wurde. Ueber die Färbung und den Farben- wechsel von Amphipoden berichten die Arbeiten von G. Haller (28) und P. Mayer (58), welche verschiedene Caprelliden unter- suchten. Umfangreicher und zahlreicher sind die Arbeiten über den Farben- wechsel der Isopoden, von denen besonders Idotea tricuspidata Desm. vielfach studiert worden ist. Die vielen Farben- und Zeichnungs- varietäten sind vielfach beschrieben worden, so von Pallas (71), Roux (84) u. a., aber den Farben wechsel dieser Tiere hat zuerst P. Mayer (57) beobachtet, indem er die Tiere auf hellen oder dunklen Grund brachte. Auch gelang es Mayer, zu zeigen, daß infolge Ab- tragung der Augen geblendete Tiere diesen Farben Wechsel nicht mehr zeigen. Kurz nach diesen Beobachtungen Mayers hat Matzdorff (56) die Färbungs- und Zeichnungsvarietäten der Idotea beschrieben, sowie den Einfluß der Nahrung, der Temperatur und des Lichtes auf die Färbung untersucht; er kommt zu dem Resultat, daß keinem dieser Faktoren, selbst nicht dem Licht, ein direkter Einfluß auf die Körperfärbung zukomme. Die verschiedene Färbung sei als Schutzfärbung in dem Sinne aufzufassen, daß die Tiere mit der Farbe der Umgebung, verschiedenen Pflanzenarten, übereinstimmen. Phylogenetisch sei die einfarbige Art die älteste und die anderen Färbungs- und Zeichnungsvarietäten seien als Anpassungs- erscheinungen dadurch allmählich entstanden, daß Idotea ein ziemlich wohnfestes Tier sei und immer wieder bestimmte Pflanzen als Wohn- sitz aufgesucht habe. Ferner hat Matzdorff die Versuche von Mayer über den Farbenwechsel sowohl an sehenden als geblendeten Tieren wiederholt und ist zu übereinstimmenden Resultaten mit seinem Vorgänger gekommen. Endlich hat in neuester Zeit V. Bauer (1) das Problem von der Einwirkung des Untergrundes auf die Färbung von Idotea einer sehr sorgfältigen Untersuchung unterzogen Der Parbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1291 und bis zu einem gewissen Abschluß gebracht. Bauer konnte zeigen, daß für die zu beobachtenden Farbenveränderungen weder die Licht- intensität, noch die Richtung der Lichtstrahlen eine entscheidende Rolle spielen. Auf Grund von Lackierungsversuchen, in denen ent- weder die ganzen Augen oder größere und kleinere Teile derselben vom Sehakt ausgeschaltet wurden, kommt Bauer zu dem Ergebnis, daß in den vom Licht nicht getroffenen Teilen des Auges ein Vor- gang stattfindet, der der Wirkung des gereizten Teiles entgegenwirkt und dieselbe gegebenen Falles überwiegt. Die un gereizten Teile der Netzhaut rufen eine Expansion der Chromatop hören hervor, die für den ganzen Körper dauernd eintritt, sobald die eine Hälfte der Netzhaut lackiert wird. Damit können wir den historischeu Ueberblick über die Entwick- lung unserer Kenntnisse vom Farbenwechsel abschließen unter Nen- nung einiger neuester Arbeiten, so von Doflein (14), Minkiewicz (62, 63), und Fröhlich (19), Franz (18) und Degner (11), welche an verschiedenen Crustaceen wertvolle Beobachtungen zur Lehre des Farbenwechsels, sowie zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Pigmentzellen geliefert haben. Diese Arbeiten werden in den ein- zelnen Abschnitten des speziellen Teiles ausführlich bebandelt werden. B. Morphologie der Chromatophoren. 1. Anordnung der Chromatophoren. Bei den Crustaceen enthält die Hypodermis, welche unterhalb der chiti- nösen, bzw. verkalkten Schale gelegen ist, die Chromatophoren, wenngleich auch andere Gebilde, wie z. B. der Verdauungstrakt us, das zentrale Nerven- system sowie die Muskulatur erhebliche Mengen von Pigmentzellen aufweisen, welche sogar bei den mehr oder weniger durchsichtigen Crustaceen an der allge- meinen Körperfärbung, insbesondere aber an der Zeichnung dann betedigt sein können, wenn sie gruppenweise angeordnet sind und geschlossene Flecken von verschiedener Form und Farbe oder Linien bilden. Schon Haeckel (27) unterscheidet an der der Schale anliegenden Haut der Decapoden zwei Schichten, eine äußere Epithel- zellenschicht und eine innere Lage, welche aus mehr oder weniger festen Bindege- websschichten besteht, welche nach außen zum stützenden Träger (Membrana pro- pria) der Zellage sich verdichtet, während sie nach innen in das Bindegewebe der an der Haut angehefteten oder unter ihr liegenden Organe übergeht. „Diese meist sehr dünne Bindegewebsschichte, welche auch die Pigmentzellen und Farbkörnerhaufen, die Nerven und ernährenden Gefäße der Haut trägt, läßt sich allein mit der Cutis der Wirbeltiere vergleichen, während die gewöhnlich auch dazu gerechnete Zellenlage über ihr höchstens mit der Epidermis in Parallele gesetzt werden kann." Auch die Pigmentzellen der Daphnien sind nach Weismann (96) in der Hypodermis ge- legen, während sie bei Latona nicht in der Hypodermis selbst, sondern zwischen den beiden Blättern derselben gelegen sind, und wo jeder der großen braunen Flecke nur aus einer einzigen großen Chromatophore besteht. Die Caprelliden zeigen nach den Untersuchungen von Paul Mayer (57) Pigmentzellen in allen Teilen des Körpers. Sie liegen stets im Bindegewebe und den von ihm ausgehenden Umhül- lungen des Darmes (Fig. 26), des Nervensystems, insbesondere der Ganglien der Geni- talien und des Herzens. Ferner erwähnt Haller (28) ausdrücklich, daß bei Laemodipodes filiforniis die Zentren des Nervensystems sehr stark pigmen- tiert sind. 1292 R- F. Fuchs, Bei den Tricho nis cid en wurde insbesondere an Trichoniseus batavus die Lagerung der Pigmentzellen von Weber (95) untersucht. Hier liegen die Chromato- phoren in der Matrix der Cuticula, welche durch die zahlreichen Ausläufer der häufig miteinander kommunizierenden Pigmentzellen eine zellige Abgrenzung erhält, während sonst diese Matrix eine kernhaltige, aber nicht zellig abgegrenzte „mole- kulare Masse" darstellt und nur an einzelnen Stellen ein epithelartiges Verhalten zeigt. Gleiche Verhältnisse zeigt auch Philoscia, bei der ebenso wie bei Trichoniseus die Zellkörper der verzweigten Pigmentzellen teils unter, teils zwischen den Kernen der Matrixzellen gelegen sind. Die Verschiedenartigkeit dieser Lagerung läßt es auch zweifelhaft erscheinen, ob ein Unterschied besteht zwischen diesen Pigmentzellen und den auch bei diesen Tieren vorhandenen, tiefer in der Körperhöhle gelegenen, welche dem Bindegewebe angehören. Bei der gleichfalls zu den Isopoden ge- hörigen Familie der Idoteiden hat Matzpoeff (5(J) ähnliche Beobachtungen ver- öffentlicht wie Weber an Trichonisciden. Auch bei Idotea besteht die Hypodermis aus einer oberen Schicht von Chitinzellen und einer tieferen Lage, welche eine körnige Protoplasmamasse mit regelmäßig eingestreuten Kernen enthält und keine Zellgrenzen erkennen läßt. In diese Schicht sind die Chromato- f-, k'"i ß '' phoren in regelmäßigen Abständen eingelagert und nehmen die ganze Dicke dieser Schicht ein , ja sie reichen sogar in die obere Hypodermisschicht hinein, was schon früher von Leydig (50) und Weber be- £_i-ir obachtet worden war. Ebenso reichen die Chromato- r. --^^1 • ^* phoren auch in das unter der Matrix der Hypo- B. ', '« 1^ ^ dermis gelegene Bindegewebe. ;' j Fig. 26. Caprella aequilibra. Teil eines Mittcl- "" ■*• ' darmes mit dem Epithel, der Muskulatur und einer großen expandierten Pigraeutzclle, deren Kern in der Mitte sichtbar ist. (Nach P. Mayer.) Trotzdem die verschiedenen genannten Autoren stets die verschiedene Verteilung der Chromatophoren in den verschiedenen Körperbezirken und Organen hervorgehoben haben, so ist es doch das unzweifelhafte Verdienst von Keeble und Gamble (23, 39—43), durch ihre umfassenden Studien an Schizopoden und Decapoden uns ein klares Bild von der äußerst komplizierten Anordnung der Chromatophoren gegeben zu haben, welche zu besonderen Organen (Systemen oder Gruppen) vereinigt sind, welche nicht nur in ihrem anatomischen Bau und ihrer charakteristischen Verteilung, sondern auch in ihrer Entwicklung typische Ver- schiedenheiten aufweisen. Von den Schizopoden wurden besonders die Mysiden untersucht, Ifac/'o- mysis, Schistomysis, Neomysis, Mysidopsis, Leptomysis, Macropsis, Gastrosaccus und Siriella. Das Chromatophorensystem der Schizopoden, wie der Deca- poden ist sowohl oberflächlich als auch in tieferen Lagen des Körpers zu fmden und stellt ein kompliziertes System von Organen dar, die einerseits miteinander in funktioneller Beziehung stehen, andererseits durch das Nervensystem mit den Augen verbunden sind. Die einzelnen Teile dieses Systems sind die pigmenthaltigen Chro- matophoren, welche wiederum zu bestimmt gelagerten Zentren oder Gruppen zu- sammengesetzt sind. Obwohl die einzelnen Mysidenarten untereinander charak- teristische Unterschiede im Bau, sowie in dem Vorhandensein der einzelnen Gruppen aufweisen, so liegt doch bei allen Mysiden ein gemeinsamer Bauplan zu- grunde, und wir wollen als ein typisches Chromatophorensystem der Mysiden das von Macro^nysis flexuosa analysieren. Das Chromatophorensystem ist in fol- gende Gruppen gegliedert: Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1293 1) Die neurale Gruppe, welche die konstanteste, sowie die am besten ent- wickelte und zuerst gebildete ist, ist die wichtigste Gruppe des ganzen Chromato- phorensystems. Wie schon der Name andeutet, ist sie durch ihre besonderen Beziehungen zum Nervensystem ausgezeichnet. Im allgemeinen kann man sagen, daß sich die Teile der neuralen Gruppe auf die Hauptmasse der oberflächlich und tief gelegenen Organe erstrecken, mit Ausnahme des Verdauungstraktus und eines Teiles der Schwanzoberfläche. Im besonderen hat diese Gruppe Beziehungen zum Gehirn, zum Bauchstrang, den basalen Teilen der Anhänge und der Haut an der ventralen Seite. Sie zerfällt in eine Reihe von Einzelzentren, von denen ein Paar über dem Gehirn sich findet, ein anderes an der Basis jeder Antenne, sowie im Konnektiv zwischen Gehirn und Bauchstrang, sowie Zentren zwischen den 1. als auch zwischen den 2. Maxillen. Die Zentren selbst sind über den Ganglien der be- treffenden Abschnitte gelagert. Ein Paar von solchen Zentren liegt im Bauchstrang an der vorderen Thoraxgrenze. Die Abdominalsegmente besitzen je ein vorderes und ein hinteres Zentrum, von denen jedes wieder in zwei CJnterzentren geteilt ist, von denen eines im Ganglion gelegen ist, das andere in den Flexoren. Im letzten Segment steht das Chromatophorenzentrum in besonderer Beziehung zur Anal- muskulatur. Die neuralen Zentren bilden sich in naher Beziehung zu den Ganglien. Ihre Zweige bilden besonders bei Macromysis ineniiis eine vollkommene Scheide um das zentrale und periphere Nervensystem. 2) Die viscerale Gruppe, welche eine Reihe von Zentren im Bereiche des Verdauungstraktes und der Keimdrüsen umfaßt. Die Zentren dieser Gruppe sind teils median, teils paarig angeordnet und zeigen einen deutlich segmen- talen Charakter. Es hegen an der Oberfläche des Magens zwei mediane Zentren, ferner eines in der Nähe der Keimdrüsen und Leber, ein anderes am hinteren Rande des Carpax. Diese Zentren sind in den Visceralscheiden gelegen ; die übrigen Zentren dieser Gruppe liegen in den übrigen Eingeweiden. Ferner erstrecken sich Teile dieser Gruppe auf die Haut und die Extensoren des Schwanzes. Die viscerale Gruppe hat aber auch Beziehungen zum Nervensystem des Magens und Schlundes, ferner zu den großen Gefäßen und zum Herzen. 3) Die kaudale Gruppe auf der Oberfläche des Schwanzes ist gleichfalls median, als auch segmental angeordnet. Sie umfaßt ein median gelegenes Zentrum in der Haut eines jeden Abdominal- sowie des letzten Thorakalsegments. Diesen drei streng zentralisierten Gruppen, welche entwicklungsgeschicht- lich eine Einheit darstellen und als das primäre Chromatophoren- system bezeichnet werden, steht eine akzessorische Gruppe gegenüber, die als ein beginnendes sekundäres System aufgefaßt werden kann. Die Teile der ak- zessorischen Gruppe erfüllen die Gewebe in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft und sind besonders durch ihre Beziehungen zu den eigentlichen Sinnes- organen, wie Augen, Antennen, Schwanzlappen und Otocysten ausgezeichnet. So liegt ein optisches Zentrum an Augenstielen hinter der Cornea, an den Antennen finden sich 5 Zentren, eines am Pedunculus der kleinen Antennen, eines an der Basis des Exopodiums, ferner ist eine Reihe von Zentren an den Brutlamellen, am Uro- podium und am Telson sogar eine doppelte Reihe von Zentren vorhanden. Wenn ich noch hinzufüge, daß sowohl die viscerale als auch die kaudale Gruppe außer zu den Nerven auch noch zu anderen Geweben Beziehungen haben, besonders zu den Drüsen und Muskeln, dann erkennen wir, daß von dem äußerst kompliziert angeordneten Chromatophorensystem alle Gebilde des Kör- pers umsponnen werden. Obwohl, wie bereits erwähnt, allen Mysiden ein nach einem gemeinsamen Plane gebautes Chromatophorensystem zukommt, so unterscheiden sich die einzelnen Mysidenarten doch durch konstante Modifikationen des gemeinsamen Bauplanes des Chromatophorensystems. Diese Abweichungen bestehen in der Gegen- 1294 R. F. Fuchs, wart von paarigen oder unpaarigen Zentren an besonderen Segmenten, in der Form und Anordnung der Endverzweigungen der einzelnen Chromatophorenäste, sowie in der Verteilung gewisser Pigmente in den Zentren und deren Zweigen. Auf diese Einzelheiten, denen Keeble und Gamble direkt taxinomischen Wert zuerkennen, soll hier nicht eingegangen werden. Bevor wir auf den feineren mikroskopischen Bau der Chromatophoren eingehen, sollen die besonderen Eigenschaften, welche das primäre und sekundäre Chromato- phorensystem charakterisieren, hervorgehoben werden. Das primäre System ist ausgezeichnet durch die geringe Anzahl der die einzelnen Zentren zusammensetzenden stark verzweigten Chromatophoren und die streng segmentale Anordnung des ganzen Systems. Die einzelnen weit ausgebreiteten Zentren bestehen aus zahlreichen Teilen, deren Endigungen Scheiden um die betreffenden Organe bilden. Innerhalb der Zentren sind zentral gelegene Mittelpunkte charakteristisch, außerdem sind die pri- mären Zentren durch das Bestehenbleiben der embryonal augelegten Chrom atoj^horen beim erwachsenen Tier ausgezeichnet. Das sekundäre Chromatophoren- system ist vor allem durch seine vollständige Dezentralisation charakterisiert. Die einzelnen Chromatophoren sind zahlreich, wenig verzweigt und uuregelmäßig an- geordnet. Von den Decapoden wurden Crangon, Palaemon, Hippolyte, Oalathea, Carduus und Portuniis untersucht. Als allgemeine Eigenschaften des Chromato- phorensystems der Decapoden sind zu nennen die große Zahl von Chro- matophoren, deren zerstreute unregelmäßige Anordnung, geringe Ausdehnung der einzelnen Zentren, ferner geringe Anzahl ihrer Zweige sowie Dezentralisation des Systems im ganzen. Es besitzt die gleichen Beziehungen zu den Organen wie bei den Mysiden. Auch hier unterscheiden wir ein primäres und ein sekundäres System, aber das zentralisierte primäre System tritt gegenüber dem mächtig entwickelten sekundären System in den Hintergrund. Die sekundären Chromatophoren erscheinen n Gruppen angeordnet, von denen einige Beziehungen zum primären System und zu dem gleichen Organe wie dieses haben, während andere Gruppen ganz unabhängig sind, wie z. B. an den Basen der Kiemen, am Carpax und an den Gliedern, wo das primäre System vollständig fehlt. Ohne auf die Unterschiede in der Verteilung und Ausbildung der beiden Systeme bei den verschiedenen Decapodenarten eingehen zu wollen, möchte ich nur erwähnen, daß auch hier diese Unterschiede wiederum charakteristisch für die einzelnen Arten sind. Bezüglich der Details muß ich auf die Originalarbeiten verweisen. Eine besondere Aufmerksamkeit erfordert die von Keeble und Gamble (23) an Hipiwlyte genauer studierte Beziehung der Chromatophorenanord- nung zu den Blutgefäßen und den Muskeln. Die Chromatophorenkörper liegen im Bindegewebe und sind eng verbunden mit dem Verdauungstrakt, der Leber, dem Gefäß- und Muskelsystem. Eine besonders innige Beziehung haben die Chromatophoren zur Wand des ventralen und dorsalen Blutsinus; auch in den Wänden der intermuskulären Arterien liegen sehr zahlreiche Chromatophoren. Auch an den Augenstielen lassen sich diese nahen Beziehungen zwischen Chromatophoren und Blutgefäßen leicht nachweisen. Sehr reichliche Chromatophorenanhäufungen finden sich in den Extensoren und Flexoren des Schwanzes, so daß die Muskeln vollkommen gefärbt erscheinen. Bei jungen durchsichtigen Tieren wird die Farbe des Tieres hauptsächlich durch die Muskelchrom atophoren bestimmt, während später die Hautchromatophoren für die Färbung ausschlaggebend sind. ii, Bau der Chromatophoren. Der mikroskopische Bau der Chromatophoren bietet eine große Mannigfaltigkeit nicht nur bei den verschiedenen Crustaceen-Ordnungen und -Arten dar, sondern auch in den verschiedenen Regionen eines und desselben Indi- Der Farbenweclisel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1295 Tiduums zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede, so daß man von einem einheit- lichen Bau der Crustaceenchromatophoren im strengsten Sinne des Wortes eigentlich nicht gut reden kann. Gerade die Außerachtlassung dieser Tatsache hat manche unbegründete Verallgemeinerung gezeitigt, die zu Kontroversen Anlaß gab, wobei vielfach vergessen wurde, daß von den betreffenden Autoren nur eine oder wenige Arten untersucht worden sind. Einen Wandel in diesen Dingen herbeigeführt zu haben, ist gleichfalls ein Verdienst der umfangreichen vergleichenden Untersuchungen von Keeble und Gamble, die allerdings in neuester Zeit durch Degner (11) stark erschüttert worden sind, welcher Autor einen gleichen Bau derChromato- phoren an verschiedenen Kör per stellen von Praunus beschreibt. Die Pigmentzellen der Daphnien hat Weismann (96) untersucht. Es handelt sich um Hypodermiszellen, die Pigmentablagerungen enthalten, z. B. an den blauen und roten Partien der ßuderarme und den roten Flecken auf den Vorderlappen der Schale. Die Zellen, welche mit einem hellen Kern versehen sind, stoßen unmittelbar aneinander. Jede Pigmentzelle besteht aus einem dicken Stiel, der das Lumen der Schale durchsetzt und zwei Platten, welche der Innenfläche der Hypodermis aufliegen. Im Stiel erkennt man den hellen Kern (Fig. 27). Die beim jungen Tier noch kleine Zelle wächst, indem sie dendritische Ausläufer um die Stützfaseransätze der Schale herumschiebt, die dann jenseits wieder miteinander ver- schmelzen. Es liegen zwei Maschennetze übereinander, eines auf dem äußeren, eines auf dem inneren Blatt der Schale, und dadurch tritt hier die netzförmige Zeichnung weniger deutlich hervor. Aehnlich dürften auch die braunen Farbzellen des Fett- kötpers gebaut sein. Weismann erwähnt die Angabe von P. E. Müller (68), daß die Maschen der zierlichen Farbnetze, welche die Daphnien, besonders Latona setifera O. F. Müller, darbieten, nicht einzelnen Hypodermiszellen entsprechen, sondern daß die das Pigment enthaltenden Hypodermiszellen viel größer sind, so daß auf jede von ihnen etwa 10 — 16 Farbmaschen kommen. Die hellen Flecke in den Maschen sind die ver- breiterten Ansatzstellen der Stützfasern der Haut, welche r^, von den P'ortsätzen der Pigmentzellen umsponnen sind. In \^ Ä jeder Zelle ist nur im mer eine Farbe, Eot oder J» ■1 Blau vorhanden. Die Chromatophoren der Caprelliden l^HK n werden von Pouchet (76), Haller (28) und Paul Mayer ^ -i^^^KT-T^ (58) als stark verzweigte Zellen beschrieben, in denen 'ÜBv die beiden letzteren Autoren einen Kern beobachtet haben. |^f X -^'^ Fig. 30. Praunus flexiiosvs. Sagittalschnitfc durch das sechste Abdominalsegmeut. Die Chromatophore zeigt Schollenteilung. Ä' Kerne, gl drüsiges Gewebe, Gg Ganglion des Segmentes, N.ac. Nervus acusticus, R Rectum. (Nach Degner.) Der Parbenwechsel und die chiromatische Hautfunktion der Tiere. 1299 im Innern der Schollen, wenn das Pigment retrahiert ist. Die Zahl der Kerne wechselt sehr stark und nimmt auch im späteren Leben noch zu, da Teilungs- figuren an erwachsenen Exemplaren mehrfach beobachtet wurden. Die Chromatophorenmembran betrachtet Degner als ein Produkt der Chrom atophoren, da es ihm nie gelang, die von den englischen Autoren beschriebenen Zellen bzw. deren Kerne zu entdecken, deren Produkt die Chromatophorenmembran sein sollte. Die vom Körper der Chromatophore ausgehenden Chromorhizen zeigen, wie bereits Keeble und Gamble mehrfach erwähnt haben, eine deuthche Fibrillen - struktur. Degner hält diese Fibrillenstruktur in üebereinstimmung mit Franz (17, 18) durch ein Stäbegerüst bedingt, doch nimmt er im Gegensatz zu Franz an, daß dieses Stäbegerüst nicht persistiere, weil die „Achsenstränge", die hellen Linien in den Chromorhizen, bei totaler Ballung vollkommen verschwinden und erst während der Expansion wieder auftreten, woraus Degner schließt, daß sie regelmäßig erst bei der Pigmentexpansion gebildet werden. Die letztere Ansicht ist aber nicht bewiesen, sogar sehr unwahrscheinlich, denn die Unsichtbar- keit der Achsenstränge an den pigraentfreien Chromorhizen kann keineswegs als Beweis für das Nichtvorhandensein angeführt werden. Degner gibt ja auch an, an vollständig retrahierten Chromatophoren niemals einen Kontur der Fortsätze gesehen zu haben, nur wenn Spuren von Pigment zurückbleiben, dann täuschen sie eine Wandung der Fortsätze vor. Da aber Degner trotzdem an der präformierten Gestalt der Chromatophore festhält, so ist gar nicht einzusehen, warum das Unsichtbar- werden der Achsenstränge gerade gegen deren Persistenz sprechen sollte. Uebrigens hat Bauer (2) an den dicken Aesten der Chromatophoren nach Osmiumbehandlung ein System von Stützfasern auch bei retrahiertem Pigment beschrieben. An vollständig expandierten Chromatophoren konnte Degner niemals eine direkteVerbindungder Chromorhizen zweier benachbarter Pigment- zellen beobachten. Von wesentlicher Bedeutung für die Physiologie der Chromatophoren scheint ihre innige Verbindung mit einem Drüsengewebe zu sein, die Keeble und Gamble folgendermaßen beschreiben. Jeder zentrale Teil der Chromatophore ist umgeben von einer Zone von Zellen, welche große gefleckte Kerne aufweisen ; ein Saum dieses Zellengewebes zieht von einer Chromatophore zur benachbarten. Dieses Gewebe findet sich hauptsächlich an den hinteren Enden der Abdominal- segmente, wo es ein breites Band von eckigen Zellen bildet, welche zur tieferen Lage der Epidermis gehören. Die visceralen Chromatophoren, sowie die der Brutlamellen sind durch ähnliche nur etwas lockerere und tiefer liegende Gewebszüge miteinander verbunden. Manche der dieses Gewebe zusammensetzenden Zellen sind birnförmig und können sich mit ihren kurzen Enden untereinander verbinden. Ihr Protoplasma ist in verschiedener Weise vakuolisiert und granuliert und zeigt offenbar ver- schiedene Phasen einer sekretorischen Tätigkeit. Die Bedeutung dieser Zellen für die Entstehung der Chromatophoren und des Pigmentes konnten Keeble und Gamble nicht auffinden. Auch Degner (11) erwähnt ein drüsig erscheinendes Gewebe in der Nähe der Chromatophoren, das er aber in keine funktionellen Beziehungen zu den Chromatophoren bringt, weil es an einzelnen Stellen, z. B. den Antennen- basalgliedern, fehlt. Genauere Angaben über die Histologie der Chromatophoren bei Macruren wurden an folgenden Familien beschrieben : Hippolyte (Keeble und Gamble, 23, 43), Crangon (Keeble und Gamble, 23, 43; Poüchet, 76; Degner, 11), Palaemon bzw. Leander (Pouchet, 76; Doflein, 14; Fröhlich, 19; Degner, 11), Eomarus (Poüchet, 76) und Pandalns (Franz, 18). Da auch hier offenbar bei den ver- schiedenen Familien weitgehende Unterschiede im histologischen 82* 1300 R- F. Fuchs, Bau der Chromatophoren vorliegen, so sollen die einzelnen Familien getrennt be- handelt werden. Wir beginnen mit den Chromatophoren von Hippolyte und Grangon, welche von KeebIjE und Gamble (23, 43) eingehend untersucht worden sind. Die ausge- wachsenen Chromatophoren von Hippolyte und Grangon sind in der Eegel zwei- oder auch dreifarbig. Während die genannten englischen Forscher eine echte Polychromasie der einzelnen Zelle beobachtet haben, glaubt Pouchet (76), dem die Mehrfachfärbung der Chromatophoren bei Grangon nicht entgangen war (Fort- sätze gelb und violett gefärbt, Zentrum rot), daß diese Erscheinung darauf zurück- zuführen sei, daß mehrere verschieden gefärbte, aber vollständig voneinander ge- trennte Chromatophoren dicht nebeneinander liegen, von denen jede einzelne durch verschiedene entgegengesetzt wirkende Einflüsse einen verschiedenen Grad der Expansion, bzw. Retraktion aufweist. Sowohl die Beobachtungen von Keeble und Gamble selbst, als auch die gleichen Beobachtungen Doflelns (14) an Leander lassen aber keinen Zweifel darüber, daß Pouchets Anschauung unrichtig ist, so daß es sich in der Tat um eine echte Polychromie der einzelnen Chromato- phoren handelt. Da nun die genannten englischen Forscher in den beiden Arbeiten (23, 43), welche sich mit dem Bau der Chromatophoren von Hippolyte beschäftigen, eine etwas verschiedene Beschreibung der Chromatophoren geben, so darf man wohl annehmen, daß die Chromatophoren ein und derselben Art an verschiedenen Körper- stellen verschieden gebaut sind, da die in der später erschienenen Arbeit (43) enthaltenen Angaben nirgends erkennen lassen, daß sie eine Eichtigstellung der früheren Beobachtungen sein sollen. In der ersten Publikation (23) werden die Chromatophoren aus den Querbändern des Abdomens von Hippolyte varians folgendermaßen beschrieben. Zuweilen ist ein zentraler Körper vorhanden, von dem eich verzweigende und untereinander anastomosierende Fortsätze entspringen ; meist sind aber zwei dicht gefärbte schlecht abgrenzbare Portionen eines im durchfallenden Lichte rot gefärbten Körpers vorhanden. Die dicht verzweigten, stellenweise anastomo- sierenden Fortsätze sind Röhren mit deutlicher Wandung, was um so sicherer erkannt werden kann, wenn die Pigmentkörnchen sie nicht vollkommen erfüllen. Da die Fortsätze von einer eigenen Membran begrenzt werden, so kommt ihnen eine feste, das soll wohl heißen unveränderliche Struktur zu. Es ist nicht möglich, au den Chromatophoren einen getrennten Zellcharakter nachzuweisen, sie bilden vielmehr ein kontinuierliches Netzwerk, in dem einzelne deutlich hervortretende Flecke als Zentren der Chromatophoren anzusprechen sind. In der späteren Abhand- lung (43) finden sich folgende Angaben. In der Haut von Hippolyte kommen alle Entwicklungsstadien als auch Degenerationsstufen der Chromatophoren vor. Bei der erwachsenen Hippolyte bestehen die Pigmentzellen aus einer Reihe kernhaltiger, birnförmiger Abteilungen, von denen verzweigte röhrenförmige Fortsätze entspringen, die mit baumförmigen Verzweigungen in den Intercellularräumen endigen. Die einzelnen Abteilungen sind flache Zellen (Cönocyten), die in zwei kon- zentrischen Reihen angeordnet sind. Das Cytoplasma dieser Zellen ist in einer für Tiere ungewöhnlichen Weise differenziert in ein festes lichtbrechendes Ekto- plasma, welches einen Wall bildet um die innere Zone des flüssigen Endo- plasmas. Hippolyte gaimardii zeigt einen etwas einfacher gebauten Chro- matophorentypus , bezüglich dessen Details auf das Original verwiesen werden muß. Auch bei Hippolyte varians kommen einfacher gebaute Chromatophoren vor, die aus drei oder noch weniger Zellen bestehen. Die Chromatophoren von Grangon sind im wesentlichen so gebaut wie die von Hippolyte. Sie zeichnen sich durch ihre beträchtliche Größe aus, sie sind im Gegensatz zu jenen von Hippolyte nur selten in der Muskulatur zu finden, haben ein eigenes violettes Pigment, das bei Hij)i)olyte fehlt, besitzen aber kein spe- Der Farbenwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1301 zielles nächtliches Pigment, welches bei Hippolyte die blaue Nachtfärbung hervorruft, worauf später noch ausführlich eingegangen werden wird. Die großen, schon mit bloßem Auge sichtbaren Chrom atophoren von Palaemon wurden bereits von Pouchet (76) beschrieben. Sie zeigen gelbe, stark ver- zweigte Fortsätze, welche von einem roten Zentrum auszugehen scheinen. Die roten Chromoblasten des Zentrums können gleichfalls expandiert sein. Es sei gleich hier erwähnt, daß Pouchet bei Romarus große rote in der Hypodermis ge- legene Chromoblasten mit großen Kernen beschreibt. Neuerdings haben die Chro- matophoren von Palaemon = Leander durch Doplein (14) eine sehr sorgfältige Untersuchung erfahren, wodurch die Angaben Pouchets wesentlich erweitert worden sind. Die Größe der Chromatophoren bei Leander xiphias ist eine sehr wechselnde an den verschiedenen Körperstellen, einige sind so groß, daß sie schon mit freiem Auge erkannt werden können, während andere erst mit starker Vergrößerung zu sehen sind. Die Chromatophoren sind rhizopodenähnliche verästelte Gebilde, in deren zentraler Masse das Pigment zu einem Ballen konzentriert sein kann. Von diesem Zentrum gehen Verästelungen aus, die Doflein „Chromorhizen" nennt, welche bei manchen Chromatophoren zahlreich und fein verästelt sind, während sie bei anderen geringer an Zahl und gröber erscheinen. Die vom Zentrum ent- springenden Fortsätze, welche nach allen Richtungen einer zur Oberfläche parallelen Ebene ausgehen, sind starke Stämme, welche oft bandartig abgeplattet sind und an der Basis ihre Zusammensetzung aus einer Anzahl feinerer Stränge erkennen lassen. Nach den Enden zu werden die Chromorhizen im allgemeinen feiner, doch kann man auch gelegentlich an den Enden knollenförmige Anschwellungen beobachten, worauf bereits Keeble und Gamble (43) bei Beschreibung der Chro- matophoren von Hippolyte varians aufmerksam gemacht haben. Auch Dofleln (14) stimmt mit den englischen Autoren darin überein, daß er hervorhebt, mau habe ^oft den Eindruck, als sei ein röhrenförmiger Hohlraum vorhanden, welcher die präfor- mierte Grundlage der Chromatophore darstellt", was besonders deutlich an den durch Druck veränderten Chromatophoren zu sehen ist. An den Enden der Chromorhizen ist nicht selten der Farbstoff in Form einer dünnen Lamelle ausge- breitet, welche im Umriß an den Fuß eines Schwimmvogels erinnert; darin läßt sich schon im frischen Zustand das Vorhandensein eines axialen Zellskelettes erkennen, das aus glashellen stark lichtbrechenden Stäben besteht, welche sich in der Mitte der Chromorhizen hinziehen, und an welche der Farbstoff sich anschmiegt. Dieses Skelett ist offenbar das von Franz zuerst an Fischchromatophoren (17) und neuerdings auch an Crustaceen (18) beobachtete Stäbeskelett. Die anderen Typen von Chromatophoren, welche Doflein beschreibt, sind im Prinzip gleich gebaut wie die vorstehend beschriebenen roten Chromatophoren, von denen sie sich aber durch die Anwesenheit von gelbem Pigment neben den roten in den Chromorhizen unterscheiden, oder eventuell kann das gelbe Pigment alle Chromorhizen erfüllen und das rote nur auf das Zentrum beschränkt sein. Endlich gibt es rein gelbe und rein weiße Chromatophoren. Die letzteren sind besonders häufig bei Leander treiUanus. Megüsak (59) bestreitet auf Grund seiner Beobachtungen die Existenz rein gelber Chromatophoren bei Leander rectirostris, indem er, aller- dings ohne Beweise dafür erbracht zu haben, annimmt, das rote Pigment werde im Licht in gelbes umgewandelt. Obgleich auch die weißen Chromatophoren ganz ähnlich wie die farbigen gebaut sind, so unterscheiden sie sich von den letzteren dadurch, daß ihre Verzweigungen plumper und reicher an Verdickungen sind, und ihr Inhalt weniger flüssig ist. Es kommen rein weiße Chromatophoren vor, bei denen ein zentraler Teil von den Chromorhizen kaum zu unterscheiden ist. End- lich zeigen die Chromorhizen der weißen Chromatophoren keine Längsstreifung. Doflein glaubt, daß sie meist nur durch die Pigmentmassen verdeckt ist. Auch die weißen Chromatophoren können bi- oder trichromatisch sein und neben 1302 R. F. Fuchs, weißem noch gelbes oder rotes oder beide Pigmente enthalten. Fröhlich (19) bildet um die Chromatophoren von Palaemon treillanus eine homogene gelbe Zone ab, welche nicht näher beschrieben ist. Die Chromatophoren von Pamlalus und Orangon hat Franz (18) untersucht. Bei Pandaliis sind die Pigmentzellen feuerrot, die reich verzweigten Fortsätze endigen mit feinen Ausläufern oder kommunizieren mit denen anderer Zellen. So- weit die Fortsätze von rotem Pigment frei sind, erscheinen sie hochgelb, daneben kommen aber auch manchmal ganz ungefärbte Fortsätze vor, die sich deutlich mit starker Vergrößerung beobachten lassen. Diese Fortsätze zeigen nun genau wie die mit Pigment noch erfüllten eine deutliche parallele fibrilläre Streif ung, welche nach dem Uebergang in die Zentralscheibe der Chromatophore einen mehr Fig. 31. Chromatophore von Pandalus. Fibrilläre Streifung. (Nach Fbanz.) zirkulären Verlauf annimmt (Fig. 36), während nach- Keeble und Gambles Bildern von Mysiden die Radiärstreifung in der Mitte der Zelle aufhört. Nach den Be- obachtungen von Franz (18) ist die Mitte der Chromatophorenscheibe von einer Körnelung erfüllt, über welche nur an einigen Stellen die Streifung quer hinweg- zieht. Diese Parallelstreifung rührt von einem feinen Stäbchen- skelett her, das in den Fortsätzen radiär angeordnet ist, aber innerhalb des Zellkörpers ein Fachwerk bildet, dessen Stäbe nach allen Seiten verlaufen und so die zentrale Körnelung hervorrufen. Bei Pandalus ist die Beobachtung des Stäbeskelettes durch das dichte rote Pigment erschwert, sie ist leichter bei Crangon, dessen Pigment grobkörniger ist. C. Die Pigmente. In den vorausgehenden Ausführungen war zwar gelegentlich von dem in den Chromatophoren eingeschlossenen Pigment die Rede, aber eine genauere Beschreibung der Arten und des chemischen Verhaltens des Pigmentes mußte einem eigenen Abschnitt vor- behalten bleiben. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1303 Schon die große Mannigfaltigkeit im anatomischen und histologischen Bau der Chromatophoren läßt vermuten, daß auch die färbenden Substanzen verschiedenartig, nicht nur in der Farbe, sondern auch in ihrer Anord nung innerhalb der Zelle sein vperden. In der Tat finden wir auch, daß die Pigmente diffus in den Zellen verteilt sind, wie z. B. das blaue Pigment der Nachtfarbe bei Eippo- lyte und Palaemon (Keeble und Gamble, 41, 43; Pouchet, 7ü), oder das grüne Pigment an bestimmten Körperstellen von Caprelliden, welches P. Mayer (58) beschrieben hat, doch erwähnt Mayer, daß bei Caprella dentata das grüne Pigment nicht an Chromatophoren gebunden ist. Schon Pouchet (76) unterscheidet die Chromatophorenpigmente in gelöste und gekörnte, wobei die Körnelung selbst wieder sehr verschieden sein kann, indem das Pigment in Form feinsten Staubes in den Zellen enthalten sein kann, wie z. B. in den Pigmentzellen von Idotea (Matzdorff, 56), oder in den karminroten Chromatophoren von Triehoniseus roseus (Weber, 95), oder es bildet winzig kleine Körnchen, wie die Pigmente der Chromatophoren der Caprelliden (Haller, 28; P. Mayer, 58), oder es bilden sich größere oder kleinere Farbstoffpartikel, die dann so gelagert sind, daß die größeren Teilchen in der Mitte des Zellkörpers, die kleineren in den Verzweigungen liegen. Ein solches Verhalten beschreibt Doflein (14) bei den gelben Chromato- phoren von Leander. Auch große Farbstoffklumpen kommen vor, welche von Dof- lein als Tropfen angesehen werden; auch Matzdorff (56) sowie andere Autoren erwähnen vielfach gefärbte Oeltropfen in den Zellen, so z. ß. bildet das rote Pigment bei Pandalus eine dicke, ölige Flüssigkeit, welche keine Körnchenstruktur erkennen läßt (Franz, 18). Degner (U) teilt die Chromatophoren nach der Beschaffenheit ihrer Pigmente in folgende drei Klassen : 1) mit rein flüssigem Pigmente (rot, orange, gelb, violett, blau), 2) mit flüssiger gefärbter Grundmasse, in der Pigmentkörner von (stets?) anderer Färbung hegen (sepiabraune Körner in gelber Grundmasse, rotbraune bis braunviolette Körner in rötlichgelber Grundmasse), 3) mit rein kör- nigem Pigment (gelb, weißgelb, weißopak). Manche Chromatophoren haben aber verschiedene Pigmente, wie z. B. Siriella armata, bei der die Lateralchromatophoren aus gelbkörnigen und rotflüssigen Abteilungen bestehen. Degner nimmt ebenso wie Keeble und Gamble an, daß die verschiedenen Pigmente in vollständig voneinander getrennten Abteilungen der Chromatophoren sich be- finden. Das ist ein "Widerspruch zu der von ihm früher als allgemein gültig an- geführten Beobachtung, daß die Pigmentschollen durch keine Membran vonein- ander abgegrenzt sein sollen, während Keeble und Gamble eine solche für die einzelnen Abteilungen annehmen, wie auch Bauer (2) für die Chromatophoren von Lemider angibt, daß das Zentrum aus mehreren blasigen Hohlräumen besteht, welche bei maximaler Kontraktion des Farbstoffes diesen vollkommen auf- nehmen; und zwar erfüllt der rote und gelbe Farbstoff getrennte Kammern. Wenn Degners Beobachtung richtig ist, dann kann sie nur für die mono- chromen, aber nicht für die polychromen Chromatophoren Geltung haben. Noch ein zweiter Punkt der DEGNERschen Einteilung erfordert eine Richtigstellung. In den Chromatophoren mit flüssiger gefärbter Grundsubstanz sind die Körnchen durch- aus nicht sicher von anderer Farbe. Hier handelt es sich offenbar nur um Kon- zentration sunt er schiede, wodurch die Körner anders gefärbt erscheinen als die Grundsubstanz. Die flüssigen Pigmente der ersten und zweiten Gruppe Degners erscheinen nur bei schwacher Vergrößerung homogen, bei starker Vergrößerung beschreibt Degner in ihnen eine Ansammlung feinster Tröpfchen. Bei der zweiten DEGNERschen Gruppe lassen sieh in der gleichmäßig gefärbten Grundsubstanz die Tröpfchen weniger deutlich erkennen. Dagegen sind die in der Grundsubstanz ver- teilten grossen runden Pigmentkörner um so auffallender. 1304 R. r. Fuchs Wir wollen nun zu den verschieden gefärbten Pigmenten selbst übergehen. Obwohl die Farbenskala der Körperfarben eine ziemlich reichliche zu sein scheint, so sind doch die eigentlichen Pig- mentfarben auf die verschiedenen Töne von Rot, Gelb, Braun bzw. Schwarz und Violett beschränkt, zu denen noch ein blauer Farbstoff hinzutritt. Das Grün der Körperfarbe ist mit wenigen Ausnahmen durch die Mischung von gelben und blauen Pigmenten hervorgebracht. Außer der bereits erwähnten Angabe von P, Mayer (58) über grünes Pigment bei den Cai)reliiden habe ich nur noch bei Lereboullet (49) die Angabe gefunden, daß bei Astacus zwischen den Maschen im Netzwerk der roten Chromatophoren sehr kleine grüne Flecke liegen, die bei mikroskopischer Untersuchung sich als sternförmige Zellen vom Typus der gewöhnlichen Pigraentzellen zeigen. Endlich gibt es eine nicht unbeträchtliche An- zahl von Crustaceen, welche weißes Pigment besitzen, z. B. Cajyrella grandinia (P, Mayer, 58), Idotea (Matzdorff, 56; Bauer, 1), Leander (Doflein, 14; Deg- NER, 11), Praunus flexuosus (Degner, 11). Bei Sienorhynchus phalangium ent- hielten die Chromatophoren nur weißes Pigment, es fehlte aber gänzlich bei Pandalus annulicornis (Degner, 11). Das rote Pigment ist bei den Crustaceen, wie überhaupt bei allen Meerbewohnern außerordentlich verbreitet, es findet sich insbe- sondere bei den Tieren der Tiefsee und hat schon lange Zeit die Auf- merksamkeit aller Biologen auf sich gelenkt. Gerade das Vorherrschen der roten Färbung bei der Tiefseefauna hat zu verschiedeneu Hypo- thesen über die biologische Bedeutung dieses Farbstoffes Anlaß ge- geben. Es ist kein Wunder, daß man versuchte, unter dem gewaltigen Einfluß der Lehre von der Farbenanpassung diese Rotfärbung durch Nützlichkeit zu erklären, wobei oft die kompliziertesten Speku- lationen sich einer Anhängerschaft erfreuten und als wirkliche Er- klärungen angesehen wurden. So hat Verill (94) die rote Farbe als besonders wirksame Schutzfarbe der Tiefsee angesprochen, weil in dem grünen Lichte des Wassers das Rot die Komplementärfarbe sei, wodurch die Tiere dann schwarz erscheinen würden. Diese Klügelei wird wohl heute niemand mehr ernst nehmen wollen. Eine andere Erklärung auf biologischer Basis wäre durch die bereits schon verschiedentlich betonte Tatsache (Keeble und Gamble, 23, 41 ; Fuchs, 21; Doflein, 14) möglich, daß die Pigmente Produkte des Stoffwechsels seien und durch besondere Stoffwechseländerungen z. B. zur Zeit der Geschlechtsperiode (Fuchs, 21, 22, Erklärung des Hochzeitskleides) besonders reichlich erzeugt würden. Außerdem kommt noch hinzu, daß die Pigmente auch als Teile eines Organ- systems funktionieren könnten, dessen Aufgabe es ist, dem Organismus einen Teil der strahlenden Energie zuzuführen, also als Sensibilisatoren zu dienen, der ohne diese Pigmente verloren gehen würde (Fuchs, 22). Aehnliche Gedanken hat, wie ich jetzt ersehe, schon Weber (95) ausgesprochen, indem er die Pigmente in den Dienst der Wärme- regulation poikilothermer Tiere stellte. Aber ich möchte gerade bezüglich der Rotfärbung der Tiefseefauna darauf hinweisen, daß diejenigen Strahlen, welche in die Tiefe gelangen, nur die längsten Wellenlängen haben können, für deren Absorption dann rot die ge- eignetste Färbung wäre, da sie natürlich auch am ehesten geeignet erscheint, die ultraroten Strahlen, die Wärmestrahlen, zu absor- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1305 bieren, über deren Vordringen in die Tiefe des Weltmeeres wir leider keine Kenntnis besitzen. Die interessanten Versuche von Chun über das Vordringen des Lichtes in die Wassertiefe können uns darüber keinen Aufschluß geben, weil Chun nur die chemisch wirksamen Strahlen mit der photographischen Platte prüfen konnte, die aber die kurzwelligen sind, welche am leichtesten durch die suspendierten Teilchen am Vordringen verhindert werden, wie die Entstehung der Himmelsbläue lehrt, während die roten Strahlen noch durch getrübte Medien hindurchgelangen können, worauf zum großen Teil die Rotfärbung des Abend- und Morgenhimmels mit- beruht. Allerdings kann das Vordringen dieser Strahlen nicht in große Tiefen reichen ; es ist daher von großer Wichtigkeit darauf hinzuweisen, daß nach Newbigin (69) die Rotfärbung der Tiefsee- crustaceen durch den Mangel an Kalksalzen bedingt sein soll, der die Bildung der orangefarbenen Kalkverbindung nicht eintreten läßt. Nach dieser allgemeinen Abschweifung wollen wir zum speziellen Verhalten des roten Pigmentes zurückkehren. Es ist beschrieben worden bei Branchipus (PoucHET, 75) in den Chroqjatophoren der Schwanzgegend, bei verschiedenen Daphnien, insbesondere sind die Siden des Bodensees rot gefärbt (Weismann, 96). Bei Caprelliden (P. Mayer, 58) findet sich ein äußerst fein verteiltes rotes Pigment, ferner von Isopoden bei Idotea (Matzdorff, 56; P. Mayer, 57), bei Trichoniscus roseus (Weber, 95), bei welch letzterem der diffus verteilte karminrote Farbstoff ölartige Beschaffenheit hat, der bei Zusatz von Kalilauge gelöst wird und sich mit Osmium schwärzt, weshalb ihn Weber für ein Fett hielt. Die My siden (Keeble und Gamble, 39, 41) besitzen gleichfalls rotes Pigment. Sehr sorgfältig untersucht wurde aber dieser Farbstoff bei verschiedenen Makruren, so bei Hippo- lyte (Keeble und Gamble, 39, 41, 43), wo er insbesondere mit dem Alter an Menge zunimmt, während junge Tiere wenig rotes Pigment besitzen. Eines der beliebtesten Untersuchungsobjekte stellt Palaemon = Leander dar, wo Pouchet (76) mehr- fache Modifikationen dieses Pigmentes erwähnt. Im gelösten Zustande ist es rosa oder rot, im gekörnten Zustand braun. Daß neben den rein röten Chromato- phoren auch solche mit Beimengung von Gelb und Blau vorkommen, hatten Keeble und Gamble bereits an Hippolyte und Palaemon (39, 41, 43) mehrfach beschrieben, genauer untersucht und sorgfältig abgebildet wurden aber die verschiedenen Chro- matophoren zuerst von Doflein (Fig. 32—36). Die Chrom atophoren von Leander treillanus scheinen vielfach rein rot zu sein, aber meist sind geringe Mengen von Gelb beigemischt, so daß Doflein die Frage, ob es in der Tat rein rote Chro- matophoren gibt, bei diesem Tier unentschieden läßt, weil geringe Spuren gelben Pigmentes sehr leicht von dem in großer Menge vorhandenen roten Pigment verdeckt werden können. In der Tat erwiesen sich die Chrom atophoren in allen genau unter- suchten Fällen als polychromatisch. Diese roten polychromatischen Chromato- phoren sind die zahlreichsten, über die ganze Körperoberfläche verteilt, an einzelnen Stellen, z. B. an den Antennen und Körperanhängen, oft lang bandförmig ausge- zogen, während sie auf den Körperflächen nach allen Seiten reich verzweigt sind. In rein roten Chromatophoren ist der Farbstoff in Tropfen oder Schollen vorhanden, er ist weniger flüssig als der gelbe Farbstoff. Die Hauptmasse des P^arbstoffes ist in eigenartigen homogenen Strängen vereinigt. Besonders dicht liegt das rote Pigment in den Chromatophoren von Leander xiphias, wo es im durch- fallenden Licht schwarz erscheint. Nach Fröhlich (19) soll um die roten Chro- matophoren von Palaemon stets eine gelbe Zone gelegen sein, die, wenigstens nach den Abbildungen dieses Autors, keinerlei Struktur aufweist. Da weder Keeble und Gamble diese homogene gelbe Zone erwähnen, so dürfte es sich wahrscheinhch nur 1306 R. F. Fuchs, Fig. 32. Leander treiUanus, stark lichtbrechende Chromatophoren bei auffallendem Licht, a fast rein weiß, b gelb und rot. (Nach DOFLEIN.) um einen Austritt von gelbem Pigment aus den gelben Chromorhizen handeln, welches das umliegende Gewebe diffus tingiert hat. Die Angabe von Franz (18) über das rote Pigment von Pandalus ist bereits früher erwähnt worden. Kotes Pigment bei Crangon erwähnen besonders Pouchet (76), sowie Keeble und Gamble (39, 43), doch sind die roten Chromatophoren weniger zahlreich als die gelben und violetten. Am längsten bekannt ist das rote Pigment der Astaciden. Schon Rathke (80) erwähnt das Rotwerden verschiedener Krebse nach Konservierung Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere, 1307 \r ^//-rr^- ^^''S^' r Fig. 33. Fig. 34. Fig. 33. Leander treülanus. Monochromatische (?), rote Chroraatopliore. (Nach DOFLEIN.) Fig. 34. Leander xiphias. Rein gelbe Chromatophore. (Nach Doflein.) r/. .. Fig. 36. Fig. 35. Leander treülanus. Rotgelbe Chro- matophore mit reichlich Rot. Längsstreifung der Chromorhizen. (Nach DOFLEIN.) Fig. 36. Leander xiphias. Gelb-rot-blaue Chro- matophore. Netzbildung der Chromorhizen. Blauer Farbstoff in den Chromorhizen zum Teil in Schollen, außerdem im Gewebe zwischen den Chromorhizen. (Nach Doflein.) Fig. 35. 1308 ß. F. Fuchs, in Alkohol. Ferner berichten über die Eotfärbuug von Astacus und Eomarus FociLLON" (15), Lebeboullet (49), Valenciennes (93), Pouchet (76) ; nach letzterem Autor sind die großen roten Pigmentzellen in der Hypodermis sehr zahlreich, sie enthalten ein gelöstes oder sehr fein granuliertes Pigment, dessen Körnchen viel feiner sind als die des gleichzeitig vorhandenen schwarzen. Rotes Pigment wird ferner erwähnt bei Oalathea (Keeble und Gamble, 41), sowie bei vielen Brachy- uren, wovon ich nur Carcinus (Keeble und Gamble, 39, 41; Focillon, 15), so- wie Portunus (Keeble und Gamble, 39) nenne. Das chemische Verhalten des roten Farbstoffes der Crustaceen wurde zuerst von Pouchet (76) eingehender untersucht, weitere wesentliche Beiträge zu dieser Frage brachten besonders die Arbeiten von Heim (29) und Newbigin (69). Nach Heim ist der bei Crustaceen in der Hypodermis und den Eiern vorkommende rote Farb- stoff identisch mit dem roten Farbstoff des Blutes der Crustaceen, der von Heim in Uebereinstimmung mit Halliburton als zur Gruppe der Luteine oder Lipo ehr ome zugehörig betrachtet wird. Auch Newbigin rechnet das rote Pigment zu den Lipochrom en. Dieses rote Pigment wurde von v. Merejkowski (61) bei vielen Wirbellosen, aber insbesondere Crustaceen beschrieben und von ihm Tetronery- thrin bzw. Zoonerythrin genannt, ein Name, der gar nichts über die chemische Stellung aussagt und sicherlich eine Reihe sehr ver- schiedener chemischer Körper umfaßt, die eben nur die rote Fär- bung gemeinsam haben. Die physiologische Bedeutung dieses Farb- stoffes soll für die niederen Tiere dieselbe sein, wie die des Hämo- globins für die höheren. In Wasser ist das Pigment unlöslich (v. Mekejkowski, 61); in konzentrierter Schwefelsäure wird es grün, blau, violett und löst sich endlich vollkommen farblos (Pouchet, 76). Die Blaufärbung konnte auch manchmal mit Salpetersäure erzielt werden (v. Merejkowski, 61). In Alkohol, Aether, Schwefelkohlenstoff, Kreosot ist der rote Farbstoff löslich. Die so erhaltenen Extrakte sind orange bis rot ge- färbt, je nach dem Lösungsmittel und der Tierart. Die alkoholischen Lösungen werden durch konzentrierte Schwefelsäure blau gefärbt, rauchende Salpetersäure erzeugt eine vorübergehende Grünfärbung, dagegen bewirken andere Säuren, sowie Aetzkali und stark oxydierende Substanzen, sowie Jodjodkali keine Veränderung, so daß das rote Pigment als ein sehr beständiger Körper anzusehen ist. Es ist eine schwer reduzierbare Substanz, nur Wasserstoff in statu nascendi entfärbt sie langsam unter Zerstörung des Körpers, denn die dabei entstandenen Substanzen werden bei ihrer Oxydation nicht mehr rot (Heim, 29). Bei Behandlung der alkoholischen Lösung mit Soda (Newbigin, 69) fällt ein orangeroter Niederschlag aus, während die Lösung gelb wird. Aus der roten Kreosotlösung (Pouchet, 76) fällt Schwefelsäure einen grünlichen Niederschlag aus. Die Lösungen in Kreosot und Aether sind beständig und werden vom Licht nicht ver- ändert. Pouchet hat eine Reindarstellung des Pigmentes nach Ausfällung der Eiweißkörper durch Kochen oder andere Eingriffe ver- sucht, wobei die Gewebe mit einer kochenden Mischung von Alkohol und Aether behandelt wurden. Er erhielt auf diese Weise hexa- gonale Kristalle, die in Alkohol, Glyzerin unlöslich, wohl aber in Aether löslich sind. Beim Eindampfen einer Mischung von Alkohol und Aether, welche die Kristalle enthält, bekommt man ein orange- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1309 farbenes Oel und ein diffus rotes Pigment, letzteres ist in Aether oder Benzin löslich. Die Lösung erscheint im auffallenden Licht rot, im durchfallenden blau. Newbigin (69) hat durch ein Darstellungsverfahren, bezüglich dessen auf das Original verwiesen wird, das Pigment in reinem trockenem Zustand als ein rotes Pulver erhalten, das sich in Aether mit Orangefarbe löst, nach Verdampfen des Aethers kehrt die rote Farbe wieder zurück. Das gleiche gilt für die gelbe Lösung in Petroläther. Der Farbstoff ist in Eiweißlösungen leicht löslich. Im Gegensatz zu v. Merejkowski (61) gibt Newbigin an, daß durch Extraktion der Hypodermis von Homarus mit Wasser eine rote Lösung erhalten wird, die dunkler wird durch Hinzufügung einer Spur von Neutralsalzen, wodurch die Globuline in Lösung gehen ; endlich ist das Pigment in Lösungen, die Albuminate enthalten, löslich. Das rote Pigment, welches von Moseley als Cr ustacoerubin bezeichnet worden ist, ist in seinen orange oder roten Lösungen farb- unbeständig. Das trockne Pigment färbt sich mit Schwefel- und Salpetersäure stark blau, welche Farbe gleichfalls unbeständig ist. Die Verbindungen des Pigmentes mit Na. K, Ca, Ba, Mg sind orange gefärbt, sie sind unlöslich in kaltem Alkohol, jedoch löslich in Aether, Petroläther und Benzol. In alkalischen Lösungen sind sie unlöslich, dagegen leicht löslich in Eiweißlösungen, aus denen sie durch alle Eiweiß fällenden Substanzen niedergeschlagen werden. Obzwar das rote Pigment in Fetten löslich ist, so scheint es doch bei den von Newbigin untersuchten Crustaceen nicht in Verbindung mit Fett vorzukommen. Verdünnte Lösungen zeigen ein Absorptions- band bei der Linie F; durch Hitze nimmt das Pigment eine gelbe Farbe an. Mit Rücksicht auf die Verbindungen des roten Pigmentes mit Alkalien und alkalischen Erden, die orange gefärbt sind, erklärt Newbigin die rote Farbe der Tiefseecrustaceen rein chemisch dadurch, daß bei diesen Tieren, die nur wenig Kalk in ihren Schalen haben, die ursprünglich rote Farbe erhalten bleibt, weil die orangefarbenen Kalk- verbin düngen sich nicht bilden können. Obzwar das gelbe Pigment bei Crustaceen ebenfalls sehr häufig ist, so tritt doch seine Menge gegenüber den anderen Farbstoffen, insbesondere gegenüber den roten wesentlich zurück, ja es gibt Tiere, wie z. B. Galathea, bei denen das gelbe Pigment vollständig fehlt mit Ausnahme eines kleinen maxillaren Zentrums (Keeble und Gamble, 39). Besonders erwähnt wird gelbes Pigment bei folgenden Crustaceen: Branchipus (PoucHET, 75), Daphniden, Polijphemus oculus O. F. Müller (Weismann, 96), Caprelliden (P. Mayer, 58), Plironima sedentaria (Mixkiewicz, 63), Idotea (Matzdorff, 56; Bauer, 1), Squilla (Pouchet, 76), Mysiden (Keeble und Gamble, 39, 43), Hipjjohjte (Pouchet, 76; Keeble und Gamble, 23, 39, 43), Palaemon = Leander (Pouchet, 76; Keeble und Gamble, 23, 39, 43), Crangon (Pouchet, 76; Keeble und Gamble, 39, 43), Pandalus (Franz, 18), Homarus (Pouchet, 76; Newbigin, 69), Nephros norwecjicus (Newbigin, 69; Keeble und Gamble, 39), Palinurus (Focillon, 15), Galathea (Keeble und Gamble, 39), Pagurus (Pouchet, 76), Carcinus und Portunus (Keeble und Gamble, 39, 41). Ferner hat Doflein (13) bei einigen Brachyuren der Tiefsee gelbes Pigment erwähnt. 1310 R. F. Fuchs, Die Chromatophoren , welche das gelbe Pigment enthalten, sind zweierlei Art, einmal Zellen, die sich durch ihre besondere Größe aus- zeichnen und einen rundlichen Kern haben, wie z. B. bei Orangon (Pouchet, 7t)) und an den Seiten der Abdominalringe von Palaemon (Pouchet, 76; Doflein, 14). Auch Keeble und Gamble (43) erwähnen, daß in den aus mehr als einer Zelle zusammengesetzten Chromatophoren von Hijypolyte gaimardi stets zweierlei Zellen vorhanden sind, die kleineren enthalten das rote, die größeren das gelbe Pigment. Die andere Art von gelben Chromatophoren ist von Pouchet (75) bei Brafichipus beschrieben worden. Diese Zellen sind seür klein und schwer zusehen, sie bilden ein Netzwerk, „in dessen Maschen die großen Kerne der Hypodermiszellen liegen", was wohl nur so zu verstehen ist, daß sie die Hypodermiszellen vollkommen um- spinnen. Gelbe Chromatophoren finden sich vereinzelt an verschiedenen Stellen des Körpers, reichlich hingegen im Magen, der Leber und dem Darm der Crustaceen (Keeble und Gamble, 39, 41), wo es allerdings durch das oberflächlich gelegene braune Pigment fast ganz verdeckt wird, ferner finden sich gelbe Chromatophoren in großen Mengen an den Thoracalbeinen von Leander treülanus (Doflein, 14). Das Pigment selbst ist in verschieden großen Körnern in den Zellen enthalten (Pouchet, 76; Doflein, 14), die so verteilt sind, daß die größeren Partikel im Zentrum, die kleineren in den Fortsätzen liegen ; manchmal liegen auch große Farb- stoffklumpen ganz vereinzelt zwischen den Fortsätzen. In feinster Verteilung er- scheint der Farbstoff als feines Pulver. Während Keeble und Gamble (39, 41) den gelben Farbstoff als kristallinisch beschreiben, nimmt Doflein (14) einen flüssigen Aggregatzustand an, indem er die großen Teilchen als Tropfen be- zeichnet. Sie fließen auf Druck mit anderen, auch feineren Teilchen zu großen Tropfen zusammen. Große Tropfen sind dunkeiorange, kleine blaßgelb und bei feinster Verteilung durchscheinend oder durchsichtig, so daß sie kaum sichtbar sind. Es ist möglich, daß bei LeawfZer die gelben Chromatophoren die einzigen mono- chromatischen sind. An den polychromatischen Chromatophoren zeichnen sich die gelben Chromorhizen dadurch aus, daß sie länger sind als die roten. Die gelben Chromatophoren zeigen unter verschiedenen Bedingungen Expansion und Retraktion des Pigmentes, doch sind diese Pigmentbewegungen nicht gleichgerichtet mit jenen der roten (Pouchet, 76), das gelbe Pigment reagiert bei Macromysis weniger stark auf Reize, welche das dunkle Pigment aus- breiten, dagegen soll es bei Hippolyte rascher auf Licht reagieren als das rote (Keeble und Gamble, 39, 41). Gelbe Oeltropfen wurden von Matzdoeff (56) bei Idotea beschrieben, während Pouchet (76) bei Crustaceen ganz allgemein stark glänzende gelbe Tropfen erwähnt, die im Gewebe liegen, ohne sich über die nähere Natur dieser Tropfen aus- zusprechen. Endlich wäre noch der diffuse gelbe Farbstoff in der Umgebung der roten Chromatophoren von Palaemon zu erwähnen, den Fröhlich (85) be- schreibt. Ueber das c h e m i s c h e V e r h a 1 1 e n des g e 1 b e n P i g m e n t e s liegt außer einigen Bemerkungen von Pouchet (76) nur die Arbeit von Newbigin (69) vor. Das schwer rein darzustellende Pigment ist leicht löslich in Aether, dagegen nur wenig in kaltem Alkohol und Petroläther. Beim Verseifen der Lösungen bleibt das Pigment im Alkali und wird von- diesem weder durch Hinzufügen von Salzen noch durch Ansäuren getrennt. Durch Hinzufügen von Säuren entsteht eine braune Färbung, aber kein Niederschlag. Im trockenen Zustand ist es gelb gefärbt, gibt mit Schwefel- oder Salpetersäure keine Blau- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1311 färbung, wohl aber mit Salpetersäure Grünfärbung; bei geringen Pigmentmengen wird es orange. Es handelt sich dabei offenbar um eine Oxydation. Dieses gelbe Pigment hält Ne\vbigin im Gegensatz zu Keeble und Gamble, die allerdings keine chemischen Unter- suchungen angestellt haben, nicht für ein Lipochrom, sondern es ist identisch mit dem gelben Pigment der Leber, dem Hepato- chrom, welches als die Stamm Substanz aller Crusta- ceenpigmente anzusehen ist. Das Hepatochrom kann in das bereits vorhandene rote Lipochrom übergehen. Nach Newbigin könnte vielleicht das gelbe Pigment ein U m w a n d ! u n g s - produkt des roten sein; diese Vermutung begründet Newbigin mit dem Hinweis, daß viele Crustaceen in der Dunkelheit rot, im Licht gelb sind. Uebrigens hat auch Faxon die gelben Flecke, welche Tiefseecrustaceen zeigen, als Lichteiuwirkungen auf das rote Pigment gedeutet. Obwohl dieser Farbenwechsel im Dunkel gar nichts für Newbigins Annahme beweist, denn es gibt rein gelbe Chromato- phoren, als auch rote und gelbe Chromatophoren, wo im Licht das Rot bedeutend überwiegt, so kann doch diese Vermutung Newbigins richtig sein; denn für die nahen Beziehungen zwischen rotem und gelbem Farl3stoff sprechen vor allem Dofleins (14) Befunde, daß gelber Farbstoff in allen genau untersuchten roten Chro- matophoren angetroffen wurde; ferner hält auch Megusar (59) das gelbe Pigment für ein Umwandlungsprodukt des roten. Viel besser durchforscht als die Beziehungen zwischen dem gelben und roten sind jene zwischen dem roten und blauen Farbstoff, welche eines der interessantesten Kapitel d^r Physio- logie der tierischen Färbung darstellen, obgleich auch hier unsere Kenntnisse noch nicht über gewisse Anfangsstadien hinaus gelangt sind, und noch manche Widersprüche zwischen den einzelnen Autoren zu klären sind, welche vor allem zum großen Teil dadurch herbei- geführt worden sind, daß es offenbar verschiedene blaue Sub- stanzen gibt, die nicht immer streng auseinandergehalten worden sind, und daß vor allem die periodische Blaufärbung, welche manche Crustaceen zur Nachtzeit zeigen (Keeble und Gamble, 41) den früheren Autoren unbekannt war. Der blaue Farbstoff ist bei Crustaceen in zwei Modifikationen vor- handen, entweder diffus oder in Form von Körnchen. Dieser körnige Farbstoff wurde zuerst bei einer ßeihe von Crustaceen, Astaeus, Hoinarus, Carcinus u. a. von FociLLON (15) als ein kristallinisches Pigment beschrieben, das durch Säuren, auch Magensaft, Alkohol, sowie Kochen sich rot färbt. Dieses kristallinische Pigment ist später von Poüchet (75) bei Branchipus wiedergefunden und ausführlich be- schrieben worden. Die Kristalle haben verschiedene Größe, die größten sind 6 \i breit und 8 fj. lang, doch sind sie meist kleiner, manchmal sogar kaum wahrnehmbar. Sie sollen nicht in anatomischen Gebilden eingeschlossen sein, sondern nur die Protoplasmasubstanz der Chromatophoren äußerlich „bekleiden". Manchmal liegen sie zerstreut, manchmal sehr dicht, wie in der Wand des Verdauungstraktes. Hier scheinen sie auf der Oberfläche der Muskulatur zu liegen ; ferner sollen sie im Myolem quergestreifter Muskeln vorkommen. Es sind rhombische Kristalle. Aehn- Hche kristallinische Körper von etwas unregelmäßigerer Gestalt wurden von Pouchet auch in der Hypodermis der Krabben, besonders im Cephalothorax, den Abdominal- ringen und Schwanzplatten gefunden und ,,Cörulin körner" genannt. Bei Astaeus sind diese Körner entweder um die Kerne der Hypodermiszellen gelagert oder in 1312 R. F. Fuchs, runde oder längliche Zellen eingeschlossen, deren Kerne nach Entfärbung des Pig- mentes durch Schwefelsäure sichtbar werden. Auch Lereboullet (49) erwähnt bei Astacus blaue runde Hypodermiszellen, ohne aber über die Struktur des Farbstoffes Angaben zu machen. Palaemon hat nach Pouchet (75) keine Cörulinkörner. Die Anwesenheit von blauem Pigment in den Chromatophoren von Hippolyte haben Keeble und Gamble (39, 41, 43) mehrfach beschrieben, und zwar findet es sich zur Nachtzeit in einzelnen Fortsätzen der roten Chromatophoren als ein körniges Fett. Bei grün und braun gefärbten Hippolyten ist aber auch in den polychromen Chromatophoren ein blaues Tagpigment vorhanden, welches von der roten und gelben Substanz vollkommen getrennt ist und in seinen Bewegungen gänzlich unabhängig vom roten Pigment ist, es ist un- empfindlich gegen Licht und bleibt dauernd expandiert. Ferner entspringen bei Hippolyte aus Zweigen, die rotes Pigment enthalten, kleine mit blauem Pigment erfüllte Bläschen. Bei Palaemon = Leander wurde in den Chromatophoren neben rotem und gelbem auch blaues Pigment von Keeble und Gamble (43), sowie von DoFLEiN (14) beobachtet, so daß Pouchets Angabe, Palaemon enthalte kein blaues Pigment innerhalb der Chromatophoren, entschieden unrichtig ist. Nach Doflein (14) ist bei Leander treillamis sehr selten blaues Pigment in den Chromatophoren erkennbar, aber hin und wieder finden sich einzelne blaue Chromorhizen von plumper Gestalt, dagegen ist bei Leander xiphias das blaue Pigment häufiger innerhalb der Chromatophoren in Form eines feinen Pulvers zu finden. Eine andere Modifikation des blauen Farbstoffes, welche haupt- sächlich bei Palaemon von Pouchet (75) und Doflein (14) beobachtet wurde, kommt in Tropfen und Schollen von verschiedener Größe außerhalb der Chromato- phoren im Gewebe vor. Endlich ist ein diffuses Pigment gelöst in der Schale und der Hypodermis vorhanden, das bei Homarus, Astacus, Palaemon, Hippolyte, Carcinus beobachtet worden ist. Obgleich i¥acrow?/s^s und andere Mysi den kein blaues Pigment in den Chromatophoren besitzen, so nimmt das Tier in seinen Geweben eine diffuse blaue Nachtfärbung an (Keeble und Gamble, 41). Zu welcher Art von blauem Pigment die vielfachen blauen Färbungen der Daphniden gehören, ist leider aus Weismanns Darstellung nicht ersichtlich. Das blaue Pigment fehlt vollkommen bei /f?o ;- • >'■ .N^ • »■ <■.—■■•■;, ,v*- ■ .^.»^.V '•¥•5 ,>-i -.t "=-< Fig. 41. Leander serratus. Zunahme des Fettes iu den intercellulären Hautmascheu im Laufe des Tages, a 8 Uhr morgens Masehenwerk hell, fettfrei; b 11 Uhr vormittags mäßige Fettmengen iu den Hautmaseben ; c 3 Uhr 30 Minuten nachmittags viel Fett in den Maschen, linke Hälfte hohe Einstellung des Mikroskopes , rechts tiefe Einstellung. (Nach Bauer.) Fett, indem an hungernden Tieren der blaue Farbstoff verschwindet, ebenso nimmt der Fettgehalt der Hautepithelzellen ab, bis sie allmählich ganz fettfrei werden. Die Rolle, welche die Chromatop hören bei der Ueberführung der blauen Substanz in Fett spielen, ist die eines Farbfilters, indem das gelbe Pigment die für die blaue Substanz vorwiegend wirksamen Strahlen allein durchläßt, während das rote Pigment deren Wirkung abschwächt. Die Pigmentverteilung (Expansion und Retraktion) wird durch die Intensität der Beleuchtung vom Auge aus reguliert, so daß dadurch der Farbstoffwechsel geregelt wird. Eine Fettsynthese innerhalb der Chromatophoren bestreitet Bauer, obwohl auch er zugibt, daß der blaue Farbstoff in Form von Klumpen in den Chromatophoren selbst gefunden werden kann. Es läßt sich auch auf Grund der BAUERSchen Anschauung verstehen, daß bewegliches Fett in den Chromatophoren gefunden wird, da bei ge- nügender Beleuchtung auch der blaue Farbstoff innerhalb der Chromatophoren in Fett umgewandelt wird. Der Farbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1321 D, Die Pigmentverschiebungen innerhalb der Chromatophoren. Wir wenden uns nun den Bewegungen des Pigmentes zu, wobei die Frage nach den Triebkräften der Pigm entVerschiebungen diskutiert werden muß. Vor allem haben wir die Frage zu beant- worten, sind die Chromatophoren der Crustaceen amöboide Zellen mit einer eigenen Motilität, oder sind die Zellen selbst in ihrer Form insofern unveränderliche Gebilde, daß ihnen eine aktive Beweglichkeit fehlt? Zunächst soll das Beobachtungs- material aufgeführt werden. Die Formänderungen, die das mikroskopische Bild der Chromatophoren je nach dem Expansionszustande des Pigmentes auf- weisen kann , wechseln von punktförmigen , runden oder unregel- mäßig begrenzten kleinen Flecken bis zu reich verzweigten Ge- bilden , deren Fortsätze mit denen benachbarter Zellen so innig verschmolzen sind, daß eine Diskontinuität nicht sichtbar ist. Ver- schiedene Expansionsphasen sind von Matzdorff (56), sowie Bauer (1) bei Idotea abgebildet worden (Fig. 42 — 44), doch sind die ex- tremsten Expansionen seltener, meist sind mittlere Grade zu beob- achten. Die Zahl und Form der Ausläufer ist verschieden, die Aeste können, wie bereits erwähnt, an einer Seite sehr reich entwickelt sein, während sie an der anderen Seite ganz fehlen oder nur spärlich sind. Die Ausläufer können sich sogar bis in die Epidermis er- strecken, obwohl die Pigmentzellen den tieferen Lagen der Hypodermis angehören, ebenso können auch tiefer gelegene Gebilde wie die Muskeln von ihnen noch umsponnen werden. Die Schnelligkeit, mit der die P'orm Veränderung vor sich geht, ist eine ziemlich große, wenn auch bei verschiedenen Tieren sehr verschieden. Sie wurde zu- erst von Saks (86) an Mysis flexuosa beobachtet. Nach Matzdorff (56) soll die Dauer der Expansion und Retraktion der Chromato- phoren gleich lang sein, doch ist die Geschwindigkeit, mit der die verschieden gefärbten Chromatophoren desselben Tieres ihre Ex- pansion und Retraktion ausführen, sehr verschieden. So sollen nach Matzdorff (56) die weißen Chromatophoren von Idotea wesentlich langsamer als die dunklen reagieren, obgleich auch die weißen vom Zustande stärkster Retraktion in den stärkster Expansion übergehen können. Doflein (14) hat bei Leander die Pigmentverschiebung mikroskopisch verfolgen können, doch war sie an diesem Objekt nie- mals rasch. Bei der Expansion ändert sich nicht nur das Aussehen der Zelle derart, daß die früher nicht sichtbaren Aeste hervortreten, son- dern auch die Konfiguration des Pigmentes selbst weist Veränderungen auf (Keeble und Gamble, 43). Die Pigmente bilden bald feine Körnchen in den Zweigen der Chromatophoren und lassen die Mitte der Zellen frei, oder sie ziehen sich zu einzelnen von- einander getrennten Schollen in den Chromatophorenzentren zusammen, wobei die verschiedeneu Pigmente ihre eigene Art der Bewegung auf- weisen und auf einen gegebenen Reiz verschieden reagieren. Während der Expansion strömt das Endoplasma, welches das Pigment enthält, von den zentralen Zellen in die Zweige aus, bei der Retraktion kehrt sich die Richtung der Strömung um, dabei können beim Rück- strömen des Pigmentes in das Zentrum einzelne Farbstoffkörnchen in 1322 R F. Fuchs, sr<^-e ,» 4 © Fig. 42. ?t -cÄ ß% ■■i>' ö /^ "\ \ Fig. 44. Fig. 43. Fig. 42. Idotea t7-icuspidata. Hraitstück mit Chromatophoren. ch geballte Chro- matophoren, a maximale Ballung, n Kerne der Hypodermis. (Nach Matzdorff.) Fig. 43. Idotea tricuspidata. Expandierte Chromatophoren, bei denen sich die Ausläufer berühren, a "Verschmelzungspunkt zweier Ausläufer, b Ausläufer über anderen Teilen der Chromatophoren gelegen, c ein zwischen Chromatophoren gelegener Ausläufer. (Nach Matzdokff.) Fig. 44. Idotea tricuspidata. Maximal expandierte Chromatophore. n Zellkern. (Nach Matzdorff.) den sonst von Pigment leer gewordenen Zweigen haften bleiben. Solche Pigmentströmungen konnten von Gamble und Keeble (23) auch noch nach dem Tode des Tieres beobachtet werden. Außerordentlich sorgfältig hat Degner (11) die Pigment Ver- schiebungen an den einzelnen Chromorhizen untersucht. Von der zentralen Pigmentmasse rücken einzelne Pigmentkörner in die Chromo- rhizen ein, an denen nun die Achsenstränge deutlich hervortreten. Die Pigmentkörner wandern erst einzeln, dann zu mehreren hinter- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1323 \ / :^-: II Fig. 46. Fig. 45. Stück einer Chromorhize mit strömenden Pigmentkörnchen. Die großen Pfeile geben die allgemeine Richtung der Strömung an, die kleinen die einzelner Körnchenreihen. (Nach Degner.) Fig. 46. Endplatte einer Chromatophore vom Augenstiel. Die Pfeile geben die Bewegungsrichtung der Körnchen an. (Nach Degner.) einander, schließlich in langen, fast ununter- brochenen Reihen, sich streng an die Achsen- stränge haltend (Fig. 45). Dabei ist aber I» die Bewegung an den verschiedenen ^1 Stellen der Chromorhize sehr ver- o' schieden. „Einzelne Reihen gleiten leb- hafter als dicht benachbarte, sie überholen sie bedeutend , bis ihre Schnelligkeit plötzlich ohne sichtbaren Grund sich verlangsamt; dann geraten sie ins Stocken , bleiben stehen, rücken wieder vor." Auch noch viele andere Veränderungen der Geschwindigkeit des Vor- rückens der Pigmentkörner wurden beob- achtet. Ja, an einzelnen Stellen kommt es pj ^- sogar zu rückläufigen Bewegungen. ^^' ' Die Achsenstränge scheinen die Bewegungen zu beschleunigen. In den Endverbreiterungen der Chromorhizen werden die Bewegungen der Pigmentkörnchen vollkommen ungerichtet, wie aus den Pfeilen der Fig. 46 zu ersehen ist. Auf Grund dieser Beobachtungen kommt Degnep. zu dem Resultat, daß bei der Ex- pansion der Chromatophore nur eine Pigmentverschiebung, aber keine am öboide Bewegung vorhanden ist. Die Kräfte, welclie eine solche Aenderung der Pig- mentverteilung bewirken können, können sehr verschieden 1324 ß. F. Fuchs, sein. Zuerst dachte man an eine Gestaltsveränderung der Zelle selbst, die nach Art der Amöben Pseudopodien auszusenden vermag, wie PoucHET (76) annahm, welcher sowohl die Expansion als auch die Retraktion als aktive Vorgänge ansieht. Ihm schließt sich auch Matzdorff (56) an, der annimmt, daß die retrahierte Form der Chromatophoren den Ruhezustand und die Expansion die aktive Phase der Zelle darstelle. Die amöboide Natur der Zellen gehe vor allem daraus hervor, daß bei nacheinanderfolgenden Ex- pansionen die Form der Zelle, Zahl und Anordnung ihrer Ausläufer verschieden sein können und niemals pigmentfreie Aeste gefunden worden sind. Die Zellen senden ihre Ausläufer nach der Seite des geringsten Widerstandes, ohne bestimmte Bahnen. Selbst wenn diese an Idotea erhobenen Befunde für dieses Tier allgemein zutreffen sollten, so können sie nicht auf andere Crustaceen übertragen werden, weil andere Forscher gerade gegenteilige Beobachtungen gemacht haben. Aber auch für Idotea kann aus den MATZDORFFSchen Beobachtungen noch kein Schluß auf die amöboide Natur der Zellen abgeleitet werden, denn welchen Beweis kann Matzdorff dafür erbringen, daß in den aufeinanderfolgenden Expansionen der Chromatophore die Intensität der Expansion immer die gleiche war, so daß nicht nur eine wechselnde Anzahl von Fortsätzen mit Pigment ge- füllt wurden? Nur wenn es möglich wäre, bei einer sicher mehrmals hintereinander maximal expandierten Chromatophore verschie- dene Anordnung der Verzweigungen zu zeigen, dann wäre dieser Schluß zulässig. Dieser Beweis ist bisher nicht erbracht worden und dürfte schwerlich zu erbringen sein. Neuerdings hat auch Minkiewicz (63) wiederum die amöboide Natur der Crustaceenchromatophoren auf Grund von Beobachtungen an Phronima verteidigt. Ja, er will sogar einen neuen Beweis dafür erbracht haben, der, wenn er zwingend wäre, allerdings für die embryonalen Chromatophoren einen Orts- wechsel veranschaulichen würde, indem die Chromatophoren vom Orte ihrer Entstehung (der Magenfalte) längs den Nervenstämmen aus- wandern. Aber die Bilder, die Minkiewicz für diese aktive Wan- derung der Chromatophoren als Beleg beibringt, können niemanden, außer Minkiewicz selbt, davon überzeugen, daß die Chromatophoren- verteilung im sich entwickelnden Organismus durch aktive Wan- derung der Chromatophoren erfolgt ist. Solange Minkiewicz oder irgendein Autor nicht direkt das Weiter kriechen an einer und derselben Chromatophore gesehen hat, kann die aktive Ortsveränderung der Chromatophoren nicht als erwiesen gelten; und dieser Beweis ist bisher noch nicht erbracht worden. Ich möchte noch erwähnen, daß Minkiewicz außerdem unabhängig von den amöboiden Bewegungen eine Bewegung der Pigmentkörnchen in der Zelle annimmt. Wenn wir also alles zusammenfassen, so müssen wir sagen: bisher ist kein bindender Beweis dafür erbracht worden, daß die Chromatophoren der Crustaceen amö- boide Zellen sind. Eine andere Erklärungsmöglichkeit könnte diskutiert Averden im Hinblick auf die von Keeble und Gamble (41) gegebene Abbildung einer Chromatophore aus dem Telson von Macromysis ßexuosa (Fig. 28). Man könnte die fibrillär gestreiften Fortsätze, welche sich mit einem kernhaltigen Teil an dem durch eine Membran abgegrenzten Teil des Chromatophorenkörpers ansetzen, für Muskeln halten, wie die Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1325 Radiärfasern der Cephalopodenchromatophoren. Eine solche Deutung dieser scheinbar cellulären Gebilde ist nicht a limine von der Hand zu weisen, denn man muß bedenken, welchen Aufwand an Arbeit es kostete, bis die muskuläre Natur der Radiärfasern sichergestellt wurde. Wir kennen bis heute keine einzige Tatsache, die für eine solche Deutung sprechen würde, außer einer gewissen morphologischen Aehnlichkeit , es sind niemals F o r m v e r ä n d e r u n g e n dieser verzweigten Fortsätze beobachtet worden, welche einen Kontraktionsakt derselben wahrscheinlich machen, und endlich ist durch die Beobachtungen von Franz (18) über das Stäbeskelett und von Degner (U) über die Achsenfäden eine andere Erklärung der fibrillären Struktur möglich, als daß wir sie auf eine kontraktile Sub- stanz beziehen müßten, wozu ja überhaupt das Vorhandensein fibril- lärer Strukturen kein genügender Grund ist. Alles in allem ist die Möglichkeit, daß Muskelkräfte bei dem Expansions- und Koutraktions- akt der Crustaceenchromatophoren im Spiel sein könnten, höchst un- wahrscheinlich, ja so gut wie ausgeschlossen. Es bleibt uns nur noch eine dritte Möglichkeit übrig, die Pig- mentbewegung zu erklären, nämlich die, daß das Pigment sich in präformierten Bahnen bewegt infolge von Plasma- strömungen, welche in der Zelle auf eine, wenn auch noch nicht näher gekannte, Weise erzeugt werden. Welche Beobachtungen lassen sich nun für diese Annahme anführen? Keeble und Gamble (41) sowie Degner (11) haben bei Macromysis flexuosa beobachtet, daß nach wiederholten Reizungen stets die gleichen Zen- tren und Fortsätze zu sehen waren, und halten diese Beobachtung für beweisend, daß das Pigment sich in präformierten unveränderlichen Bahnen bewege. Ich kann die Bündigkeit dieses Schlusses nicht anerkennen; wenn ich auch an der Richtigkeit dieser Beobachtung nicht im geringsten zweifle, so liegt doch auch eine andere Erklärungsmöglichkeit der Beobachtung vor. Da die Chromatophoren nicht in einem mit Flüssigkeit erfüllten Hohlraum, sondern zwischen den Gewebszellen gelegen sind, so stehen der Aussendung von Pseudopodien nur die Intercellular- räume der benachbarten Gewebe zur Verfügung. Solange sich aber diese in ihrer Konfiguration nicht ändern, muß bei einer gleich inten- siven Expansion oder Retraktion immer das gleiche Bild der Anord- nung der Pseudopodien entstehen, solange wir nicht annehmen wollen, daß die Pseudopodien die Zellen der Umgebung selbst durchsetzen. Es kann also die Konstanz der Konfiguration der Chro- matophoren nicht als Beweis gegen ihre amöboide Natur angesehen werden. Dagegen scheint die von den englischen Autoren geraachte Beobachtung, daß bei polychromen Chromato- phoren die verschiedenfarbigen Pigmente an bestimmte Fortsätze gebunden sind, so daß ein und dasselbe Pigment sich nur immer in den bestimmten Fortsätzen hin und her bewegt, sehr entschieden gegen die amöboide Natur der Chromato- phoren zu sprechen. Denn die Anhänger der Amöbentheorie müßten zu außerordentlich gekünstelten Hilfshypotheseu ihre Zuflucht nehmen, um diese Erscheinung zu erklären. Aber ihnen bleibt ein anderer Ausweg off'en, indem sie die feste Struktur für die polychro- ma tischen Chromatophoren, die diese Konstanz aufweisen, zugeben, für die monochromatischen als nicht bewiesen gelten lassen, 1326 ß. F. PucHs, weil ja auch sonst große Strukturverschiedenheiten vorhanden sind, so daß es wohl neben amöboiden Chromatophoren auch solche geben könnte, bei denen die Pigmentströmung innerhalb fester Bahnen statt- findet, da doch verschiedene Autoren, ich nenne nur Leydig, Bieder- mann und POUCHS, an Amphibien (siehe diese) und anderen Tieren echte Chromatophoren beobachtet haben , deren Pigment im Gegen- satz zu allen anderen Chromatophoren der Umgebung sich nicht an der allgemeinen Reaktion beteiligte. Uebrigens hat neuer- dings DoFLEiN (14) bei einigen Crustaceen (Äcanthephyra, Gennandas, Sergio) rote Chromatophoren beobachtet, welche während der ganzen Dauer der Beobachtung keine Zeichen von Pigmentbewegung erkennen ließen, und Minkiewicz (63) erwähnt, daß es ihm bei Phronima nicht gelungen ist, die expandierten Chromatophoren durch Licht oder andere Mittel zur Retraktion zu bringen. Gegen die amöboide Natur wurde von Franz (18) die Vielkernigkeit der Chromatophoren angeführt, aber diesem Argument fehlt jede Beweis- kraft , da doch bei Rhizopoden , also Tieren , welche zweifellos Pseudopodien aussenden, eine Vielkernigkeit bekannt ist. Schwerer- wiegend ist dagegen als Gegenbeweis das Vorhandensein des Stäbeskelettes anzusprechen, aber auch dieses würde eine Aus- sendung von Pseudopodien nicht unmöglich machen, da ein solches bei den Foraminiferen und anderen Radiolarien bekannt ist. Endlich hat Franz auch die fibrilläre Struktur der Fort- sätze als unvereinbarlich mit ihrer amöboiden Natur angesehen, auch dieser Gegenbeweis ist nicht absolut bindend. Als weitere Be- weise gegen die amöboide Natur der Chromatophoren wurde von Keeble und Gamble sowie von Franz das Zurückbleiben von Pigmentresten in einzelnen Chromatophorenästen sowie die Sichtbarkeit pigmentfreier Verzweigungen angeführt. So beweiskräftig diese Beobachtungen auf den ersten Blick erscheinen könnten, so sind sie es doch nicht. Denn pigmentfreie Fortsätze sind nicht immer zu sehen, da Keeble und Gamble erwähnen, daß sie bei Macromysis flexuosa und inermis während des Lebens zu sehen sind, aber bei Hippolyte nicht zu beobachten waren. Auch Degner (11) gibt an, daß vollständig pigmentfreie Fortsätze an Fraunus nicht zu sehen sind. Man könnte zu der Hilfshypothese Zuflucht nehmen, daß sie bei Hippolyte zu fein sind, um ohne Pigment erkannt zu werden. Uebrigens läßt sich das Vorhandensein von pigmentfreien Fortsätzen oder Pigmentresten in ihnen nach Biedermann (8) ganz gut mit der amöboiden Natur der Zellen vereinbaren, wenn man an- nimmt, daß das Pigment in einem Cytoplasma sich vorwärts bewegt, daß aber das letztere sich langsamer bewege als das Pigment selbst, und daß die Bewegung desCytoplasmas erst einen gewissen Grad erreicht haben muß, bevor das Pigment in die bereits ausgestreckten Fortsätze hineinströmt. Diese Annahmen sind keineswegs haltlose Hypo- thesen, sondern haben manche Analoga in den Protoplasmabewegungen der Einzelligen. Wenn wir alles Für und Wider sorgsam abwägen, so können wir nur sagen, daß einzig und allein das Verhalten der poly- chromatischen Chromatophoren die Annahme unwahr- scheinlich macht, daß die Chromatophoren amöboide Zellen seien, alle übrigen angeführten Gründe sprechen nicht Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1327 absolut gegen den amöboiden Charakter der Pigmentzellen bei den Crustaceen, so daß ein bindender Beweis erst noch erbracht werden muß. Der strenge Kritiker wird die Frage wenigstens für die mono- chromatischen Chromatophoren unentschieden ansehen, obgleich die Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß sich das Pigment in prä formierten Bahnen bewegt. Wahrscheinlich sind die Pigmentbewegungen durch Strömungen hervorgerufen, welche nach Keeble und Gamble durch eine Turgeszenzänderung der zentralen Teile der Chromatophore entstehen. Daß solche Schwankungen in der Tat vorkommen, haben die englischen Autoren an den Chromatophoren alter Mysiden gesehen, bei denen manchmal Endigungen der Chromatophorenzweige bersten, und das Pigment sich in die umgebenden Gewebe ergießt. Diese Turgor- schwankungen können herbeigeführt werden durch das Licht und unter dem Einfluß des Nervensystems. Daß erhebliche Turgor- Schwankungen auf äußere Reize erfolgen können, ist bei Pflanzen wohlbekannt, ich nenne nur die Blattbewegungen von Mimosa pudica und die Turgorveränderungen der chlorophylhaltigen Zellen um die Stomata, welche durch Licht hervorgebracht werden. Man könnte natürlich auch den Turgorschwankungen der die Chromatophoren umgebenden Zellen einen Einfluß auf die Pigmentbewegungen zuschreiben, da ja auch dann rein passiv Konfigurationsänderungen der Zelle mit verschiedener Pigmentverteiluug entstehen müßten, in- dem bei einer derartigen Verkleinerung der Intercellularlücken das Pigment aus den Fortsätzen in die Zentra gepreßt würde, um bei Nachlassen des Gewebsturgors wieder in die Fortsätze auszuströmen. Ob solcherweise entstandene Strömungen praktisch vorkommen, wissen wir nicht, aber ihre theoretische Möglichkeit muß zugegeben werden. E. Nervenendigungen an den Chromatophoren. Da alle Autoren, gleichgültig wie sie sich auch den Mechanismus der Pigmentverschiebung in der Zelle denken, annehmen, daß die Impulse dazu den Chromatophoren auf dem Wege der Nervenbahn zugeleitet werden, so haben wir zunächst die anatomische Voraus- setzung dieser Anschauung zu untersuchen, indem wir fragen: welche anatomischen Verbindungen lassen sich zwischen den Nerven und den Chromatophoren nachweisen? Während wir über die Nervenendigungen an den Chromatophoren der Cephalopoden bereits gut unterrichtet sind, muß unsere Kenntnis von den Nerven- endigungen an den Crustaceenchromatophoren als eine sehr mangel- hafte bezeichnet werden, da es sich immer nur um gelegentliche Be- funde bei anderen Fragestellungen handelt, die Frage selbst aber niemals zum Hauptausgangspunkt einer histologischen Untersuchung gemacht worden ist, trotzdem sie es in mehr als einer Beziehung verdienen würde. Weber (95) hat an Goldchloridpräparaten von Philoseia beschrieben, daß die Chromatophorennerven aus verzweigten, in der Haut gelegenen Zellen entspringen, welche mit ihren Ausläufern deutlich untereinander und mit einer Chromato- phore in Verbindung stehen, in welcher erst wenig Pigment abgelagert ist. An Methylenblaupräparaten von Palaemon konnte Retzius (82) beobachten, daß die Nervenfasern der Haut sich den Chromatophoren nähern, wobei feinste perlschnurartige Fäserchen sich an die Fortsätze der Chromatophoren an- 1328 R. F. FüCHs, legen und sie sogar umspinnen, wobei eine besondere Art von Nervenendigungen nicht zu erkennen war, aber es muß angenommen werden, daß eine innige Berührung, ein Kontakt zwischen den Nerven und Chromatophoren vorhanden sein muß. Da- gegen gibt vomRath (79) an, daß an Methylenblau- und Chlorsilberpräparateu in der Haut der Arthropoden freie verästelte Nervenendigungen an den Chro- matophoren von ihm beobachtet wurden. Leider konnte ich aus dieser Arbeit nicht ersehen, ob und für welche Crustaceen dieses Verhalten zutrifft. End- lich hat HoLMGREN (35) bei Palaemon vielfach miteinander anastomosierende multi- polare Chromatophoren ge- / /^ sehen, die mit dem Peri- / jj/^ neurium eines vor- / •'^ beiziehenden Nerven in Verbindung stehen, die nach der beigegebenen Abbildung (Fig. 47) eine sehr innige zu sein scheint. hu' Fig. 47. Palaemon. Tangentialschnitt durch die Haut der Telsonplatte. Teils starkj teils wenig pigmentierte Chromatophore. (Nach HOLM- GKEN.) Neuerdings hat Degner (11) bezweifelt, daß die von Retzius als Nervenfasern beschriebenen Klümpchen und Fäserchen wirklich Nervenfasern sind. Degner hat gleichfalls Methylen blaupräparate und zwar von Leander untersucht (Fig. 48), fand aber keine Umspinnung der Chromatophoren durch Nerven- fasern, doch legen sich Nervenstränge an die Chromatophoren an, ohne daß ein Zusammenhang der beiden Gebilde erwiesen werden konnte. Fig. 48. Leander treillanus. Methylenblaupräparat der Uropoden. der gefärbten Nerven zu den Chromatophoren. (Nach Degner.) Lagebeziehung Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1329 Mit diesen kurzen Angaben sind leider unsere Kenntnisse auf diesem Gebiete erschöpft, alier so viel scheint doch sicher zu sein, daß Nervenendigungen oder ein Kontakt zwischen Nervenfasern und Chromatophoren vorhanden ist, wenngleich uns auch über die Art dieses Kontaktes zurzeit noch eine genauere Kenntnis fehlt. F. Entwicklungsgeschichte der Chromatophoren. Eine einheitliche abgerundete Darstellung der Chromatophoren- entwicklung bei den Crustaceen läßt sich zurzeit noch nicht geben, da unsere Kenntnisse noch viel zu lückenhaft sind, um die Verschieden- artigkeit der einzelnen Beobachtungen zu einem geschlossenen Ganzen zu vereinigen. Wenn auch einzelne Beobachtungen bei den ver- schiedenen Crustaceenarten wiederkehren, so daß sie wohl als allge- meine Entwicklungsregeln anzusehen sind, so findet man andererseits solche Verschiedenheiten bei den einzelnen Arten, daß sie als charakte- ristische Merkmale für die einzelnen Arten von den Autoren ange- sehen werden. Da die verschiedenen Autoren, Pouchet (76), Keeble und Gamble (39 — 41, 43) sowie Minkiewicz (63) an verschiedenen Tieren ihre Untersuchungen angestellt haben und außerdem noch sehr verschiedenen Detailfragen der Entwicklung ihr Augenmerk zuwandten, so wird die Darstellung außerordentlich erschwert und kann sich nicht über das Niveau einer losen Aneinanderreihung mehrfach wider- sprechender Beobachtungen erheben, da bei der ganzen Sachlage eine kritische Prüfung der einzelnen Angaben unmöglich ist; dazu fehlen vor allem systematische Untersuchungsreihen, die ein Abwägen der einzelnen Beobachtungen gegeneinander zulässig erscheinen ließen. Wir begnügen uns deshalb, kurz referierend die einzelnen Arbeiten darzustellen. Pouchet (76) hat zuerst die Entwicklung der Chromatophoren bei Homarus untersucht. Es sind bereits gut entwickelte rote Chromatophoren vorhanden, wenn der Dotter noch die Hälfte des Eies einnimmt. Es sind nicht granulierte Zellen mit Kernen von 5 — 6 [i, welche sich bereits kontrahieren. Zu gleicher Zeit erscheinen auch die gelben Chromatophoren, welche einzelne Tröpfchen des Farbstoffes ent- halten. Beide Arten sind über den ganzen Körper zerstreut und liegen in der Hypodermis, sowie auf der Oberfläche der Muskeln. Das rote Pigment liegt in der Mitte des Zellkörpers, ist scharf begrenzt, flüssig, durchsichtig von scharlachroter Farbe. Bei Palinurus tritt gleichfalls zur selben Zeit das Pigment im Ei auf. Crangon vulgaris zeigt zur Zeit, wo der Dotter ein Drittel des Eies einnimmt, bereits rote, gelbe und violette Chromatophoren, wobei die roten überwiegen, besonders in der Nachbarschaft der Kopf anhänge. Später, wenn die gelben und violetten Chromatophoren ihre Fortsätze aussenden, ist das rote Pigment nicht mehr so aus- gedehnt. Es erscheinen noch weitere Chromatophorengruppen an den Kopfanhängen und zuletzt kleine Gruppen auf der Medianlinie in der Nähe des Bauchstranges. Die roten Flecke sind bei ihrem Auftreten stets kleiner als die gelben und blauen. In den roten Pigmentzellen bildet das Pigment einen scharf begrenzten Fleck, manchmal sind auch zwei solche Flecken vorhanden. Die kleinen roten spindel- förmigen Zellen haben ein durchscheinendes nicht granuliertes Protoplasma mit einem etwa doppelt so langen wie breiten Kern, welcher einen Nucleolus aufweist. Die gelben und blauen Chromatophoreu sind kleiner als die roten, von un- regelmäßiger Form und zeigen bereits frühzeitig Fortsätze. Ihr Pigment ist schwach, manchmal nur teilweise gefärbt und bildet in der Mitte der Zelle einen unscharf be- Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 84 1330 R. F. Fuchs, grenzten Fleck. Der Zellkern ist rund. Demnach stellen die roten Zellen einerseits und die gelben und blauen andererseits je eine Kategorie von Zellen dar. Bewegungs- erscheinungen können bei den gelben und blauen Chromatophoren bereits in be- trächtlichem Umfange beobachtet werden, während die roten kaum solche erkennen lassen. An einer anderen Stelle heißt es ganz im Gegensatz zu den früher erwähnten Angaben : „es scheint, daß das gelbe Pigment früher erscheint als das rote." Wir wenden uns nun zu den leider nicht sehr übersichtlichen und oft schwer verständlichen Angaben von Keeble und Gamble (39 — 41, 43). Der Schwer- punkt dieser Untersuchungen liegt einmal darin, daß sie die Entwicklung der Chro- matophore als vielzelliges Organ darstellen und die verschiedene Ent- wicklung der einzelnen Gruppen bei verschiedenen Crustaceen verfolgen. Als allgemeine Regel für die Entwicklung des Chromatophorensystems sowohl der Schizopoden als auch der Decapoden, wie Hippolyte und Palaemon gilt, daß die Chromatophoren auf ihrer ersten Entwicklungsstufe aus einem un verzweigten Körper bestehen. Sobald die Pigmentzellen sternförmig geworden sind, beginnt das Pigment zu funktionieren, so daß man bereits am Embryo Pigmentbewegungen beobachten kann. Trotzdem die Entwicklung des Chromatophorensystems in ge- wissen allgemeinen Zügen bei den Crustaceen gleiches Verhalten zeigt, so differiert sie doch in einzelnen Punkten, ja es unterscheidet sich sogar die Entwicklung der einzelnen Chro- matophorengruppen bei dem gleichen Tier. Wir wollen mit der Entwicklung der Chromatophoren bei den Mysiden beginnen und die Verhältnisse bei Macromysis flexuosa schildern. Bei jungen Embryonen von 2 mm Länge, welche aus der Bruttasche des Weib- chens entnommen worden sind, sind bereits einzelne Gruppen von Chromatophoren vor- handen. Zuerst entwickelt sich die neurale Gruppe, dann die kaudale Gruppe, die ebenso wie die erstgenannte sich in der Richtung von vorn nach hinten weiter aus- bildet; zuletzt erscheint die viscerale Gruppe. Bei etwas älteren Embryonen treten dann einzelne Abteilungen der akzessorischen Gruppe noch hinzu, so daß vor der Geburt bereits alle Zentren der drei Hauptgruppen und einige der akzessorischen in ihrer endgültigen Stellung bereits vor- handen sind. Näher verfolgt wurde die Entwicklung einiger neuraler Zentren. Die Chromatophoren dieser Gruppe entwickeln sich als Proliferationen der Epidermis, welche die embryonalen Ganglien bedeckt, und senken sich in die tieferen Gewebe. Sie sind Einwüchse aus mehreren Zellen bestehend und umgeben ein kernloses körniges pigmentiertes Protoplasma. An einer anderen Stelle erwähnen die Autoren, daß diese Einwüchse Bläschen sind, die ungefähr aus einem Dutzend Zellen be- stehen, welche um einen zentralen Hohlraum angeordnet sind, in welchen sie ihr Pigment hinein sezernieren. Die Zellen wachsen dann zu den einzelnen Teilen der Gruppe aus und bleiben bis zu einem späten Stadium der Entwicklung unpigmentiert. Nach der Geburt erfolgen nur geringe und unwichtige Aenderungen in den Chro- matophorenzentren, die in einer Teilung der Abdominalzentren in mehrere Abteilungen bestehen und in der Ausbildung einiger neuer akzessorischer Zentren- Denn zur Zeit, wo der Embryo bereits alle Hauptzentren des erwachsenen Tieres hat, sind nur die Hauptzweige dieser Zentren vorhanden, die endgültige Ausbildung des ganzen Systems ist aber noch nicht erreicht, weshalb die Farbenmuster des erwachsenen Fig. 49. Hippolyte gaimardii. Jugendstadium einer Chromatophore vom erwachsenen Tier. (Nach Keeble und Gamble.) Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1331 Tieres noch nicht vorhanden sind, sie bilden sich erst später aus. Was nun die Pigmente selbst anbelangt, so ist bei den jüngsten Embryonen in den neuralen Zentren nur ein Pigment vorhanden, das bei feiner Verteilung dunkelbraun er- scheint; es fehlt selbst bei reifen Embryonen noch immer die gelbe reflektierende Substanz, dagegen enthalten die kaudalen Zentren von allem Anfang an die gelbe Substanz, zu der später das dunkelbraune Pigment hinzutritt. Bei Crangon viiUjaris läßt sich die Entwicklung des Chromatophorensystems folgendermaßen kurz charakterisieren. Im jüngsten Stadium ihrer Entwicklung be- steht die Chromatophore aus einer sternförmigen Bindegewebszelle. Später treten Kerne in den verzweigten Zellfortsätzen auf, während im Chromatophoren- zentrum ein oder mehrere Kerne beobachtet werden. Die Zellfortsätze selbst sind Hohlräume, die von einer stark lichtbrechenden festen Randpartie begrenzt werden und in ihrem Innern ein bewegliches Endoplasma enthalten. Beim Embryo ent- wickelt sich ein zentralisiertes System, das aus einer kaudalen und neuralen Gruppe besteht, während die viscerale fehlt; ferner treten zerstreute sekundäre Gruppen auf. Im Mysisstadium ist das zentralisierte System bereits vollständig entwickelt und kann vollkommen mit dem primären System von Macromtjsis verglichen werden. Das sekundäre System hingegen entwickelt sich nur langsam und ist nur zum Teil dem Mysidentypus vergleichbar. Es entwickelt sich aber gegen Ende des Larven- lebens sehr schnell, indem neue Zentren in der dorsalen Oberfläche der Haut hinzu- kommen, während in der ventralen Oberfläche noch die neurale Gruppe vorherrscht. Schließlich überwiegt an der dorsalen Oberfläche das sekundäre System vollkommen über das primäre und bildet die graue Farbe des erwachsenen Tieres. Jedes Zentrum und dessen Teile sind von einem rotweinfarbenen Pigment und einer gelb reflektierenden Substanz erfüllt, welche bereits vor der Geburt Bewegungserscheinungen zeigen; das violette Pigment er- scheint erst später. Endlich sei noch die Entwicklung des Chromatophorensystems bei Hippolyte varians in seinen Hauptzügen geschildert. Die Chrom atophoren entwickeln sich von einer Zelle oder einer Gruppe von Zellen und bestehen immer aus einer Zell- gruppe, deren breitere zentral gelegene Enden zusammenlaufen, um einen zentralen Körper zu bilden, während die peripheren Enden zu einem verzweigten Röhren- system aus wachsen, dessen Randpartien die Kerne enthalten. In diesen Zellen ist das rote und gelbe Pigment enthalten, während in neu hinzutretenden gleichfalls verzweigten Zellen das blaue Pigment und Fett vorhanden ist. Aus einer Chromato- phore können durch ungleiche Teilung oder Knospung neue entstehen, die entweder wie in den Muskeln eine Zeitlang miteinander in Verbindung bleiben, oder sich bald voneinander trennen, wie es in der Haut der Fall ist. Die hauptsächlichsten Gruppen zeigen bei Hippolyte eine ähnliche Anordnung wie bei Orangon. Zur Zeit des Aus- schlüpfens besitzt die Zoea ein gut entwickeltes neurales und kaudales Zentrum, dagegen nur Andeutungen einer visceralen und einer kleinen akzessorischen Gruppe. Die einzelnen Zweige der Gruppen sind gut entwickelt und lassen die Bewegungen des eingeschlossenen Pigmentes deutlich erkennen. Zahl und Anordnung der einzelnen Zentra ist konstant. Die Entwicklungsvorgänge im Mysisstadium wurden nicht be- obachtet, sondern erst wieder bei Tieren, welche bereits seßhaft geworden sind. Die verschiedenen Farben des heranwachsenden Tieres sind zurück- zuführen auf Unterschiede im sekundären Chromatophorensystem. Obgleich das im Embryo angelegte und bei der weiteren Entwicklung voll aus- gebildete primäre Chromatophorensystem während des ganzen Lebens bestehen bleibt, so ist es doch für die Färbung und Zeichnung des erwachsenen Tieres ohne Be- deutung, weil es von dem gleichfalls in frühen Entwicklungsstadien erscheinenden sekundären System vollkommen überwuchert wird, welches die endgültige Fär- bung und Zeichnung bestimmt. 84* 1332 R. F. EucHs. Ueber das Verhalten der Pigmente selbst ist folgendes zu berichten. Das Anfangspigment kann rot oder gelb sein und kann sich ohne Hinzutreten einer neuen Farbe wesentlich vermehren. Da nun durch Knospung oder Abzweigung neue Chromatophoren entstehen, die miteinander in Verbindung bleiben, so entstehen aus sieben oder acht birnförmigen Zellen zusammengesetzte Komplexe, welche alle das gleiche Pigment enthalten. Die Zoea besitzt ein zentralisiertes Chromatophoren- system, das rotes Pigment und eine gi'ünlich reflektierende Substanz enthält, nur das gelbe Pigment erscheint später, während das blaue gewöhnlich zwar später als das rote aber früher als das gelbe zur Beobachtung gelangt, jedoch unter besonderen Ver- hältnissen kann es entweder gleichzeitig oder sogar früher als das rote vorhanden sein. Sobald der Nerveneinfluß sich auf die Pigmentbewegung geltend macht, ent- steht im Licht das gelbe Pigment und kann unter Umständen sogar über das rote überwiegen. Wir haben hier nur die Entwicklung des Pigmentes bei den Haujittypen der Crustaceen dargestellt, bezüglich der anderen Arten muß auf das Original verwiesen werden. Weiter haben wir über die Untersuchungen von Minkiewicz (62) zu berichten, welcher die Entwicklung der Chromatophoren an Phronima sedentaria verfolgt hat. Bei diesem Tier erscheinen die Chromatophoren erst in relativ späten post- embryonalen Entwicklungsstadien bei ausgeschlüpften Larven, welche ihre erste Häutung vollendet haben, in den Magenfalten des Digestionstraktus. Vorher haben sich aber bereits die Chromatophoren des Auges entwickelt und in zwei Gruppen geteilt. Die Chromatophoren der dorsalen Magenfalte vermehren sich sehr rasch durch direkte Teilung, von denen ein Teil im Magen verbleibt, während die anderen in die Gewebe der Umgebung auswandern und in die verschiedenen Körperregionen und das ganze Nervensystem allmählich vordringen, wobei sie die Nervenstämme als Bahnen benützen. Sobald die Chromatophoren die Scheren er- reicht haben, werden die ursprünglich violetten Pigmentzellen bräunlich, bei welcher Farbenveränderung die carpalen Drüsen von Einfluß zu sein scheinen. Degner (II) hat an Embryonen von Prauniis (2,4 mm Länge) die Chromato- phorenentwicklung beobachtet. Er findet die Zellen von einer einheitlichen Membran umschlossen, deren Inhalt nicht ganz vom Pigment erfüllt ist. Die Zellen sind sehr chromatinreich und zeigen zahlreiche spindelförmige Kerne, sowie Andeutungen der Chromorhizen , so daß hier fast die gleichen Bilder vorliegen wie beim erwachsenen Tier. Von einem zentralen Sack, wie ihn Keeble und Gamble beschrieben haben, der von peripheren Zellen durchbohrt wird, ist nichts zu erkennen. Da eine nicht zu verkennende Gesetzmäßigkeit in der Anordnung der einzelnen Chromatophorensysteme vorhanden ist, welche so groß ist, daß Keeble und Gamble ihr sogar taxin omischen Wert zu- erkennen, so liegt es nahe, zu fragen, auf welche Weise diese Konstanz der Färbung erreicht wird, ist sie vererbt oder vom Einzelindividuum erworben, oder sind beide Faktoren in gleichem Maße an der Ausbildung des endgültigen Färbungszustandes beteiligt. Schon Matzdorff (56) hat sich diese Frage für die ver- schieden gefärbten J(io^ea- Varietäten vorgelegt und in der Weise be- antwortet, daß die verschieden gestreiften und gebänderten Arten von einer einfarbigen Stammform abstammen, aus der sie dadurch hervorgegangen sind, daß der Aufenthaltsort Färbungsveränderungen hervorrief, die weiter vererbt wurden. Allerdings ist die Begründung dieser Annahme ganz auf den Boden der Mimicryhypothese gestellt und steht leider auf sehr schwachen Füßen, Aus den monochromati- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1333 sehen Tieren sollen die einstreifigen Arten dadurch entstanden sein, daß bei aufgehellten Tieren, die durchsichtig sind und die dunkle Medianlinie des Darmes durchscheinen lassen, es notwendig war, diese dunkle Linie zu verdecken, weshalb sie zur Ausbildung des weißen Pigmentes Veranlassung gab. Etwas Unphysiologischeres als eine solche Argumentation kann es gar nicht geben. Man muß doch zu- nächst fragen, unter welchen Bedingungen diese Aufhellung von Idotea eintritt, und ob diese die normalen Aufenthaltsbedingungen sind. Das ist nun keineswegs der Fall, denn Idotea lebt meist auf mehr oder weniger dunkel gefärbten Seegrasarten, während die Auf- hellung nur auf einem hellen Untergrund vorhanden ist; und dann noch eins: ist vielleicht eine weiße Linie auf einem durchsichtigen Körper nicht ebenso zu sehen wie eine dunkle? Ein Nutzen der weißen Färbung wäre nur auf einem weißen Grunde vorhanden, wenn der weiße Untergrund das durchsichtige Tier gleichfalls weiß er- scheinen läßt. Die zweistreifigen Arten sind nach Matzdorff vielleicht aus den einstreifigen Arten entstanden, indem sich die Anpassung an die Nervatur der Zos^'em-Blätter vervollkommnet hat; aus den ge- streiften entwickeln sich endlich die gefleckten Formen, um „die Zahl der bewohnbaren Pflanzen zu vergrößern". Die unbeweg- lichen Chromatophoren läßt Matzdorff aus beweglichen entstehen, weil an manchen Stellen des Körpers die Zeichnung unverändert bleiben mußte, um die Nachahmung der Schutz gewährenden Pflanzen- teile stets innezuhalten. Daß derartige vollkommen unphysiologische Deutungen uns keinen befriedigenden Aufschluß über die Genese der Tierfärbung geben können, braucht wohl nicht noch ausführlicher be- gründet zu werden. Auch Keeble und Gamble (39, 41, 43) haben wiederholt diese Fragen diskutiert. Da das primäre Chromatophorensystem der Mysiden bereits im Embryo vollkommen an gel egt ist und in bezug auf Anordnung, Zahl und Lage der einzelnen Zentren bei den verschiedenen Arten eine nahezu absolute Konstanz zeigt, so muß es als ein vererbtes angesehen werden. Das gleiche gilt auch für das sekundäre System. Bei den Decapoden bestimmt das sekundäre Chromatophoren System die endgültige Zeichnung und Färbung. Da das primäre System im Verlaufe der Ent- wicklung gleichfalls vollkommen ausgebildet ist, so scheint es gleich- falls vererbt zu sein. Die Entstehung des sekundären Systems aus dem primären ist zurzeit noch unerklärt und damit auch das Problem der Vererbung der Farbe. Immerhin muß darauf hingewiesen werden, daß z. B. Crangon bereits während des pelagischen Lebens die Haupt- züge seines sekundären Systems aufweist, und daß die Zeichnung und Färbung der erwachsenen Exemplare von Crangon und Falaemon konstant sind und sich direkt entwickelt haben, so daß bei diesen Tieren wohl auch das sekundäre System wahrscheinlich vererbt sein dürfte. Dagegen sind bei Hippolyte trotz der Konstanz der verschiedenen Zeichnungen der einzelnen Varietäten diese Muster indirekt ent- standen, denn hier wechselt nicht nur die Anordnung, Lage und Zahl der Chromatophorenzentren, sondern auch die Art und Weise, wie die endgültige Zeichnung und Färbung des Tieres erworben wird, indem die einfarbigen erwachsenen Arten sowohl aus ein- 1334 ß. r. Fuchs, farbigen als auch aus gestreiften und gefleckten Jugend formen hervorgegangen sein können. Das heranwachsende Tier hat ein besonderes Farbenrauster, das sich in weitem Umfange in Beziehung zum primären System der Zoea entwickelt, aber dieses primäre System wird, trotzdem es be- stehen bleibt, von dem sekundären System verdeckt, das für die er wachenen Tiere die Zeichnung und Färbung bestimmt. Das primäre System ist zweifellos vererbt, vielleicht auch noch die Zeichnung des heranwachsenden Tieres, aber die Endfärbung des erwachsenen Tieres ist das Resultat der Umgebung. Die englischen Autoren denken daran, daß nach Aufgabe des pela- gischen Lebens zur Zeit des Sichfestsetzens der Tiere je nach der Art des Seegrases, auf dem sie sich niederlassen, verschiedene Kom- plexe von Licht und Schatten auf das Tier fallen, so daß an den vom Licht getroffenen Stellen die Chromatophoren retrahiert und an den beschatteten Stellen expandiert sind. Unter der allerdings noch nicht erwiesenen Voraussetzung, daß im Expansionszustand das Chromatophorenwachstum begünstigt werde, während es bei Retraktion verlangsamt werde, könnten dann entsprechende Licht- und Schattenstellungen zu persistierenden Zeichnungen Anlaß geben. Bei diesem Erklärungsversuch handelt es sich im Prinzip um eine Anlehnung an die Anschauungen, welche Wiener (97) über die Be- einflussung der Tierfärbung durch das Licht entwickelt hat. Es kann zugegeben werden, daß die verschiedenen Ausbreitungszustände für die Entwicklung der Chromatophoren von entgegengesetzter Wirkung sein können, denn in der Entwicklungsmechanik wird mit derartigen wachstumshemmenden und wachstumsfördernden mechanischen Fak- toren vielfach operiert, und ich selbst habe in meinen Untersuchungen über die Entwicklungsmechanik des Gefäßsystems vielfach von diesen Erklärungsmöghchkeiten Gebrauch gemacht. Nur darf eines bei solchen Begründungen nicht übersehen werden: ist es möglich, eine Tatsache dafür anzuführen, daß die Expansion die Entwicklung der Chromato- phoren fördert? An Crustaceen sind derartige Versuche überhaupt noch nicht angestellt worden, weshalb diese Voraussetzung nicht mehr und nicht weniger als eine Petitio prinzipii ist. Wir kommen auf diese Fragen noch mehrfach zurück in den Kapiteln über Fische und Amphibien. Könnte man heute mit Sicherheit entscheiden, daß die Expansion der aktive und die Retraktion der passive oder Ruhezustand der Chromatophoren wäre, dann wäre die obige Annahme schon einigermaßen gestützt, denn man könnte an die Wachstums- förderung denken, die durch die Tätigkeit bedingt ist. Aber einer- seits ist es möglich, daß sowohl die Expansion als auch die Retraktion aktive Prozesse sind, zumal wenn die Pigment- bewegungen durch Strömungen infolge Turgoränderungen der Zellen hervorgerufen werden, wie Keeble und Gamble selbst annehmen. Andererseits ist es aber viel wahrscheinlicher, daß die Expansion der Ruhe und die Retraktion der Tätigkeit der Zelle entspricht. Wie sollen nun die durch das Licht erzeugten Schattenbänder manifest werden? Das wäre doch nur möglich, wenn der Schatten stets auf die gleiche Körperstelle fiele; dazu dürfte sich der Stand der Sonne nicht ändern, also eine Voraus- setzung, die unerfüllbar ist, und außerdem dürfte das Tier keine Orts- veränderungen aufweisen. Endlich können scharf begrenzte Schatten Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfimktion der Tiere. 1335 in einem Wald von Zosteren doch nur an den äußersten Rändern entstehen, denn im Innern dieses dichten Waldes herrscht ein gleich- mäßiges Halbdunkel, oder wir wollen richtiger sagen, ein zerstreutes diffuses Licht ohne Vorherrschen einer bestimmten Strahlenrichtung, so daß scharf begrenzte Schlagschatten gar nicht entstehen können. G. Physiologie des Farbenwechsels. 1. Die allgemeinen Erscheinungen des Farben wechseis der Crustaceen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Farbenwechsel der Crustaceen in der Hauptsache durch die Expansion und Retraktion des in den Chromatophoren enthaltenen Pigmentes be- dingt wird, daneben spielt aber auch die Umfärbung der Tiere durch Neubildung von Pigmenten, bzw. Vermehrung und Verminde- rung bereits vorhandener Pigmente eine sehr bedeutende Rolle. Dieser Mechanismus der Umfärbung ist schon während der Ent- wicklungsperioden der Crustaceen vorhanden, da, wie wir bereits gesehen haben, die verschiedenen Chromatophoren ver- schiedene Pigmente besitzen, oder polychromatische Chromatophoren vorhanden sein können. In beiden Fällen entstehen aber die ver- schiedenen Pigmente zu verschiedenen Zeiten, woraus eine mehr oder minder ausgesprochene Umfärbung resultieren muß. Diese Umfärbung kommt aber auch am erwachsenen Tiere vor, sie ist besonders von Keeble und Gamble, sowie von anderen Autoren an üippolyte varians beobachtet worden, wenn das Tier von einer Pflanze auf eine anders gefärbte übergeht. Bis zu einem gewissen Grade gehört auch der periodische Tag- und Nachtfarbenwechsel zu den Um- färbungen, da bei ihm ein neues Pigment erscheint. Andererseits spielen auch bei ihm die Verteilungen der schon vorher vorhandenen Pigmente innerhalb der Chromatophoren eine gewisse Rolle, so daß er eine Mittelstellung zwischen dem einfachen Farbenwechsel (Pigment- bewegungsfarbenwechsel) und der Umfärbung einnimmt. Schon aus der Art des Mechanismus, wie der Farben Wechsel und die Umfärbung zustande kommen, geht hervor, daß die Verände- rungen der Farbe nicht ganz plötzlich erfolgen können, wie etwa bei den Cephalopoden, wo es sich um eine Kontraktion von Muskeln handelt, sondern es müssen größere Zeitintervalle hierzu erforderlich sein, welche außerdem verschieden groß bei verschiedenen Tieren sind und auch besonders von den Bedingungen abhängen, unter denen die Beobachtungen angestellt werden. Die kürzeste Zeit für den Farbenwechsel von llippoJyte und Macromysis haben Keeble und Gamble (39, 41) beobachtet, indem dunkle Tiere auf einem hellen Untergrund (in einer weißen Porzellanschüssel, die mit weißem Musselin überspannt war) innerhalb ^U—l Minute vollkommen transparent wurden. Andererseits braucht die Aufhellung in der Dunkelheit je nach der Tageszeit und dem Zustande des Tieres 10 Minuten bis 2 oder mehrere Stunden. Auch Sars (86) hat an Mysis flexuosa das Dunkelwerden innerhalb Vi Stunde beobachtet. Für Idotea gibt Matzdorff (56) als das Minimum der Zeit der Ex- pansion der Chromatophoren 3 — 5 Minuten an, als Durchschnitt 10 — 20 Minuten. In Bauers (1) Versuchen an Idotea war das Minimum 1336 ß. F. Fuchs, für die Retraktion des Pigmentes 7 Minuten , für die Expansion 22 Minuten, so daß Bauer selbst auf die auffallenden Unterschiede in der Geschwindigkeit der Expansion und Retraktion hinweist, während Matzdorff direkt angibt, daß die beiden Vorgänge gleiche Zeit be- anspruchen ; solche Widersprüche sind eben nur dadurch erklärlich, daß die früheren Autoren unter ganz verschiedenen Experimental- bedingungen arbeiteten, die eine Vergleichung der Resultate unter- einander nicht ermöglichen. Uebrigens hat von den älteren Autoren bereits Pouchet (74) angegeben, daß bei Palaemon der Farben- wechsel auf verschiedenem Untergrund verschieden rasch erfolgt, in- dem der Uebergang von Hell zu Dunkel schneller von statten geht als in umgekehrter Richtung, „im letzteren Falle ist er in 24 Stunden noch nicht beendet''. Desgleichen haben Keeble und Gamble (41) bei Palaemon und Macromysis auf dunklem Untergrund eine sehr rasche Expansion der Pigmente beobachtet. Bei Anüocra mediterranea hat Mayer (57) einen Farbenwechsel nicht direkt beobachten können, er ist aber zweifellos vorhanden, denn dieser Isopode ändert seine Farbe mit derjenigen der Fische, auf denen er lebt, aber der Farben- wechsel ist wohl außerordentlich langsam, so daß er bei einer nicht sehr langen Beobachtungszeit gar nicht direkt wahrgenommen werden kann. Vielleicht darf man das Gleiche auch für Phronima sedentarla annehmen, da es Minkiewicz (63) durch keinen künstlichen Eingriff gelang, einen Farbenwechsel hervorzurufen. Außerdem gibt es nach Matzdorff (56) einige schwarzbraun gefärbte Wo^e« -Varietäten, welche selbst im hellsten Sonnenlicht und in einem völlig belichteten weißen Gefäß ihre dunkle Farbe bewahren. Solche Beobachtungen hat wohl jeder Autor gemacht, der seine Versuche über Farbenwechsel an einem großen Versuchsmaterial angestellt hat, und sowohl Bieder- mann (8) als auch Fuchs (21) haben ausdrücklich betont, daß es unter den Versuchstieren immer einzelne gibt, die aus unbekannten Gründen keinen oder nur einen unvollkommenen Farben- wechsel aufweisen, die deshalb zu solchen Versuchen unbrauch- bar sind. Von bedeutendem Einfluß auf den Umfang und die Geschwindig- keit des Farben wechseis scheint das Alter der Tiere zu sein, in- dem jüngere Exemplare einen besseren Anpassungsfarbenwechsel zeigen als erwachsene, worüber sehr interessante V^ersuche von Keeble und Gamble (43) an Hijjpolyte vorliegen. Junge, durchscheinende, fast farblose Tiere wurden auf braunrotes Seegras gesetzt. Bei mehreren Tieren war bereits am folgenden Tage eine Anpassung an die Farbe des Grases bemerkbar. 11 von den 17 Versuchstieren zeigten sie am 2. Tage. Auf grünen Pflanzen wurden sie im Verlauf eines Tages grün. In einem anderen Falle wurden junge, farblose Hippo- lyten auf grünem Gras binnen 3 Tagen seegrün, einige von diesen grünen Tieren wurden auf braunes Gras gesetzt und wurden inner- halb 3 Tagen braun. Im grünen Stadium wurde viel gelbes und blaues Pigment gebildet, aber wenig rotes, dagegen im braunen Stadium das rote bedeutend vermehrt und das blaue vermindert. Ist dagegen bereits r e i c h 1 i c h P i g m e n t v o r h a n d e n , w i e beim Erwachsenen, dann reagieren dieTiei'e sehr langsam auf die veränderte Farbe ihrer Umgebung. Es scheint, daß die Tiere zur Zeit, in der sie von der pelagischen zur festsitzenden Lebensweise übergehen, in hohem Grade die Fähig- Der iParbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1337 keit besitzen, Schutzfärbungen auszubilden, dagegen wird im Alter das Chromatophorensystem mehr stereotyp und kann sich den Farben- veränderungen der Umgebung nur langsam oder gar nicht mehr an- passen. Von großem Interesse ist die Beobachtung Gambles und Keebles (23), daß ein erwachsenes grünes Tier langsam, im Verlauf mehrerer Wochen auf braunem Seegras braun wurde, während die Rückverwandlung in Grün rascher erfolgte. Bei Wiederholung des Versuches an freilebenden Exemplaren zeigten sich die Tiere ent- weder ganz unem])findlich oder reagierten noch langsamer. Ebenso- wenig gelang es Degner (11). an Idoiea derartige Umfärbungen zu beobachten. Da nun die Farbenveränderung durch verschiedene Pflanzen bei Erwachsenen nicht sehr groß ist, sehr langsam und auch im Dunkeln erfolgt, so kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die schützende Wirkung dieser Umfärbungen nur etwas ganz Sekundäres sein kann, daß die Art des Stoffwechsels in erster Linie die Färbung bedingt. Gerade die stärkere Anpassungs- möglichkeit der jungen Tiere spricht dafür, denn sie können ihren Stoffwechsel leichter umformen als die Erwachsenen. Inwieweit die verschiedenen Pflanzenfarbstoffe der Nahrung selbst von Bedeutung für die Umfärbung sind, werden wir in einem späteren Kapitel be- sprechen. Ferner zeigt sich nach den Untersuchungen von Matzdorff (56) an Idoiea, daß geschwächte oder kranke Tiere einen sehr langsamen Farbenwechsel haben, ja er kann sogar ganz fehlen. Hierher gehört wohl auch die von Keeble und Gamble sowie von DoFLEiN (14) gemachte Beobachtung, daß die P'arben der Tiere in der Gefangenschaft abblassen. Auch höhere Kon- zentrationen des S alz Wassers (2— 2.62 Proz.) Verlan gsamen den Farbenwechsel beträchtlich. In gleicher Weise wirken niedere Temperaturen des Wassers, ja, bei 10^ oder weniger war über- haupt kein sicherer Farbenwechsel mehr zu konstatieren. Schon lange vorher hatte Jourdain (37) angegeben, daß der Farbenwechsel von Nica bei Temperaturen von 5—6*' sehr verlangsamt ist. Alle Autoren stimmen darin überein, daß das Licht der mächtigste Faktor der Farbenveränderung ist, was ja um so weniger verwunderlich ist, als gerade diese Energieform als der adäquate Reiz für die Chromato- phoren angesehen wird. Es besteht geradezu eine gewisse Abhängig- keit z wischen der Schnelligkeit der F a r b e n v e r ä n d e r u n g und der Intensität der Beleuchtung, denn im Sonnenschein erfolgt die Farbenveränderung rascher als im diffusen Licht, bei hellem Wetter rascher als im Winter. Allerdings sind in den früheren Versuchen eine Reihe von Fehlerquellen enthalten, die nicht erlauben, alle diese Wirkungen nur auf die Intensität des Lichtes, d. h. der sichtbaren Strahlen zu beziehen, denn im direkten Sonnenlicht, sowie im zerstreuten Licht sind unter verschiedenen Bedingungen verschie- dene Mengen ultravioletten Lichtes enthalten, welches nach Hertels (33) Untersuchungen eine außerordentlich intensive Wirkung auf die Pigmentzellen hat. ferner ist der Gehalt an Wärmestrahlen ein wechselnder, die ja auch für die Schnelligkeit der Reaktion von Bedeutung sind. Aber durch die Versuche von Keeble und Gamble ist wohl sichergestellt worden, daß die Intensität des Lichtes für die Schnelligkeit der Reaktion von ausschlajigebender Bedeutung ist, so daß die letztgenannten Forscher sogar allgemein eine Beziehung der 1338 R. F. Tuchs, Geschwindigkeit der Farbenänderung zur Intensität des Reizes an- nehmen. Einen besonderen Einfluß auf die Intensität des Farbe n - wechseis soll nach Minkiewicz (63) die Häutung ausüben, denn auch alte Hiiipolyten sollen nach der Häutung die Fähigkeit haben, sich der Farbe des Grundes anzupassen, indem sie bei der Häutung die verlorengegangene Plastizität der Chromatophoren wieder erlangen. Doch konnte Doflein (14) an frisch gehäuteten Leandern keine sicheren Befunde in dieser Richtung konstatieren. Neuerdings hat MeguSar (59) vielfache Einflüsse der Häutung auf den Farben- wechsel beschrieben, die aber einen einheitlichen Einfluß der Häutung auf die Tierfärbung nicht erkennen lassen. Was den Umfang des Farben wechsels bei den Crustaceen anbelangt, so ist er bei den verschiedenen Arten sehr verschieden, indem er von farblos, hell, braun zu schwarz oder verschiedenen Tönen von rot übergehen kann, wobei orange und gelbe Zwischen- stufen auftreten, ja, wenn blaues Pigment vorhanden ist, können auch grüne Farben erscheinen. Wenn wir von den echten Umfärbungen und dem Auftreten der blauen Nachtfarbe absehen, so können wir wohl sagen, daß der in der freien Natur vorkommende Farben Wechsel durch Pigmentverschiebung sich in mittleren Grenzen hält, zumal auf Grund verschiedener An- gaben anzunehmen ist, daß die Chromatophoren unter mittlerer Be- leuchtungsintensität einen mittleren Expansionszustand aufweisen. Dagegen soll bei Hippolyte das Pigment am Tage fast vollständig expandiert sein (Keeble und Gamble, 41). Andererseits gibt es Tiere, wie z. B. Crangon, welche trotz verschiedenfarbiger Pigmente, doch nur ein sehr geringes Farbenspiel zeigen, obwohl gerade durch die Anwesenheit verschiedener Pigmente eine größere Mannigfaltigkeit der Farbenveränderung erreicht wird; denn die einzelnen Pigmente reagieren in verschiedener Weise auf einen gegebenen Reiz und außerdem verschieden zu verschiedenen Zeiten. Keeble und Gamble formulieren ihre Anschauung dahin, daß sie sagen, der Farbenwechsel, welcher unter bestimmten Bedingungen auftritt, ist kein einfacher gesetzmäßiger Reflex, wie ein physikalischer Versuch, sondern es zeigen sich zeitweise Verschiedenheiten, denn die drei vorhandenen Pigmente (rot, gelb, blau) können unabhängig voneinander innerhalb der Zelle verteilt sein. Außerdem besitzen die Chromato- phoren einen eigenen Rhythmus der Reaktion, welcher als Nach- wirkung der Tag- und Nachtbewegung verschieden ist, woraus dann die verschiedene Geschwindigkeit der Reaktion erklärlich ist. Trotz der englischen Autoren wollen wir an der reflektorischen Natur des Farbenwechsels festhalten, wir müssen nur zugestehen, daß es uns bis heute noch nicht möglich ist, alle bestimmenden Fak- toren dieses komplizierten Reflexmechanismus zu erkennen. Denn sobald wir die reflektorische Natur des Farbenwechsels leugnen, stehen wir ganz unerklärbaren Phänomenen gegenüber und müssen zur züch- tenden Allmacht, zur Lebenskraft und anderen mystischen Dingen unsere Zuflucht nehmen. Außer von Sars (86) ist niemals ange- nommen worden, daß der Farbenwechsel der Crustaceen ein will- kürlicher sei, außerdem liegt nur eine einzige Angabe über einen eventuell psychisch bedingten Farbenwechsel von Eisig vor, welcher bei einer Squilla mantis, auf die ein junger Octopode Der FarbenwecLsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1339 losschoß, plötzlich lebhafte Rotfärbung am ganzen Körper auftreten sah (Schmidtlein, 88). An dieser Stelle sei noch einer höchst merkwürdigen BeobachtiTng DoFLEiNs (14) gedacht , wo eine Veränderung der F ä r b u n g von Leander eintrat, ohne daß die Chromatophoren einen Anteil daran haben. Leander treillanus hat eine durchsichtige Chitinschale, sowie sehr durchsichtiges Muskelfleisch, auch die übrigen Organe sind durchscheinend. Leander xiphias besitzt diese Eigen- schaften in noch weit höherem Maße. Werden diese Tiere durch Heraus- nehmen aus dem Wasser oder durch Fallenlassen auf den Boden oder durch eine Operation stark gereizt, so tritt plötzlich eine mehr oder weniger starke Trübung ihrer inneren Organe auf, welche scheinbar durch Trübwerden des Blutes hervorgerufen wird. Sobald der Shock vorübergegangen ist. verschwindet die Trü- bung nach V4 — V2 Stunde. Die Tiere, welche sich nicht erholen können, nehmen vollkommen milchweiße Färbung an. Auch vor der Häutung, sowie bei normalen Tieren können solche Trübungen gelegentlich beobachtet werden. Diese Trübung ist von Bauer (2) genauer untersucht worden und als eine Folge desUebertrittes von fein verteiltem Fett in d a s B 1 u t erkannt worden. Sobald der Chymus in den Mittel- darmanhang von Leander eintritt, verschwindet seine blaugrüne Fär- bung, wobei gleichzeitig in der Umgebung eine wolkige Trübung auftritt, die sich allmählich über den ganzen Körper ausbreitet, so daß das anfangs transparente Tier nun im Ganzen milchigweiß erscheint. Diese Ausbreitung der Trübung vom Mitteldarm kann durch künst- liche Eingriffe (starke Reize), wodurch starke Bewegungen des Tieres ausgelöst werden, herbeigeführt werden. Bei hungernden Tieren tritt aber bei den gleichen Einwirkungen keine entsprechende Veränderung ein, es ist höchstens ein schwaches Opalisieren der Muskeln zu beobachten. 3. Einfluß der Umgebung. Wir wollen uns nun in den folgenden Abschnitten dem speziellen Verhalten des Farbenwechsels zuwenden und zunächst den Einfluß der Umgebung auf die Färbung untersuchen. Daß ein solcher vorhanden ist, wird eigentlich von allen Autoren angenommen, denn sonst hätten nicht Malard (54), Matzdorff (56) sowie Keeble und Gamble (23, 41. 43) so ausführlich die Uebereinstimmung von Fär- bung und Zeichnung der Hippolyte und Idotea mit der Farbe der Wohnpflanze beschrieben. Diese Farbenübereinstimmung veranlaßte Gamble und Keeble (23) experimentell zu prüfen, ob verschieden gefärbte Hippolyten die zu ihrer Farbe passende Pflanze aufsuchen, wenn verschieden gefärbte Pflanzen den Versuchstieren geboten werden. In der Tat ergaben die Versuche eine volle Be- stätigung dieser Voraussetzung. Wenn wir gar noch hinzufügen, daß wie bereits erwähnt, auch noch Um färb u n gen der Tiere entsprechend der Wohnpflanze zu beobachten sind, was allerdings von Degner (11) nicht bestätigt werden konnte, dann könnte man sich vollkommen der Meinung Matzdorffs (56) anschließen, daß es sich hier um eine „verbergende'' Schutzfärbung handelt. Diese Anschauung scheint noch weitere Stützen darin zu finden, daß für Macromysis eine 1340 R. F. Fuchs, entsprechende Uebereinstimmung mit der Farbe des Grundes von Keeble und Gamble (41) beobachtet ist, indem das Tier auf sandigem Grunde durchsichtig farblos, in trüber Umgebung grau, in tiefem Wasser dunkel erscheint, so daß die Färbung mit dem Hell oder Dunkel der Umgebung übereinstimmt. Auch Matzdorff (56) hebt hervor, daß helle Exemplare von Idotea den Aufenthalt auf empor- ragenden Pflanzen, dunkle den Aufenthalt auf dem Boden vorziehen. Auch bei Daphnien, insbesondere Sida cristalUnn, hat Weismann (96) gefunden, daß in Seen kristallhelle Exemplare leben, in Sümpfen dagegen gelblich und rötlich gefärbte Exemplare. Auch an Hippolyte haben Gamble und Keeble (23) gesehen, daß die Tiere in seichtem Wasser heller sind als in tiefem. Weitere Beispiele ließen sich noch in großer Zahl aus den Beobachtungen P. Mayers (58) an Caprel- liden, Dofleins (14) an Leander anführen. Die Bedeutung der Farbe des Untergrundes für die Farbe der Tiere wird später noch ge- nauer behandelt werden. Trotzdem die Farbenanpassung als Schutzfärbung eine so stichhaltige und noch dazu außerordentlich bequeme Erklärung der beobachteten Tatsachen zu sein scheint, haben eine Reihe von Autoren an dieser fast zum Dogma gewordenen Auffassung zu rütteln gewagt. So macht P. Mayer (58) darauf aufmerksam, daß grüne und braun- rote Exemplare von Caprella acutifrons nebeneinander auf Ascidien vorkommen und kommt zu dem Schluß, daß das Chro- mat o p h o r e n s p i e 1 nicht d e r A n p a s s u n g au d i e U m g e b u n g diene, denn dazu ist es bei dem raschen Ortswechsel der Caprel- liden zu langsam. Er glaubt vielmehr wie Weber (95), daß die Pigmente dazu dienen, die Wärmestrahlen zu absorbieren. Howell (36) (zit. Gamble und Keeble, 23) weist darauf hin, daß die angebliche Schutzfärbung von Hippolyte sowohl im Lichte, wie im Dunkeln stattfindet, was von Gamble und Keeble (23) bestätigt wird. Ferner hat Herdmann (32) betont, daß die Farbenverände- rungen von Hippolyte niemals in kurzer Zeit erfolgen, und außerdem stimmt die angepaßte Farbe nicht mit der neuen Wohn - pflanze überein, Beobachtungen, die gleichfalls von Keeble und Gamble (43) mehrfach bestätigt wurden, ja sie konnten beobachten, daß manche Individuen von Hippolyte überhaupt keinen Farben- wechsel zeigten, wenn sie von einer Pflanze auf eine anders gefärbte gesetzt wurden (43). Die vielfach beobachtete Erscheinung, daß die in den oberfläch- lichen Wasserschichten lebenden Tiere hell, die Bodenbewohner dunkel gefärbt sind, kann keineswegs als eine primäre Schutz- färbung angesehen werden, sondern in diesen Fällen handelt es sich um eine gesetzmäßige reflektorische Beeinflussung der Chromato- phoren durch das Licht und die Helligkeit des Untergrundes, worauf später noch genauer eingegangen werden wird. Dem Licht als farbenbestimmenden Faktor spricht auch Doflein (14) eine große Bedeutung zu, indem er darauf hinw^eist, daß man nur in stark erleuchteten, geringeren Tiefen eine große Farbenmannigfaltigkeit findet, in der dunklen Tiefsee herrscht Einförmigkeit. Decapoden, welche in geringen Tiefen leben, aber dem Licht entzogen sind, er- scheinen stets pigmentarm oder farblos. Mit derselben Anschauung hat bereits Leydig und nach ihm viele andere das Fehlen des Pig- mentes bei Höhlentieren erklärt, worauf bereits hingewiesen wurde. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1341 Besondere Beachtung verdient auch das Verhalten der Daph- niden. Weismann (96) hebt ausdrücklich hervor, daß die Anpassung der Färbung an die Umgebung eine sehr weitgehende ist, dagegen sind die lokalen besonders lebhaft gefärbten Flecke un- abhängig von der Umgebung, sie kommen sowohl bei glashellen Tieren in den Seen oder gelben Tieren in den Sümpfen vor. Es sind nach Weismann „Schmuckfarben". Aber gerade diese Deutung ist eine erhebliche Inkonsequenz, denn diese lebhaften Schmuckfarben machen ja jede Farbenanpassung an die Umgebung vollkommen illusorisch, sie würden die hochzeitlich geschmückten Weibchen gerade zu jener Zeit ihren Feinden verraten, wo ihnen ein Schutz durch Farbenanpassung, bzw. unauffällige Färbung am aller not- wendigsten wäre. Weisen doch sonst die Anhänger der Schutz- färbung gerade auf die meist unscheinbare Färbung der Weibchen als einen notwendigen und hervorragenden Schutz hin. Ueberall läßt uns die Anschauung von der Schutzfunktion auf Widersprüche stoßen, die nur durch gewagte Hilfshypothesen dürftig verdeckt werden können. Wir müssen uns nach einer anderen befriedigenderen Erklärung der Funktion der Pigmente umtun, wie es Semper (89), Weber (95), P. Mayer (58) bereits versucht haben. Ebenso hat Fuchs (20, 22) betont, daß die Pigmente Produkte des Stoffwechsels darstellen, welcher von den äußeren und inneren Existenzbedingungen geändert wird, und zur gleichen Anschauung haben sich auch Keeble und Gamble (40, 41) sowie Doflein (14) bekannt. So sagen die engli- schen Autoren, daß die Erscheinungen, welche die Pigmente zeigen, nicht ausschließlich durch die Schutzfärbung erklärt werden können. Die Chromatophoren sind Zentren von Stoff wech sei kräften, die nicht nur Pigment bilden, sondern auch zerstören und andere Sub- stanzen daraus bilden, deren Funktion wir noch nicht kennen. Gerade mit Bezug auf den blauen Farbstoff, welcher bei vielen Crustaceen vorkommt, fragen Keeble und Gamble, ob nicht vielleicht die blaue Substanz, welche zur Nachtzeit auftritt, und der eine Schutzwirkung nicht zugesprochen werden kann, vielleicht eine besondere Bedeutung für denStoffwechsel der Tiere hat, wie es in der Tat durch Bauer (2) nachgewiesen wurde. Doflein (14) geht in seinen Hypo- thesen sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Chromatophoren den Drüsen vergleicht, deren Sekret das Pigment sein soll. Ja die Bildung des blauen Pigmentes wäre als ein Fall von innerer Sekretion anzusehen. Doflein hat diese Hypothese, speziell für die Bildung des blauen Farbstoffes, noch weiter ausgesponnen, doch will ich darauf nicht näher eingehen, da sie einstweilen nur Hypo- these ist und durch Bauers (2) Versuche bereits überholt ist. 3. Einfluß der Eriiährung und chemischer Agentien. Bei den verschiedenen Versuchen über Umfärbung von Hippolyte auf verschieden gefärbten Pflanzen drängt sich unwillkürlich der Ge- danke auf, daß die verschiedenen Pflanzen färb Stoffe, welche mit dem Futter aufgenommen werden, die Umfärbung der Tiere bewirken könnten, wenn sie resorbiert werden. Sie brauchen dazu nicht einmal unverändert im Tierkörper abgelagert zu werden, sondern es können dabei nur jene Komponenten resorbiert werden, welche zur Bildung gleichgefärbter Pigmente im Tierkörper 1342 ß. F. Fuchs, Veranlassung geben. Als Stütze der Anschauung, daß die ümfärbung durch die Pflanzenfarbstoffe der Nahrung herbeigeführt werde, kann die Langsamkeit der ümfärbung in erster Linie angeführt werden. Der Einfluß der Nahrung auf die T i e r f ä r b u n g und im speziellen auf die Farben der Crustaceen ist schon lange diskutiert worden, seitdem Spence Bäte und Westwood (91) angegeben haben, daß die Farbe von Idotea durch das Futter beeinflußt werde, indem Tiere, die sich von Fucus ernähren, dunkel, schwarz, während die grüne Algen fressenden Tiere grün sein sollen. Möbius (64) glaubt aber, daß die Nahrung keinen Einfluß auf die Färbung habe, weil er sowohl bei schwarzbraunen Tieren, als auch bei einigen gelbbraunen Exemplaren einen blaßgrünen Darminhalt von verschiedenen Pflanzen gefunden hat. Aus der Farbe des Darminhaltes auf die Anteile der Nahrung an der Entstehung der Pigmente schließen zu wollen, erscheint mir ein Unding zu sein, da doch eine Inspektion des Darm- inhaltes keinen Aufschluß darüber gibt, welche Substanzen bereits resorbiert worden sind und auch gar nicht erkennen läßt, welche Teile noch resorbiert werden dürften. Diese Methode ist zur Entscheidung der uns interessierenden Frage absolut unbrauchbar. Matzdorff (56) stellte Fütterungsversuche an verschiedenen Farbenvarietäten von Idotea an, ohne daß sich ein Einfluß der Nahrung auf die Färbung gezeigt hat. „Niemals veränderten die Tiere auch nur im geringsten ihre Farben oder wurden sie einander ähnlich. Es wäre übrigens auch schwer einzusehen, wie die Nahrung auf das Pigment oder auf die Bewegungen der Chromatophoren einen Einfluß ausüben sollte." Mir wäre es sehr viel wesentlicher gewesen, zu hören, wie und im be- sonderen wie lange Zeit und unter welchen sonstigen Be- dingungen diese Fütteruugsversuche angestellt worden sind, leider fehlen über diese Punkte alle Angaben. Leider sind mit diesen höchst mangelhaften Versuchen unsere Kenntnisse über den Einfluß der Nahrung auf die Färbung der Crustaceen erschöpft, aber ich glaube nicht, daß damit die ganze Frage auch nur im entfertesten ent- schieden sein kann, sondern hier müssen wieder neue systemati- sche Untersuchungen einsetzen, da die Umfärbungsversuche von Keeble und Gamble an Hippolyte, falls sie sich bestätigen sollten, Erfolg verheißend erscheinen. In seinen letzten Untersuchungen hat Gamble (24) bereits dieses Thema angeschnitten. Seine Untersuchungen ergaben, daß das zuerst entwickelte rote Pigment der Crustaceen unabhängig ist von der Farbe der Pflanze, welche die Mutter frißt; bei in der Dunkelheit gehaltenen Tieren scheint aber eine Beziehung zwischen Futter färbe und Tier färbe zu bestehen, die aber keineswegs klargestellt ist. Gamble selbst hält es nicht für sehr wahrscheinlich, daß die Färbung der Hippolyle durch die Farbe des Futters beeinflußt wird. Schmankewitsch (87) hat bei Daphnien Farbenvarietäten be- obachtet, die er auf den verschiedenen Salzgehalt der betreff"enden Wässer bezieht; so ist Daplinia rectirostris in Süßwasser fast farblos, schwach gelblich gefärbt, während die gleiche Art des Chadschibai- salzsees rot ist; ferner sind verschiedene Veränderungen der Farbe je nach dem Salzgehalt des Wassers auch an Artemia salina beob- achtet worden. Systematische Untersuchungen über die Beeinflussung der Färbung hat jedoch Schmankewitsch nicht angestellt. Dagegen Der Tarbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1343 versuchte Matzdorff (5G) den Einfluß des Salzgehaltes auf die Färbung zu ermitteln, indem er Idotea in Salzwässern von 0,66 bis 2,62 Proz. beobachtete, aber keines der Versuchstiere ließ während der 24-stündigen Beobachtungszeit eine Veränderung der Färbung erkennen. Aber auch diese Versuche Matzdorffs halte ich nicht für beweisend, so daß neue systematische Versuche auch hier sehr erwünscht sind. Pouchet (74, 76) glaubte die Einwirkung des Sauerstoffmangels auf die Färbung zu untersuchen, indem er Crustaceen {llomanis und Palaemon) in Gefäßen mit Wasser hielt, das mit einer Oelschicht bedeckt war, um den Sauerstoffzutritt aus der Luft zu verhindern. Da aber bei dieser Methodik nicht nur Sauerstoffmangel, sondern auch Kohlendioxydanhäufung stattfinden muß, so kann natürlich von einer Verwertung der wechselnden Re- sultate keine Rede sein. Auch andere chemische Agentien wurden auf koloratorischen Effekt geprüft, so schwache Säuren von Focillon (15), welche bei Astacus eine Rotfärbung hervorbringen, welche Focillon auf eine Lösung der blauen kristallinischen Substanz in der Säure bezieht. Den Einfluß von Säuren auf die Bewegung der Chromatophoren von Idotea hat Menke (60) untersucht, indem er zu 50 ccm Seewasser 1 ccm 0,1 Normalsalzsäure zusetzte, worauf eine Expansion der Chro- matophoren eintrat, die Menke auf eine durch den Säurezusatz be- dingte Herabsetzung des Stoffwechsels zurückführt. Den Beweis für diesen Zusammenhang der Dinge ist uns Menke vollkommen schuldig geblieben, zumal eine direkte Wirkung der Salzsäure ohne Stoff- wechselveränderung nicht ausgeschlossen ist, und es auch nicht be- wiesen ist, daß ein Zusatz von Salzsäure zum Seewasser den Stoff- wechsel von Idotea herabsetzt, ebensowenig ist bewiesen, daß eine Verminderung des Stoffwechsels die Expansion der Chromatophoren bei Idotea bewirkt. Auf Zusatz von Aether zum See Wasser zeigte sich während des Erregungszustandes des Tieres eine Pigmentretraktion, während der Narkose eine Expansion. Offenbar handelt es sich dabei um Einwirkungen des Aethers auf das zentrale ko lora torische Nervensystem. Menke läßt das aber unent- schieden, da er eine Her ab setz un g des Gesamtstoffwechsels durch Aether für möglich hält, die gleichfalls nach Menkes Meinung zu einer Pigmentexpansion führen würde. Diese gekünstelte Hypothese ist gleichfalls durch keine Tatsachen bewiesen. Endlich sind auch bei Crustaceen die koloratorischen Wirkungen verschiedener A Ikal oi d e geprüft worden. Curare, Atropin, Digi- talin, Nikotin und Morphin zeigen keine Wirkung bei den verschiedeneu Crustaceen {Portunus, Carcinus^ Homarus, Cancer pagurus, Palaemon Pouchet, 76; Yung. 99). Während Yung vom Strychnin keine Farbenveränderung sah, glaubte Pouchet einen raschen Farben- wechsel bei Palaemon beobachtet zu haben, aber es handelt sich in Pouchets Versuchen nur um eine intensivere Wirkung des dunklen Untergrundes, wobei eventuell zugegeben werden kann, daß das Strychnin infolge der allgemeinen Erregbarkeitssteigerung auch die Wirkung des Untergrundes erhöht. Nur das Santonin ruft nach Pouchet (74, 76) bei Palaemon und Crangon eine starke an- dauernde Expansion der Chromatophoren hervor, die auch dann nicht verschwindet, wenn man die vergifteten Tiere auf einen hellen Grund bringt. Erst wenn die Vergiftung wieder abgeklungen ist, reagieren 1344 R. F. Fuchs die Chromatophoren auf den Untergrund. Die Santoninwirkung soll auf einen Zusammenhang zwischen den Chromatophoren und dem Auge hinweisen, da dieses Gift gleichzeitig auf die Chromatophoren und den Opticus wirkt, aber den Beweis für die Opticuswirkung bleibt uns PoucHET leider gänzlich schuldig, es sei denn, daß Pouchet glaubt, daß das Auftreten von Gelbsehen beim Menschen nach Santonin ein Beweis für die Wirkung des Giftes auf den Opticus der Crustaceen sei. Wenn wir das Fazit aus allem ziehen, was wir über die Beein- flussung der Chromatophoren der Crustaceen durch chemische Einflüsse (einschließlich der Ernährung) wissen, so können wir einge- stehen, daß es so gut wie nichts ist, und daß hier von neuem auf- gebaut und mit einer Versuchstechnik gearbeitet werden muß, die alle anderen Fehlerquellen , insbesondere Licht- und Untergrund- wirkungen, ausschließt. 4. Einfluß der Temperatur. Unter den allgemeinen Lebensbedingungen hat zweifellos die Temperatur einen Einfluß auf die Färbung der Crustaceen. Zwar hat Weismann (96), wie ich schon früher angeführt habe, den Einfluß der Temperaturerniedrigung auf die Blaufärbung der Daphnien entschieden in Abrede gestellt, und Matzdorff (56) tut dies auf Grund seiner Versuche für Idotea gleichfalls, aber ich halte weder die WEiSMANNschen Deutungen für richtig, noch Matzdorffs Versuche für beweisend. In einer Versuchsreihe wurde das Wasser allmäh- lich bis 30^ erwärmt, in anderen Fällen wurden die Tiere aus einem Wasser von 12^ in ein solches von 25 oder 30^ übertragen. Im letzteren Falle starben die Tiere binnen kurzer Zeit; außerdem wurden die Tiere in Wasser bis auf 4 ** abgekühlt, indem eine Kälte- mischung von Glaubersalz und Salzsäure dem W^asser, in dem die Tiere sich befanden, zugesetzt wurde. In allen Versuchen wurden die Tiere niemals längere Zeit beobachtet. Ueber die Beleuch- tungs- und Untergrundverhältnisse der Gefäße, in denen sich die Tiere befanden, werden gar keine Angaben gemacht, so daß diese Versuche mit ihren ganz unübersichtlichen Bedingungen vollkommen unbrauchbar sind, um irgendwelche Schlüsse daraus zu ziehen. Aber Matzdorff gibt, wie schon erwähnt, selbst an, daß der Farben- wechsel im Sommer leichter erfolgt als im Winter, und daß bei 10*^ kein sicherer Farbenwechsel zu erzielen ist. Auch Menke (60) hat den Einfluß der Temperatur auf die Ex- pansion und Retraktion der Chromatophoren bei Idotea untersucht und fand bei Steigerung der Temperatur bis zu